Stirbt, Small

Stirbt der Small Talk aus?

25.04.2025 - 04:55:38

Die Kunst des lockeren GesprÀchs ist ohnehin nicht sehr populÀr in Deutschland. Doch geht sie womöglich ganz verloren? Eine neue Umfrage zeigt: Besonders junge Leute meiden Small-Talk-Situationen.

  • Small Talk mit Prosecco: GĂ€ste unterhalten sich am Rande einer Modenschau in Berlin. (Archivbild) - Foto: picture alliance / ZB

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  • Schluss mit Blabla? Viele Erwachsene in Deutschland empfinden sogenannten Small Talk als oberflĂ€chlich. - Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

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Small Talk mit Prosecco: GÀste unterhalten sich am Rande einer Modenschau in Berlin. (Archivbild) - Foto: picture alliance / ZBSchluss mit Blabla? Viele Erwachsene in Deutschland empfinden sogenannten Small Talk als oberflÀchlich. - Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Die Deutschen sind und bleiben Small-Talk-Muffel. Das zeigt eine reprĂ€sentative Yougov-Umfrage im Auftrag der Sprachlernplattform Babbel. Demnach ist Small Talk - leichte, beilĂ€ufige Konversation - fĂŒr viele Erwachsene in Deutschland zwar alltĂ€glich, aber er wird oft als unangenehm empfunden.

Besonders JĂŒngere finden Small Talk oberflĂ€chlich oder sehen ihn sogar als Zeitverschwendung. Menschen ĂŒber 55 fĂŒhlen sich weit wohler dabei.

Der Aussage «Ich fĂŒhle mich in Small-Talk-Situationen besonders wohl, weil ich nicht zu viel von mir selbst preisgeben muss» stimmen insgesamt 39 Prozent zu. Bei den JĂŒngeren (18 bis 24 Jahre) sind es jedoch nur 24 Prozent, bei den Menschen ab 55 Jahren immerhin 44 Prozent. 

Der Aussage «Ich fĂŒhle mich in Small-Talk-Situationen unwohl» stimmen 48 Prozent der JĂŒngeren zu, bei den ĂŒber 55-JĂ€hrigen sind es lediglich 17 Prozent. Insgesamt sind es 24 Prozent.

Junge Erwachsene, die sich online oft sicher bewegen, scheinen also im direkten GesprĂ€ch ins Straucheln zu geraten. FĂŒr die sogenannte Generation Z (grob gesagt die 1995 bis 2010 Geborenen) scheint die spontane Unterhaltung im echten Leben eher eine Herausforderung zu sein als fĂŒr Boomer. 

Die sogenannte Gen Z meidet hÀufiger Small-Talk-Situationen

18- bis 24-JĂ€hrige bewerten Small Talk auch am hĂ€ufigsten als oberflĂ€chlich (rund 43 Prozent) und als zeitverschwendend (40 Prozent). Rund 39 Prozent von ihnen bejahen außerdem die Aussage «Ich versuche, Small-Talk-Situationen so oft es geht zu vermeiden». Bei den ĂŒber 55-JĂ€hrigen sind es nur 21 Prozent.

Insgesamt offenbart die Umfrage eine ambivalente Haltung: So wird Small Talk als wichtiges Mittel zur sozialen Verbindung und beruflichen Kommunikation und als eine Art TĂŒröffner gesehen, aber eben auch als oberflĂ€chlich betrachtet. Das wĂŒrde man in den USA oder in England wohl seltener so hören.

Sex als Small-Talk-Thema ist nicht fĂŒr alle tabu

Die Umfrage mit mehr als 2.000 Befragten ermittelte noch anderes AuffÀlliges:

  • MĂ€nner (30 Prozent) geben hĂ€ufiger an, Small Talk zu vermeiden als Frauen (24 Prozent). Sie empfinden ihn auch öfter als Zeitverschwendung (25 versus 19 Prozent).
  • Die Studie zeigt Vorlieben: Wetter steht als Small-Talk-Thema klassisch oben, gefolgt von Freizeit und Reisen – Themen, die als unverfĂ€nglich gelten. Persönlichere Inhalte wie SexualitĂ€t, Finanzen oder Beziehungen werden dagegen als zu heikel fĂŒr ein lockeres GesprĂ€ch empfunden.
  • JĂŒngere halten intimere Themen hĂ€ufiger fĂŒr «geeignet», wĂ€hrend Ältere eher zu Klassikern wie Wetter und Sport greifen. So sagen etwa 28 Prozent der 18- bis 24-JĂ€hrigen «Beziehung und Partnerschaft» seien «geeignet» als Small-Talk-Thema; bei den Menschen ĂŒber 55 sind es nur 17 Prozent.
  • «SexualitĂ€t» finden immerhin 12 Prozent der jungen Erwachsenen als Small-Talk-Thema «geeignet», in der Ü55-Gruppe sind es nur 8 Prozent. Beim Thema Sex erscheinen die 25- bis 34-JĂ€hrigen am offensten: 17 Prozent in dieser Altersgruppe finden es fĂŒr eine kleine Konversation «geeignet».

Die Sprachexpertin Maren Pauli (Head of Didactics) vom Auftraggeber Babbel ordnet die Ergebnisse wie folgt ein: «Wer in sozialen Medien daran gewöhnt ist, schnell auf den Punkt zu kommen oder sehr persönliche Inhalte zu teilen, empfindet Small Talk im echten Leben oft als HĂŒrde – nicht als Hilfe.» 

Außerdem sagt Pauli: «Junge Menschen haben scheinbar weniger Erfahrung mit spontanen GesprĂ€chen im analogen Raum – das legt nahe, dass sie sich im direkten Austausch unsicherer fĂŒhlen.»

@ dpa.de