Weniger Verkehrstote und UnfĂ€lle auf deutschen StraĂen
28.02.2025 - 13:53:48Weniger UnfĂ€lle, weniger Verletzte und weniger Tote: In der deutschen Verkehrsstatistik fĂŒr 2024 zeigt sich ein positiver Trend. So starben im vergangenen Jahr 2.780 Menschen bei VerkehrsunfĂ€llen. Das sind 59 Menschen oder zwei Prozent weniger als 2023, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden nach vorlĂ€ufigen Ergebnissen mitteilte. Dies sei zugleich der drittniedrigste Wert seit Beginn der Erfassung im Jahr 1953. Nur in den Corona-Jahren 2020 und 2021 starben mit 2.719 beziehungsweise 2.562 Personen weniger Menschen im StraĂenverkehr.Â
Auch die Zahl der Verletzten sank 2024 um 1 Prozent auf 363.000 Menschen gegenĂŒber dem Vorjahr leicht. Die Zahl der Schwerverletzten sank demnach sogar um 5Â Prozent auf 50.300. Dies sei der niedrigste Wert seit 1991, dem ersten Jahr, in dem die Verletzten getrennt in schwer- und leicht verletzt erfasst wurden.
Aus Sicht der Deutschen Verkehrswacht sind die Verringerungen der Zahlen der Verkehrstoten zu klein. «Ich freue mich ĂŒber jeden einzelnen Menschen, der nicht im StraĂenverkehr zu Tode kommt. Diese Zahlen deuten aber keine Trendwende an.», sagte Kirsten LĂŒhmann, PrĂ€sidentin der Verkehrswacht der Deutschen Presse-Agentur. «Wir reden immer noch von knapp acht Toten pro Tag, acht Menschen, die jeden Tag auf unseren StraĂen sterben.»Â
Dagegen bedeutete der RĂŒckgang an Schwerverletzten einen ausgeprĂ€gteren positiven Trend. Das geht laut LĂŒhmann auch auf verbesserte Fahrzeugtechnik wie Assistenzsysteme zurĂŒck.
Auch der ADAC sieht keinen Durchbruch bei den Zahlen. «Das reicht nicht aus», sagte Ulrich Chiellino, Leiter des Bereichs Verkehrspolitik beim ADAC. Er stellte die Eigenverantwortung im StraĂenverkehr in den Fokus. Viele UnfĂ€lle passierten auch aus einer gewissen Sorglosigkeit heraus. Gerade auf «Routinestrecken», wie dem Heimweg auf der LandstraĂe gebe es deutlich zu viele tödliche UnfĂ€lle. Deshalb sollten Autofahrer «auch auf vertrauten Strecken aufmerksam bleiben».Â
Allein das Anschnallen könnte oft Leben retten - SchĂ€tzungen zufolge könnten bis zu 200 tödliche UnfĂ€lle im Jahr durch konsequentes Anschnallen vermieden werden, sagte er. Auch bei Radfahrern spiele die Eigenverantwortung eine groĂe Rolle. Viele TodesfĂ€lle in diesem Bereich gingen auf AlleinunfĂ€lle zurĂŒck. Da kĂ€men dann auch Drogen und Alkohol und eine gewisse SelbstĂŒberschĂ€tzung ins Spiel.Â
Weniger UnfÀlle insgesamt
Die Polizei registrierte laut den Bundesstatistikern im Jahr 2024 rund 2,5 Millionen UnfÀlle insgesamt - ebenfalls 1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Bei 2,2 Millionen UnfÀllen blieb es bei SachschÀden. Die Zahl der UnfÀlle, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden, sank um 1 Prozent auf gut 289.000.
Dem Bundesamt lĂ€gen derzeit detaillierte Daten fĂŒr den Zeitraum von Januar bis November 2024 vor. Diese zeigten, dass bei fast allen Verkehrsbeteiligungsarten weniger Menschen starben als im Vorjahreszeitraum. Demnach waren es jeweils 21 Getötete weniger bei den FuĂgĂ€ngerinnen und FuĂgĂ€ngern (minus 5,7 Prozent) sowie den Autoinsassen (minus 2,0 Prozent). Auch bei Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern gab es mit 10 Getöteten weniger (minus 2,3 Prozent) einen RĂŒckgang.Â
Dagegen kamen von Januar bis November 2024 mehr Menschen ums Leben, die mit einem amtlich zugelassenen Kraftrad unterwegs waren, also unter anderem mit LeichtkraftrĂ€dern, Motorrollern und MotorrĂ€dern (plus 9 Getötete oder plus 1,8 Prozent). Auch die Zahl der tödlich verunglĂŒckten Menschen, die E-Scooter nutzten, stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2 oder 9,5 Prozent.
Experten: Radfahrerzahlen ein Erfolg
FĂŒr Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung beim Gesamtverband der Versicherer, bedeuteten die verringerten Todeszahlen bei Radfahrern eine «erfreuliche Entwicklung». Insbesondere, weil seit einigen Jahren auch deutlich mehr Rad gefahren wĂŒrde.Â
Bei den FuĂgĂ€ngern sehe es etwas anders aus. Verglichen mit 2023 gebe es zwar eine positive Entwicklung - insgesamt seien die Zahlen aber zu hoch. «Es muss in Sachen Verkehrssicherheit fĂŒr FuĂgehende mehr passieren, als das heute der Fall ist», betonte Zeidler. Es brauche vor allem mehr sichere StraĂenĂŒbergĂ€nge, denn die meisten UnfĂ€lle in StĂ€dten passieren laut Zeidler bei FuĂgĂ€ngern beim Ăberqueren der StraĂe.Â
Auch der Aspekt der alternden Bevölkerung spiele eine Rolle: Ăltere ab 80 Jahren und Kinder hĂ€tten ein doppelt bis dreifach höheres Unfallrisiko, wenn sie zu FuĂ unterwegs sind, als die mittleren Altersgruppen. «Und wir haben einen wachsenden Anteil der Ălteren im StraĂenverkehr», sagte sie. «Das heiĂt, wenn wir bei den FuĂgĂ€ngern nicht mehr tun, wird sich dieser positive Zwischenschritt nicht fortsetzen.»
Den RĂŒckgang von toten FuĂgĂ€ngerinnen und FuĂgĂ€ngern begrĂŒĂte auch die Verkehrswacht-PrĂ€sidentin LĂŒhmann: «Das ist eine sehr gute Zahl, weil zu FuĂ Gehende ja auch ungeschĂŒtzte Verkehrsteilnehmende sind» und diese auch oft auch durch Fahrzeugtechnik nicht geschĂŒtzt werden könnten. Sie plĂ€dierte fĂŒr ein verĂ€ndertes Verkehrsverhalten von Autofahrern, hin zu mehr Vorsicht. «Das A und O ist: Geschwindigkeit runter.» Denn je niedriger die Aufprallgeschwindigkeit sei, umso geringer seien auch die Verletzungen und umso weniger Tote gebe es.
Stadtstaaten haben wenige Tote
Die meisten Todesopfer gab es 2024 gemessen an der Einwohnerzahl im StraĂenverkehr in Mecklenburg-Vorpommern mit 59 und in Sachsen-Anhalt mit 52 je einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern. Weit unter dem Bundeswert von 33 Getöteten je einer Million Einwohnern lagen die Stadtstaaten Hamburg mit 21, Bremen mit 17 und Berlin mit 15 Menschen, die starben. Das gilt auch fĂŒr Nordrhein-Westfalen mit 26 und das Saarland mit 24 Getöteten pro einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern.











