Griechenland, BrÀnde

WaldbrÀnde in Griechenland - Feuerhölle mit bisher 20 Toten

22.08.2023 - 15:14:28

Die verheerenden BrĂ€nde in Griechenland fordern jetzt auch zahlreiche Todesopfer. Allein in den WĂ€ldern von Dadia werden in einer HĂŒtte 18 verbrannte Leichen entdeckt, vermutlich Migranten. Die Angst der Menschen im Land wĂ€chst.

  • Das Feuer verbrennt ein Haus im Dorf in der NĂ€he der Stadt Alexandroupolis in der nordöstlichen Region Evros. StĂŒrmische Winde fachen die Flammen der WaldbrĂ€nde in ganz Griechenland an. - Foto: Achilleas Chiras/AP

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  • Nach der teilweisen RĂ€umung eines Krankenhauses  in Alexandroupolis sind Patienten auf einer FĂ€hre untergebracht worden. - Foto: Uncredited/e-evros.gr/AP/dpa

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  • Ein verbranntes Haus im griechischen Sostis. - Foto: Achilleas Chiras/AP/dpa

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Das Feuer verbrennt ein Haus im Dorf in der NĂ€he der Stadt Alexandroupolis in der nordöstlichen Region Evros. StĂŒrmische Winde fachen die Flammen der WaldbrĂ€nde in ganz Griechenland an. - Foto: Achilleas Chiras/APNach der teilweisen RĂ€umung eines Krankenhauses  in Alexandroupolis sind Patienten auf einer FĂ€hre untergebracht worden. - Foto: Uncredited/e-evros.gr/AP/dpaEin verbranntes Haus im griechischen Sostis. - Foto: Achilleas Chiras/AP/dpa

Angst, Beklemmung, gar eine Art Weltuntergangsstimmung - mit diesen GefĂŒhlen sind am Dienstag viele Menschen in Griechenland aufgewacht. In weiten Teilen des Landes wurde die Sonne von dichtem Rauch verdeckt. Der Wind hatte ihn von den gewaltigen WaldbrĂ€nden im Nationalpark Dadia hoch im Nordosten quer ĂŒber das Land geschickt. In Dadia mĂŒssen sich allerdings noch weitaus schlimmere Dramen abgespielt haben als bisher bekannt: Dort stieß die Polizei am Dienstag Angaben zufolge in einer HĂŒtte auf 18 verbrannte Leichen. «Da niemand vermisst wird, gehen wir davon aus, dass es sich um illegale Einwanderer handelt», sagte Feuerwehrsprecher Giannis Artopoios dem griechischen Staatssender ERT.

Der Fund der Leichen in der NĂ€he der Ortschaft Avas (auch: Avantas) bestĂ€tigte eine entsprechende BefĂŒrchtung der Feuerwehr, denn bereits am Dienstagvormittag war in den WĂ€ldern die Leiche eines mutmaßlichen Migranten gefunden worden. Der Mann sei vermutlich an einer Rauchvergiftung gestorben, hieß es. Zusammen mit einem SchĂ€fer, der bereits am Montag ums Leben gekommen war, weil er versucht hatte, seine Tiere in Sicherheit zu bringen, stieg die Zahl der Toten damit auf 20.

Helfer kÀmpfen bis zur Erschöpfung

Angesichts der Toten und der unzĂ€hligen BrĂ€nde herrscht tiefe Betroffenheit im ganzen Land. Mindestens fĂŒnf Feuerfronten sind sehr groß und nicht unter Kontrolle. In den betroffenen Gebieten kĂ€mpften Feuerwehrleute und Anwohner bis zur Erschöpfung - in der stark betroffenen Hafenstadt Alexandroupolis nun schon den vierten Tag in Folge. «Das Ausmaß der BrĂ€nde von Alexandroupolis ĂŒbersteigt jeden BrandbekĂ€mpfungs-Mechanismus», bilanzierte ein Feuerwehrsprecher gegenĂŒber dem Sender Skai. Soll heißen: Es geht kaum noch darum, das Feuer unter Kontrolle zu bringen, sondern nur noch darum, Menschenleben zu retten.

Das ist auch die Maßgabe der Regierung: «Menschenleben sind oberste PrioritĂ€t», sagte am Dienstag MinisterprĂ€sident Kyriakos Mitsotakis vor Journalisten. Erst dann folgten BesitztĂŒmer und Umwelt. Er verwies darauf, dass die schnellen Evakuierungen erfolgreich seien. UnzĂ€hlige Ortschaften nahe aller großen BrĂ€nde waren in den vergangenen Tagen vorsorglich evakuiert worden.

Die Migranten jedoch hatten vermutlich keine Chance. Sie seien den Angaben nach in einer HĂŒtte in der NĂ€he der Ortschaft Avas (auch: Avantas) gefunden worden, eine Untersuchung wurde eingeleitet. Im Waldgebiet von Dadia verstecken sich immer wieder Migranten, die illegal aus der TĂŒrkei ĂŒber den Grenzfluss Evros nach Griechenland eingereist sind. Von dort hoffen sie weiter nach Mitteleuropa zu gelangen. Wie viele Menschen sich dort noch aufhalten und gefĂ€hrdet sein könnten, ist völlig unklar.

Tiefschwarze Rauchwolken verhĂŒllen Athen

Neben den BrÀnden von Dadia zeigten Fernsehbilder auch verzweifelte Menschen im nÀchtlichen Kampf gegen orange-leuchtende FeuerwÀnde auf der Insel Euböa und weinende Anwohner, deren HÀuser abgebrannt waren. In Alexandroupolis mussten rund 175 Menschen aus dem UniversitÀtskrankenhaus in Sicherheit gebracht werden - ein Teil von ihnen auf eine FÀhre, die spÀter Richtung Kavala ablegte, der Rest in KrankenhÀuser der Umgebung.

Tiefschwarze Rauchwolken hĂŒllten auch die Hauptstadt Athen ein - dort brannte es am Dienstag in der rund 15 Kilometer entfernten Gemeinde Aspropyrgos. Diese Athener Vorstadt hat zwar kaum Vegetation, dafĂŒr aber große MĂŒllhalden, Industriehallen und Berge von Autoreifen, die Feuer fingen. GegenĂŒber dem Staatssender ERT kritisierte der BĂŒrgermeister der Gemeinde, dass der Ort fĂŒr den MĂŒll der Hauptstadt Athen herhalten mĂŒsse und die Situation auch wegen der Armut in Aspropyrgos extrem schwierig sei.

SpÀter brach dann auch weiter nördlich von Athen ein Feuer aus, erneut wurde evakuiert. Viele Menschen lassen sich jedoch nicht vertreiben, sondern wollen beim Löschen helfen. «Wir liefern hier einen panhellenischen Kampf gegen die Flammen», sagte ein Feuerwehrsprecher dem Sender Skai.

Gleichzeitig herrscht Verbitterung ĂŒber mutmaßliche Brandstifter. In sozialen Medien diskutieren die Menschen die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet bei den aktuell starken Winden so viele Feuer ausbrechen. Hinweise auf Brandstiftung gibt es viele, etwa die Tatsache, dass im Wald Dadia am Montag laut Feuerwehr binnen zwei Stunden zwölf Brandherde ausbrachen - in dieser HĂ€ufung ein Indiz fĂŒr menschengemachte Feuer. Doch die TĂ€ter sind in den oft unzugĂ€nglichen Waldgebieten kaum zu schnappen.

Starke Winde und Sturmböen

Auch der Klimawandel wird immer wieder als Ursache fĂŒr die hohe IntensitĂ€t der BrĂ€nde genannt - von der griechischen Regierung ebenso wie von Forschern. In der sich aufheizenden Welt gebe es mehr DĂŒrreperioden, sagte der Kieler Klimaforscher Mojib Latif am Dienstag dem Deutschlandfunk. Das fĂŒhre zu mehr BrĂ€nden, die zunehmend außer Kontrolle gerieten. In diesem Ausmaß habe es das in der Vergangenheit nicht gegeben.

International wurde derweil erneut Hilfe fĂŒr Griechenland auf den Weg gebracht: «ZusĂ€tzlich zu zwei Löschflugzeugen aus Zypern und Feuerwehrleuten aus RumĂ€nien sind fĂŒnf weitere Flugzeuge und ein Hubschrauber sowie zusĂ€tzliche Feuerwehrleute auf dem Weg», kĂŒndigte der fĂŒr Krisenmanagement zustĂ€ndige EU-Kommissar Janez Lenarcic an. Die Hilfe komme aus Deutschland, Kroatien, Schweden und Tschechien.

Die weiteren Aussichten fĂŒr die Entwicklung der BrĂ€nde waren am Dienstag denkbar schlecht: FĂŒr fast ganz Griechenland warnte der Zivilschutz vor sehr hoher bis extrem hoher Waldbrandgefahr. Problematisch sind vor allem die starken Winde und mancherorts auch Sturmböen, die die Flammen vor sich her treiben und die Feuerfronten ausweiten. Sie machen die Löscharbeiten fast unmöglich und fĂŒr die Löschhubschrauber und -flugzeuge zudem sehr gefĂ€hrlich.

@ dpa.de