Durchsuchung, Christina

Durchsuchung bei Christina Block

12.01.2024 - 15:20:42

Die Tochter des Block-House-GrĂŒnders Eugen Block streitet mit ihrem Ex-Mann seit Jahren um zwei ihrer vier Kinder. Nun hat es in Hamburg Durchsuchungen gegeben.

Der seit Jahren ausgetragene Sorgerechtsstreit der Hamburger Unternehmerin Christina Block (50) und ihres Ex-Mannes (49) hat ein neues Kapitel: Staatsanwaltschaft und Polizei haben am Freitag Blocks Wohnhaus in Hamburg durchsucht. Es werde gegen sie und weitere Personen wegen des Verdachts der Entziehung MinderjÀhriger und sonstiger Straftaten ermittelt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung berichtet.

Der Kampf um zwei der vier gemeinsamen Kinder erinnert seit langem an einen dramatischen Film. Deutsche und dĂ€nische Gerichte haben bereits sowohl fĂŒr den Vater als auch fĂŒr die Mutter entschieden. Ein endgĂŒltiges Urteil steht allerdings noch immer aus.

Zuletzt wurden die Kinder in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von bislang Unbekannten aus DĂ€nemark nach Deutschland zur Mutter geholt. Der Vater soll laut Polizei angegriffen worden sein. Nach einer erneuten Gerichtsentscheidung sind die Kinder nun wieder in DĂ€nemark. Und Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln: Wer hat die RĂŒckhol-Aktion in Auftrag gegeben?

Durchsuchungen bei Christina Block und in Luxushotel

In dem Zusammenhang wurden am Freitag mehrere DurchsuchungsbeschlĂŒsse vollstreckt. Nach dpa-Informationen sollten E-Mails und Daten gesichert werden, die Hinweise auf den oder die Auftraggeber der Aktion in DĂ€nemark bringen.

Fast ein Dutzend Ermittler waren am Morgen in zivilen Fahrzeugen vorgefahren und hatten gefĂŒllte Pappkartons und ein wie ein Drucker aussehendes GerĂ€t aus der Villa getragen. Die mehrstĂŒndige Aktion war von Medienvertretern beobachtet, fotografiert und gefilmt worden. Auch am Luxus-Hotel Grand ElysĂ©e sollen Ermittler unterwegs gewesen sein, wie ein dpa-Fotograf sagte. Sie packten Kartons in ein Auto.

Das ElysĂ©e-Hotel gehört wie die Restaurantkette Block House zu der von Eugen Block gegrĂŒndeten Unternehmensgruppe. Der 83-JĂ€hrige ist Christina Blocks Vater. Er hatte erst am Donnerstag bei einem Neujahrsempfang ĂŒber den Sorgerechtsstreit um seine Enkel gesagt: «Diese Ungerechtigkeit schreit zum Himmel.» Das alles sei nur traurig.

Sprecherin: Kooperieren in vollem Umfang

Auch die Firmenzentrale der Block-Gruppe im Lademannbogen in Langenhorn wurde durchsucht, wie zunĂ€chst das «Hamburger Abendblatt» berichtete. Eine Sprecherin der Block-Gruppe erklĂ€rte: «Wir kooperieren mit den Ermittlern in vollem Umfang und stellen die erbetenen Unterlagen zur VerfĂŒgung.»

Streit um Kinder seit vielen Jahren

Christina Block und der Vater ihrer Kinder hatten im August 2005 geheiratet, etwa zehn Jahre spĂ€ter folgte die Scheidung. Bei einer der vereinbarten Besuche im Sommer 2021 hatte der Vater die Kinder nicht wieder nach Hause geschickt und seine Entscheidung mit Übergriffigkeiten der Mutter gegen die Kinder begrĂŒndet. Ihr Anwalt Otmar Kury versicherte dpa, dass an den VorwĂŒrfen nichts dran sei. «In den familiengerichtlichen Verfahren ist das Gegenstand und die Mutter hat auch immer gesagt, dass sie die Kinder natĂŒrlich nicht geschlagen hat und es gibt keine Beweise dafĂŒr.»

Die beiden jĂŒngeren Kinder leben seitdem in DĂ€nemark - obwohl das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG) in Hamburg das Aufenthaltsbestimmungsrecht im Oktober 2021 vorlĂ€ufig auf die Mutter ĂŒbertragen hatte. Einen Monat zuvor hatte das Familiengericht das Recht noch dem Vater zugesprochen, wogegen sich die Mutter vor dem OLG erfolgreich beschwerte. Das Gericht hatte den Vater in der einstweiligen Anordnung vom Oktober verpflichtet, die Kinder in die Obhut der Mutter zurĂŒckzugeben.

Der Beschluss wurde auch von den dÀnischen Behörden nicht umgesetzt. Hintergrund: Als einziges EU-Land erkennt DÀnemark Entscheidungen von Gerichten anderer MitgliedslÀnder in Sorgerechtsstreitigkeiten nicht an. Es hat die entsprechende EU-Verordnung nicht unterzeichnet.

Mitte Oktober 2023 wurden vom Hamburger Familiengericht im sogenannten Hauptsacheverfahren die SorgerechtsantrĂ€ge beider Eltern als unzulĂ€ssig zurĂŒckgewiesen - weil die Kinder nun ihren Lebensmittelpunkt in DĂ€nemark hĂ€tten und die deutschen Gerichte nicht mehr zustĂ€ndig seien. Die Mutter hat dagegen Beschwerde eingelegt, ĂŒber die noch nicht entschieden wurde.

Die Staatsanwaltschaft versucht unterdessen seit Monaten, den Gesamtkomplex des Block-Konfliktes nĂ€her aufzuklĂ€ren. Im Mai 2023 hatte sie Anklage gegen den Vater wegen Kindesentziehung erhoben. Das Amtsgericht lehnte im November die Eröffnung eines Prozesses ab, weil die Vorenthaltung eines Kindes im Inland und EU-weit nur dann strafbar sei, wenn sie mit Gewalt, durch Drohung oder mit List geschehen sei, sagte ein Gerichtssprecher. Das werde dem Vater aber nicht vorgeworfen. Die Staatsanwalt legte dagegen Beschwerde ein, darĂŒber hat das Landgericht noch nicht entschieden.

Trauriger vorlÀufiger Höhepunkt in der Silvesternacht

Der Kampf um die Kinder eskalierte in der Silvesternacht, als Unbekannte nach Angaben der dĂ€nischen Polizei den Vater in SĂŒddĂ€nemark angegriffen und den 10-jĂ€hrigen Jungen und das 13-jĂ€hrige MĂ€dchen in zwei Autos mitnahmen. Es werde wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung ermittelt, teilte die dĂ€nische Polizei mit.

Die Kinder befanden sich danach bei ihrer Mutter. Nach einem Eilantrag des Vaters hatte das Hanseatische Oberlandesgericht am Freitag vergangener Woche eine einstweilige Anordnung erlassen, nach der die Kinder zu ihrem Vater zurĂŒckkehren mussten. Christina Block folgte der Aufforderung sofort, wie ihr Anwalt sagte. Seine Mandantin habe die Aktion nicht beauftragt, betonte er zudem.

Ein wegen der Silvesternacht gegen sie vorliegender europÀischer Haftbefehl der dÀnischen Justiz werde in Deutschland nicht vollstreckt, sagte Kury. Der Haftbefehl sei in Hamburg in eine Meldeanordnung umgewandelt worden. Es gebe keine Fluchtgefahr. Welchen Vorwurf die dÀnische Justiz gegen die Unternehmerin erhebt, konnte der Anwalt nicht sagen.

Christina Block hatte bei einem Neujahrsempfang vor wenigen Tagen klare Regeln in Medien und Justiz eingefordert: «Wo Unrecht geschieht, mögen wir dafĂŒr eintreten, dass es revidiert wird, und wo Unrecht erkannt und bereits geurteilt wurde, muss dies strikt und schnell umgesetzt werden. Und die Opfer mĂŒssen geschĂŒtzt werden», sagte sie.

@ dpa.de