BĂ€ren, Trentino

BĂ€ren im Trentino: Erst geholt, dann geschossen

04.02.2025 - 07:00:36

Die tödliche Attacke auf einen Jogger hat die Menschen im Trentino aufgeschreckt. Immer öfter treffen BÀren in der Region mit Menschen zusammen. Wie umgehen mit der stetig wachsenden Population?

  • Mehrfach gab es im Trentino Attacken von BĂ€ren auf Menschen. (Symbolfoto) - Foto: Matteo Zeni/Servizio Faunistico/dpa

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  • BraunbĂ€r Bruno bleibt der Nachwelt ausgestopft als Honigdieb erhalten. (Archivfoto)  - Foto: Peter Kneffel/dpa

    Peter Kneffel/dpa

  • Schilder warnen im Trentino vor BĂ€ren. (Archivfoto) - Foto: Robert Messer/dpa

    Robert Messer/dpa

Mehrfach gab es im Trentino Attacken von BÀren auf Menschen. (Symbolfoto) - Foto: Matteo Zeni/Servizio Faunistico/dpaBraunbÀr Bruno bleibt der Nachwelt ausgestopft als Honigdieb erhalten. (Archivfoto)  - Foto: Peter Kneffel/dpaSchilder warnen im Trentino vor BÀren. (Archivfoto) - Foto: Robert Messer/dpa

Erst siedelte man BĂ€ren im italienischen Trentino extra wieder an - jetzt geht es um AbschĂŒsse. Erstmals wurden im vergangenen Jahr auf Basis einer neuen Regelung drei BĂ€ren getötet. Die Tiere hĂ€tten teils Menschen verfolgt, teils angegriffen und verletzt, sagte ein Sprecher der Provinzregierung. «Es ist eine Frage der Sicherheit.» 

Seit dem Start des EU-geförderten BĂ€renprojekts «Life Ursus» um die Jahrtausendwende wuchs die Population schneller als erwartet auf rund 100 Tiere. Immer öfter gibt es in der bei Touristen beliebten Region nördlich des Gardasees gefĂ€hrliche Zusammentreffen mit Menschen. Trauriger Höhepunkt war eine tödliche Attacke auf einen 26-jĂ€hrigen Jogger im FrĂŒhjahr 2023. 

Die Behörden zogen die Notbremse. Die Provinzregierung unter PrÀsident Maurizio Fugatti von der rechten Lega-Partei erlaubte Anfang 2024 den Abschuss von bis zu acht BÀren jÀhrlich. 

TierschĂŒtzer erbost

Die Entscheidungen zum Abschuss der drei BĂ€ren seien von Fachleuten des Umweltministeriums in Rom geprĂŒft und fĂŒr zulĂ€ssig befunden worden, sagte der Sprecher. Dennoch sieht sich Fugatti wegen der Tötung von BĂ€ren mit Strafanzeigen von TierschĂŒtzern konfrontiert. Im Dezember zeigte ihn auch die oppositionelle FĂŒnf-Sterne-Bewegung an. Man habe zudem einen Brief an die EU-Kommission geschrieben, damit es im Trentino zu einer PrĂŒfung komme, hieß es dazu. BĂ€ren sind grundsĂ€tzlich streng geschĂŒtzt. 

Noch 2013 hieß es aus der Provinz Trient stolz, «Life Ursus» sei gerade noch rechtzeitig gestartet worden; der BraunbĂ€r sei in den Alpen vom Aussterben bedroht. Seit 2014 gab es dann mindestens neun BĂ€renangriffe auf Menschen.

BÀrenangst 

Seither hat sich die Debatte um das Zusammenleben von Mensch und Tier verschĂ€rft: Einerseits Sorgen von Anwohnern, Forderungen nach Schutz und Kritik am Projekt «Life Ursus» - andererseits TierschĂŒtzer, die auf ein Lebensrecht der BĂ€ren pochen. 

An Wanderwegen nördlich des Gardasees warnen Schilder in italienischer und englischer Sprache. Einheimische nehmen Pfefferspray mit oder binden Glöckchen an den Rucksack, um auf sich aufmerksam zu machen - auch wenn manche Experten meinen, die Tiere könnten den Klang mit Almvieh - also möglicher Nahrung - verbinden und erst recht angelockt werden. 

Die Angst wandert mit, zumal BĂ€ren teils nah an Siedlungen auftauchen. Vor einigen Jahren sorgte das Video eines Autofahrers fĂŒr Aufregung, der unweit des beliebten Surferspots Torbole einem auf der Straße laufenden BĂ€ren nachgefahren war und das Tier gefilmt hatte. Nachdem im Sommer 2024 ein französischer Urlauber von einem Tier verletzt wurde, bangen manche auch um den Tourismus.

BÀrenfrage beschÀftigt die Gerichte

Die BĂ€rin Gaia (JJ4, Abkömmling von Mutter Jurka und Jose), die den jungen Jogger tötete, hat eine einschlĂ€gige Familiengeschichte. Sie ist eine Schwester des in Bayern berĂŒhmt gewordenen «ProblembĂ€ren» Bruno (JJ1), der sich gefĂ€hrlich nah an Siedlungen wagte und 2006 abgeschossen wurde. Ein anderer Bruder - JJ3 - wurde in der Schweiz getötet, auch er war als gefĂ€hrlich eingestuft worden. Mutter Jurka lebt seit vielen Jahren in einem Gehege im Schwarzwald - wo bald auch Gaia unterkommen soll.

Gaia war schon vor der tödlichen Attacke mehrfach aufgefallen und hatte zwei Menschen verletzt. Doch ihre aus SicherheitsgrĂŒnden angeordnete Entnahme aus der Wildbahn - durch Tötung oder Einfangen - wurde von Gerichten abgelehnt. Sie blieb in Freiheit.

Am 5. April 2023 schließlich griff sie den Jogger an. Abermals hoben Richter den Tötungsbefehl auf. Sie kam in das Tierpflegezentrum Casteller unweit von Trient. Im FrĂŒhjahr soll sie wie Mutter Jurka in einem streng abgesicherten BĂ€rengehege im Schwarzwald untergebracht werden.

Vorbereitung auf Gaia 

Im vergangenen Jahr konnten EinsprĂŒche von TierschĂŒtzern die Tötung von drei BĂ€ren nicht stoppen. Die Forstverwaltung ließ die Tiere mit den Bezeichnungen M90, KJ1 und M91 gemĂ€ĂŸ der Anordnung von Provinz-PrĂ€sident Fugatti töten.

Im Schwarzwald wird unterdessen ein Gehege fĂŒr Gaia vorbereitet. «Wir sind noch gut im Plan. Sobald es die Witterung wieder zulĂ€sst, können die Arbeiten weitergehen», sagt Christopher Schmidt, Sprecher des Alternativen Wolf- und BĂ€renparks Schwarzwald. Dort leben vor allem BĂ€ren, die in KĂ€figen oder Zirkussen gehalten wurden.

Leben hinter ZĂ€unen fĂŒr Wildtiere «Horror» 

Die Aufnahme Gaias im Schwarzwald sei in der aktuellen Situation noch die beste Lösung. Es dĂŒrfe aber keine Standardlösung werden. «Eigentlich haben wir gesagt, dass wir keine WildbĂ€ren mehr aufnehmen. Mit Gaia fĂ€ngt das nicht an, sondern mit ihr sollte das aufhören», sagt Schmidt. 

«GrundsĂ€tzlich ist Gefangenschaft fĂŒr Wildtiere der Horror, da sie einen enormen Freiheitsdrang haben.» Etwa versuchten sie, sich in die Freiheit zu graben - was aber durch einen metertiefen Untergrabschutz verhindert wird. «Das Tier weiß, dass es unendliche Weiten gibt. Es versteht nicht, warum da jetzt ein Zaun ist.»

Schicksalsergeben Leben fristen 

Die Folge sei, «dass das Tier irgendwann daran zerbricht, sich seinem Schicksal ergibt und sein Leben fristet.» Im BĂ€renpark versuche man das Brechen sanft zu begleiten. «Der Abschuss wĂ€re der Leid-freieste Weg gewesen», sagt Schmidt. «Unsere Lösung bringt das danach noch geringste Leid fĂŒr das Tier.»

Über die nun im Trentino erlaubten AbschĂŒsse sagt er: «Es ist auf jeden Fall fĂŒr das Tier besser, als es einzusperren. Es ist eine Handhabe, die praktikabel ist, wenn sie dazu fĂŒhrt, dass unauffĂ€llige BĂ€ren in Freiheit leben dĂŒrfen.»

@ dpa.de