Erdbeben in SĂŒdostasien: Viele Tote, Hunderte Verletzte
28.03.2025 - 18:04:27Ein starkes Erdbeben mit StĂ€rke 7,8 in SĂŒdostasien hat viele Menschenleben gekostet. Es gibt schwere SchĂ€den an GebĂ€uden. In Myanmar herrscht Sorge, dass DĂ€mme am Fluss Irrawaddy beschĂ€digt worden sein und brechen könnten. Laut Wissenschaftler gibt es zudem eine realistische Gefahr von weiteren Erdbeben in der Region. Ein Ăberblick:
Die Opfer
In Myanmar, wo das Epizentrum lag, kamen nach Angaben des MilitĂ€rfĂŒhrer Min Aung Hlaing mindestens 144 Menschen ums Leben. Ăber 730 wurden verletzt, wie die Junta im staatlichen Fernsehen bekanntgab.Â
Im benachbarten Thailand wurden bislang drei TodesfĂ€lle offiziell bestĂ€tigt. Medienberichten zufolge sind bis zu zehn Tote inzwischen geborgen worden, 101 Menschen sollen allein in Bangkok noch vermisst sein.Â
Das AuswĂ€rtige Amt teilte mit, es gebe keine Erkenntnisse ĂŒber betroffene Deutsche. Die Lage sei aber noch sehr unĂŒbersichtlich, hieĂ es am Mittag. Auf den bei Urlaubern beliebten Inseln Koh Samui und Phuket spĂŒrten Anwohner nichts von dem ErdstoĂ.Â
Die Lage in Myanmar
Das stĂ€rkere Beben ereignete sich etwa 50 Kilometer östlich von Monywa im Zentrum Myanmars. In dem östlich davon gelegenen Mandalay, der mit 1,6 Millionen Einwohnern zweitgröĂten Stadt des Landes, kamen nach Medienberichten zehn Menschen beim Einsturz einer Moschee ums Leben.
In Taungoo brach ein Kloster ein, in dem Vertriebene untergebracht waren. In Sagaing stĂŒrzte eine alte BrĂŒcke ein. Fotos zeigten zudem beschĂ€digte historische Pagoden in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw. Das Rote Kreuz in Myanmar spricht von verheerenden SchĂ€den. Es bestehe groĂe Sorge, dass DĂ€mme am Fluss Irrawaddy brechen könnten.
Seit einem MilitĂ€rputsch im Februar 2021 versinkt das frĂŒhere Birma ohnehin schon in Gewalt und Chaos, verschiedene Rebellengruppen kĂ€mpfen teils erfolgreich gegen die Armee. Aus dem Land dringen nur wenige Informationen nach auĂen.
Die Lage in Thailand
Im benachbarten Thailand stĂŒrzte in der Hauptstadt Bangkok der Rohbau eines mehr als 30 Stockwerke hohen GebĂ€udes nach den ErschĂŒtterungen ein. Videos im Internet zeigten, wie Arbeiter vor dem einstĂŒrzenden Hochhaus davonliefen. Thailands Institut fĂŒr Notfallmedizin meldete dort drei Tote und 68 Verletzte. Nach Medienberichten wurden Stunden nach dem Beben noch mehr als 80 Arbeiter vermisst.
Hier hatte die Erde minutenlang gebebt, Menschen verlieĂen in Panik ihre HĂ€user. 17 KrankenhĂ€user in Provinzen des Landes seien beschĂ€digt worden, berichtete das Portal «Nation Thailand» nach Angaben des Gesundheitsministeriums. Vor allem hĂ€tten die GebĂ€ude Risse. Thailands MinisterprĂ€sidentin Paetongtarn Shinawatra erklĂ€rte am Abend (Ortszeit) aber, die SchĂ€den hielten sich in Grenzen. Die Menschen könnten in ihre Wohnungen zurĂŒckkehren.
Das Erdbeben
Das Deutsche Geoforschungsinstitut (GFZ) in Potsdam verzeichnete fĂŒr das Erdbeben eine StĂ€rke von 7,8 in Myanmar in einer Tiefe von circa 24 Kilometern. Die US-Erdbebenwarte USGS maĂ die Magnitude 7,7 in zehn Kilometer Tiefe. Zudem registrierten beide Organisationen ein paar Minuten spĂ€ter etwas sĂŒdlich ein weiteres Erbeben mit einer StĂ€rke von 6,4.Â
Laut dem GFZ ereignete sich das Erdbeben in der Sagaing-Verwerfung. Hier bewegen sich die indische Kontinentalplatte und die eurasische Platte mit einer Geschwindigkeit von etwa 18 Millimeter pro Jahr aneinander vorbei. Es bauen sich Spannungen auf, die sich immer wieder entladen - wie nun nach einer ruhigeren Phase, die ĂŒber fast 70 Jahre angehalten hatte, erlĂ€uterte das Geoforschungsinstitut. Dessen Experten gehen aktuell von einer BruchlĂ€nge von mehr als 200 Kilometern aus.
Die Wissenschaftler rechneten damit, dass in den nĂ€chsten Stunden bis Tagen Ereignisse der StĂ€rke 6 bis 6,5 auftreten können. «Das ist ein typischer Prozess», sagte der Geophysiker Oliver Heidbach vom GFZ der Deutschen Presse-Agentur. Es könne Nachbeben-Serien geben, die in der Anzahl und StĂ€rke mit der Zeit abnehmen. Alternativ kann es ein weiteres starkes Beben geben. Die seismischen Wellen könnten erhebliche weitere SchĂ€den anrichten, da sie auf bereits beschĂ€digt GebĂ€ude treffen.Â
Thailands MinisterprÀsidentin sprach Lokalmedien zufolge von gut von einem Dutzend Nachbeben innerhalb von weniger Stunden.
Die Reaktionen
Myanmars JuntafĂŒhrer Min Aung Hlaing sagte im staatlichen Fernsehen, dass er Hilfe der internationalen Gemeinschaft und anderen Organisationen angefordert habe. Und er habe bereits Indien und dem Verband sĂŒdostasiatischer Nationen, abgekĂŒrzt ASEAN, erlaubt, Helfer in den Regionen zu unterstĂŒtzen. Es wurde zudem in mehreren Regionen Myanmars der Notstand ausgerufen.Â
Die EU unterstĂŒtzt nach eigenen Angaben bereits mit Satellitenbildern und hat weitere Hilfe angeboten. Der Malteser Hilfsdienst stellt zunĂ€chst 250.000 Euro Nothilfe zur VerfĂŒgung - die Caritas weitere 100.000 Euro.
«Nach dem schweren Erdbeben in Myanmar und Thailand sind unsere Gedanken bei den Opfern, ihren Familien und Freunden», schrieb Bundeskanzler Olaf Scholz auf der Plattform X. «Wir hoffen, dass die Suche nach Vermissten rasch gelingt und wĂŒnschen den Verletzten schnelle Genesung.»









