Bus, FahrgÀste

Frau sticht in Bus auf FahrgÀste ein - Diskussion um Messer

31.08.2024 - 15:57:54

Die Tat weckt Erinnerungen: Eine Woche nach dem Anschlag von Solingen sticht in Siegen eine Frau mit einem Messer auf Menschen ein. Der Landesinnenminister findet deutliche Worte.

Erneut sind mehrere Menschen bei Messerangriffen in Deutschland verletzt worden. Mindestens sechs Menschen wurden allein im nordrhein-westfĂ€lischen Siegen verletzt, als eine Frau in einem Bus mit einem Messer auf FahrgĂ€ste einstach. Drei von ihnen erlitten lebensgefĂ€hrliche Verletzungen. Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) forderte darauf mehr Sicherheitsmaßnahmen bei Veranstaltungen. «Ich lasse gerade prĂŒfen, ob es rechtlich möglich ist, aufgrund der bestehenden Rechtslage bei großen Festen auch Taschenkontrollen durchzufĂŒhren», sagte Reul in Siegen.

Er warnte davor, Ereignisse zu vergleichen. «Das, was hier in Siegen passiert ist, hat mit dem, was da ins Solingen passiert ist, gar nichts zu tun. Nur es waren beides Mal Messer. Aber es ist eben ein riesiger Unterschied, ob da ein Terrorist unterwegs ist oder ob eine deutsche Frau, die psychische Probleme hat, wahllos auf Menschen einsticht», sagte Reul. Deshalb werde die Polizei ganz anders arbeiten mĂŒssen.

Tat weckt Erinnerungen an Solingen

Der Bus einer Sonderlinie sollte am Freitag mehr als 40 FahrgĂ€ste zu einem Stadtfest bringen. Gegen 19.40 Uhr kam es zu dem Messerangriff. Mehrere FahrgĂ€ste alarmierten die Polizei, Polizisten nahmen die deutsche VerdĂ€chtige fest. Die HintergrĂŒnde der Tat und der genaue Ablauf waren zunĂ€chst unklar. Die 32-JĂ€hrige sei polizeibekannt. Nach dpa-Informationen gibt es Hinweise auf eine psychische Erkrankung der Frau. Das Stadtfest ging am Samstag mit einem Gottesdienst weiter und wurde nicht abgesagt.

Ein Sprecher der Verkehrsbetriebe Westfalen-SĂŒd sagte der «Siegener Zeitung», der Busfahrer habe geistesgegenwĂ€rtig reagiert, den Bus sofort nach dem ersten Tumult im Fahrzeug zum Stehen gebracht und alle TĂŒren geöffnet. Das hĂ€tte den FahrgĂ€sten eine schnelle Flucht aus dem Bus ermöglicht und vielleicht noch Schlimmeres verhindert. Dem Zeitungsbericht zufolge befanden sich auch Kinder und Jugendliche in dem Bus.

Die Tat weckt Erinnerungen an den Anschlag von Solingen vor genau einer Woche. Dort hatte ein Mann auf einem Stadtfest drei Menschen mit einem Messer getötet und acht weitere verletzt. Der mutmaßliche TĂ€ter, ein 26-jĂ€hriger Syrer, sitzt in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen ihn unter anderem wegen Mordes und des Verdachts der Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). 

Bundesregierung verschÀrft Waffenrecht

Die Bundesregierung hatte sich als Konsequenz aus dem Terroranschlag von Solingen unter anderem auf eine VerschĂ€rfung des Waffenrechts verstĂ€ndigt. So soll der Umgang mit Messern im öffentlichen Raum weiter eingeschrĂ€nkt werden. Dazu zĂ€hlt ein generelles Messerverbot im Fernverkehr mit Bussen und Bahnen, auf Volksfesten und bei anderen Großveranstaltungen. DarĂŒber hinaus soll fĂŒr Springmesser ein Verbot kommen, von dem aber Ausnahmen möglich sein sollen - zum Beispiel fĂŒr JĂ€ger.

Zuletzt hatte die Zahl der Messerangriffe in Deutschland deutlich zugenommen - und damit die öffentliche Debatte ĂŒber diese Art von Gewalt. 2023 registrierte die Polizei 8.951 FĂ€lle von gefĂ€hrlicher und schwerer Körperverletzung, bei denen Messer zum Einsatz kamen, entweder um jemanden zu verletzen oder damit zu drohen - ein Anstieg um knapp 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 

Angriffe in Gelsenkirchen und Wuppertal

In anderen StĂ€dten Nordrhein-Westfalens kam es ebenfalls zu ZwischenfĂ€llen mit Messern. In Gelsenkirchen wurde ein 29 Jahre alter Mann mit einem Messerstich im Bein verletzt. Der Messerangriff habe sich nach einem Streit zwischen dem Mann und einer noch unbekannten mĂ€nnlichen Person ereignet, teilte die Polizei mit. Der mutmaßliche TĂ€ter sei nach der Tat am frĂŒhen Morgen geflohen. Tags zuvor wurde ein Mann bei einer Auseinandersetzung in Wuppertal durch Stiche schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei waren drei MĂ€nner in einem Mehrfamilienhaus in Streit geraten.

Auch aus anderen Orten Deutschlands kam es zu VorfĂ€llen: So wurden in Berlin innerhalb weniger Tage zwei Frauen bei einem Messerangriff getötet. In beiden FĂ€llen sehr wahrscheinlich durch einen Mann. Am Freitagabend wurde eine 28-JĂ€hrige im Ortsteil Friedrichsfelde erstochen - nur wenige Tage nach dem mutmaßlichen Mord an einer 36-JĂ€hrigen durch ihren Ex-Mann in Berlin-Zehlendorf. Einen weiteren Messerangriff auf eine Frau gab es am Freitag im Bezirk Reinickendorf, bei dem jedoch Schlimmeres verhindert werden konnte.

Nach dem Anschlag von Solingen wurde auch ĂŒber die Sicherheit bei Veranstaltungen diskutiert. In Siegen sei das bereits vorhandene Sicherheitskonzept und die Einsatzplanung nochmals genau ĂŒberprĂŒft worden, wurde der BĂŒrgermeister auf der Homepage des Stadtfestes zitiert. «Das Stadtfest nicht abzusagen, ist auch ein Zeichen fĂŒr Demokratie und Freiheit.» Die Stadt Siegen feiert ihren 800. Geburtstag.

@ dpa.de