Bericht: Mehr hÀusliche Gewalt in Deutschland
02.08.2025 - 07:01:36In Deutschland sind 2024 laut registrierten Zahlen so viele Menschen wie noch nie Opfer von hÀuslicher Gewalt geworden. Das berichtet die «Welt am Sonntag» auf Grundlage von Zahlen des Bundeskriminalamts. Demnach waren insgesamt 265.942 Menschen offiziell betroffen. Der Anstieg habe im Vergleich zum Jahr zuvor bei rund 3,7 Prozent gelegen. Experten gehen jedoch von einer Dunkelziffer aus, weil nicht alle FÀlle gemeldet werden.
Dem Bericht zufolge wurde rein statistisch betrachtet etwa alle zwei Minuten ein Mensch Opfer. 2023 waren laut Bundeskriminalamt (BKA) 70,5 Prozent der Opfer weiblich. Die Zahlen fĂŒr 2024 sind noch nicht offiziell vorgestellt worden.
«HÀusliche Gewalt bedeutet zumeist Gewalt an Frauen»
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) zeigte sich besorgt ĂŒber die neuen Zahlen. Die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier betonte: «HĂ€usliche Gewalt bedeutet zumeist Gewalt an Frauen, umso wichtiger sind Einrichtungen wie das "Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen".»Â
Von hĂ€uslicher Gewalt ist immer dann die Rede, wenn es sich um Personen handelt, die in einer partnerschaftlichen Beziehung zueinander sind oder waren oder wenn sich die Gewalt in der Familie abspielt, beziehungsweise eine familiĂ€re Beziehung besteht.Â
Besonders im Fokus steht dabei die Gewalt, die von Partnern oder Ex-Partnern verĂŒbt wird. Diese betrifft die meisten FĂ€lle. Hierbei gab es dem Bericht zufolge 2024 knapp 171.100 FĂ€lle - 1,9 Prozent mehr als 2023. In den vergangenen Jahren waren ĂŒberwiegend Frauen betroffen.Â
Wie eine BKA-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Samstag mitteilte, wurden im Vorjahr 94.873 Menschen Opfer innerfamiliĂ€rer Gewalt - also zwischen nahen Angehörigen. Dem Zeitungsbericht zufolge nahm in den vergangenen fĂŒnf Jahren hĂ€usliche Gewalt um fast 14 Prozent zu.
Weshalb ist die Zahl der FĂ€lle gestiegen?
Das Familienministerium teilte der Zeitung mit, der Anstieg hĂ€uslicher Gewalt könne auf eine Zunahme der Gewaltbereitschaft «im Lichte gesellschaftlicher Krisen und persönlicher Herausforderungen» zurĂŒckzufĂŒhren sein. Möglich sei aber auch eine gewachsene Anzeigebereitschaft.
Im Februar hatte der Bundesrat - nach dem Bundestag - einem Gesetz fĂŒr einen besseren Schutz von Opfern zugestimmt. Damit werden die LĂ€nder dazu verpflichtet, ausreichend Schutz- und Beratungsangebote zu schaffen. Sie erhalten dafĂŒr vom Bund zwischen 2027 und 2036 insgesamt 2,6 Milliarden Euro.Â
Der Rechtsanspruch auf kostenlosen Schutz und Beratung soll ab 1. Januar 2032 greifen. Bislang konnten Betroffene von hĂ€uslicher oder geschlechtsspezifischer Gewalt nur darauf hoffen, dass ihnen geholfen wird und genĂŒgend KapazitĂ€ten, etwa in FrauenhĂ€usern, vorhanden sind.
Hubig: Besserer Schutz vor GewalttÀtern könnte 2026 kommen
Um etwa Frauen besser vor gewalttĂ€tigen Partnern zu schĂŒtzen, plant Bundesjustizministerin Stefanie Hubig eine elektronische FuĂfessel fĂŒr GewalttĂ€ter. Sie wolle eine Regelung nach dem sogenannten spanischen Modell, sagte die SPD-Politikerin der «SĂŒddeutschen Zeitung». In Spanien werden keine festen Verbotszonen, etwa der Wohnort oder der Arbeitsplatz der Betroffenen, ĂŒberwacht.Â
Stattdessen ist der Abstand zwischen TĂ€ter und Opfer maĂgeblich: Das Opfer trĂ€gt eine GPS-Einheit - befindet sich der TĂ€ter mit der FuĂfessel absichtlich oder unabsichtlich in der NĂ€he, wird bei der Polizei Alarm ausgelöst und das Opfer erhĂ€lt einen Warnhinweis. Nach dem Sommer werde sie einen Gesetzentwurf vorlegen, kĂŒndigte Hubig an.
Reaktionen auf die Statistik
Die GrĂŒnen erklĂ€rten, bei Gewalt gegen Frauen handele es sich nicht um «Familiendramen», sondern um «patriarchale Gewalt». «Es braucht mehr PrĂ€ventions- und TĂ€terarbeit, schnelle Verfahren, verpflichtende Schulungen von Polizei und Justiz», sagte die frauenpolitische Sprecherin der GrĂŒnen, Ulle Schauws, der «Welt am Sonntag». Die Linke forderte der Zeitung zufolge Reformen beim Sorge- und Umgangsrecht.
Die SoVD-Vorstandsvorsitzende Engelmeier betonte zudem: «Frauen mit Behinderungen erleiden fast doppelt so hĂ€ufig wie nichtbehinderte Frauen körperliche Gewalt.» Trotz dieser erschreckenden Zahl mangele es an PlĂ€tzen in FrauenhĂ€usern - besonders fĂŒr Frauen mit Behinderungen.


