Angriff, EM-Party

Angriff auf EM-Party in Wolmirstedt: Motiv weiter unklar

16.06.2024 - 18:32:26

Drei Menschen verletzte ein Mann auf einem kleinen Hoffest zum Start der Fußball-EM. Kurz zuvor soll er einen Mann erstochen haben. Viele Fragen sind noch offen.

Millionen Menschen in Deutschland fiebern beim EM-Eröffnungsspiel mit, wĂ€hrend sich in Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt ein Drama abspielt: Ein 27 Jahre alter Afghane dringt am Freitagabend auf ein privates GrundstĂŒck in einer Einfamilienhaussiedlung ein und attackiert mit einem Messer drei Menschen. Wenig spĂ€ter wird der Mann von alarmierten Beamten erschossen, als er auch diese attackierte. Nach den bisherigen Erkenntnissen hatte der Mann zuvor in einem nicht weit entfernten Mehrfamilienhaus in einer Plattenbausiedlung einen 23-jĂ€hrigen Landsmann angegriffen und verletzt. Dieser starb noch am Abend an seinen Verletzungen.

Die GĂ€ste auf der EM-Party hatten sich unter freiem Himmel getroffen - unter anderem um das Spiel Deutschland gegen Schottland zu sehen. Zum Angriff kommt es laut Polizei kurz nach dem Anpfiff gegen 21 Uhr. Eine 50-JĂ€hrige und ein 75-JĂ€hriger werden schwer verletzt, ein 56 Jahre alter Mann leicht.

Das Warum bleibt weiter unklar

Die Polizei hat zwei Messer gefunden, die als Tatwaffen in Betracht kommen. Jeweils eins sei unweit der zwei Tatorte gefunden worden. Zu dem Motiv des 27-JÀhrigen konnten die Beamten auch zwei Tage nach der Tat keine genauen Angaben machen. Hinweise auf einen religiösen oder terroristischen Hintergrund gebe es nicht, erklÀrten die Beamten auf einer Pressekonferenz in Magdeburg.

Bei einem ersten Notruf kurz nach 21 Uhr berichtete eine Frau der Polizei von dem Mann, der schwarz gekleidet durch die Innenstadt von Wolmirstedt laufe und sich auffÀllig verhalte. Die rund 12.000 Einwohner zÀhlende Kleinstadt liegt nördlich von Magdeburg. Der Mann schrie demnach vorbeifahrende Autos und Personen an und hatte ein Messer dabei. Es sollte noch geklÀrt werden, ob er möglicherweise Alkohol getrunken oder Drogen genommen hatte. Die Party war nach EinschÀtzung der Polizei ein Zufalls-Tatort. Der 27-JÀhrige sei vermutlich durch die Partystimmung angelockt worden.

Kurz nach dem Anpfiff drang der Mann laut Polizei in das PrivatgrundstĂŒck eines Einfamilienhauses ein und attackierte mehrere der 16 PartygĂ€ste. Nach Angaben der Polizei schwebt keiner der drei Verletzten in Lebensgefahr, zwei der Opfer seien bereits aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Als wenige Minuten nach dem Notruf die ersten alarmierten Beamten eintrafen, griff der 27-JĂ€hrige auch diese mit einem Messer an, zwei Polizisten machten von der Schusswaffe Gebrauch. Der TĂ€ter starb kurz darauf. Gegen die Polizisten, die auf den Angreifer geschossen haben, sei - wie in FĂ€llen von polizeilichem Schusswaffengebrauch ĂŒblich - ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Den Angaben zufolge war der TĂ€ter Ende 2022 nach Deutschland eingereist, hatte 2023 Asyl beantragt. Zu schweren Straftaten oder auffĂ€lligem Verhalten hat die Polizei keine Erkenntnisse. Zuletzt habe er in Stendal gewohnt. Ein Verfahren gegen ihn wegen Erschleichens von Leistungen sei eingestellt worden, wegen womöglich nicht erlaubter Einreise war noch ermittelt worden. DarĂŒber hinaus habe es keine Polizei-EinsĂ€tze oder Verfahren im Zusammenhang mit dem Mann gegeben, heißt es.

Nachbarn halten SchĂŒsse zunĂ€chst fĂŒr Böller

Die dramatischen Minuten bekam auch die Nachbarschaft in der als ruhig geltenden Einfamilienhaussiedlung mit. «Der Schock sitzt bei uns noch ziemlich tief», sagte ein Ehepaar. Am Abend habe das Paar selbst Fußball geschaut, als es zwei SchĂŒsse hörte. «Das zweite Tor war gerade gefallen, wir dachten, dass jemand vor Freude einen Böller losgelassen hat», sagte der Mann. Als sie aus dem Fenster schauten, hĂ€tten sie den Rettungsdienst gesehen und einen Mann, der in der NĂ€he der Auffahrt gelegen habe.

Auch in der nicht weit entfernten Plattenbausiedlung zeigten sich Anwohner am Samstagmorgen bestĂŒrzt. Eine Frau aus einem Nachbarblock diskutierte mit Bekannten ĂŒber das Geschehen, als sie den MĂŒll wegbrachte. Ihre Anteilnahme ist groß, nicht nur, weil sie hier wohnt. Ihr Enkel sei als Polizist bei dem Einsatz dabei gewesen, sagte die Frau. «Ich kriege eine GĂ€nsehaut nach der anderen.» Eine andere Frau sagte, «ganz schrecklich» sei das.

Auch Sachsen-Anhalts Innenministerin Tamara Zieschang reagierte bestĂŒrzt. «Ich bin zutiefst entsetzt ĂŒber den unberechenbaren und schrecklichen Angriff. Meine Gedanken sind bei den Opfern und allen Beteiligten, die nicht nur körperliche, sondern auch psychische SchĂ€den davontragen», sagte die CDU-Politikerin am Samstagnachmittag. Die Innenministerin verwies darauf, dass die PolizeiprĂ€senz im Land nach dem Vorfall erhöht wurde. Zudem liefen «umfangreiche und konzentrierte» Ermittlungen.

@ dpa.de