Drei Tote bei Hauseinsturz â Polizei sucht nach Ursache
22.05.2026 - 12:00:37 | dpa.deWie kann ein WohngebĂ€ude plötzlich in sich zusammenfallen und so zu einer Todesfalle werden? Nach dem dramatischen Hauseinsturz in Görlitz mit drei Toten sucht die Polizei nach der Ursache des UnglĂŒcks. Die Ermittlungen vor Ort gestalten sich allerdings schwierig: Die Kriminaltechniker hĂ€tten ihre Arbeit in den Nachtstunden unterbrechen mĂŒssen, weil sich die Reste der GiebelwĂ€nde in Bewegung gesetzt hĂ€tten, sagte Raik Schulze, Leiter des FĂŒhrungsstabes der Polizei, am Morgen in Görlitz.Â
«Dank der Technik des Technischen Hilfswerkes (THW) konnten wir unsere EinsatzkrĂ€fte rechtzeitig in Sicherheit bringen», sagte er. Die Spezialisten hatten bereits zu Beginn des Einsatzes Sensoren an die GiebelwĂ€nde geklebt, um die Helfer vor einem möglichen Einsturz zu warnen. Derzeit gehe es darum, die Gefahr zu beseitigen, damit die Untersuchungen am UnglĂŒcksort fortgesetzt werden können, so Schulze.
Ermittelt wird in alle RichtungenÂ
Zur UnglĂŒcksursache konnte die Polizei vorerst keine Angaben machen. Es werde in alle Richtungen ermittelt, sagte Schulze. «Wir schlieĂen nichts aus.» Es gehe vom Materialversagen ĂŒber eine technische Ursache bis hin zu fahrlĂ€ssiger Handlungsweise. «Da stehen wir noch am Anfang.» Einen dringenden Tatverdacht habe die Polizei zurzeit nicht.Â
OberbĂŒrgermeister Octavian Ursu (CDU) vermutete nach dem UnglĂŒck eine Gasexplosion. Nach vorherigen Angaben muss es ein Gasleck gegeben haben, da wĂ€hrend des Einsatzes Gas ausgetreten war. Wo genau das Gasleck war, lasse sich noch nicht genau sagen, so Schulze.Â
Rettungseinsatz dauerte 72 Stunden
Das Mehrfamilienhaus mit Miet- und Ferienwohnungen war am Montagabend komplett eingestĂŒrzt. Es befand sich mitten in einer langen gepflegten HĂ€userzeile. Der Rettungseinsatz wurde am Donnerstagabend nach etwa 72 Stunden beendet, nun ist die Einsatzstelle in HĂ€nden der Polizei.
UnermĂŒdlich hatten Hunderte EinsatzkrĂ€fte im Dauereinsatz in dem groĂen TrĂŒmmerhaufen nach drei Vermissten gesucht. Ab Montagabend bis Donnerstagabend waren dauerhaft mehr als 130 KrĂ€fte vor Ort, wie Anja Weigel, Leiterin der Feuerwehr Görlitz, sagte.Â
Insgesamt waren demnach zwischen 500 und 1.000 Menschen beteiligt. Teils arbeiteten sie sich mit Schaufeln und bloĂen HĂ€nden durch den Schutt. Auch SpĂŒrhunde suchten mit. Beim Bergen von TrĂŒmmerteilen waren auch mehrere Radlader, Bagger und KrĂ€ne im Einsatz.
Haus stĂŒrzte ein, als Angehöriger beim Einkaufen warÂ
Um die Angehörigen zu betreuen, waren Notfallseelsorger sowie ein rumĂ€nischer Pfarrer aus Dresden und ein rumĂ€nisch-ukrainischer Pfarrer aus Zittau an der UnglĂŒcksstelle. Sie kĂŒmmerten sich unter anderem um einen RumĂ€nen, dessen Verlobte und Cousine in dem Haus waren, als es einstĂŒrzte. Die drei wollten in Görlitz Urlaub machen. Das UnglĂŒck geschah, als er einkaufen war, wie der Mann erzĂ€hlte.
Am Donnerstag gab es fĂŒr ihn traurige Gewissheit: Die Leiche einer 25 Jahre alten RumĂ€nin wurde in der Nacht gefunden, einige Stunden spĂ€ter auch eine tote 26-JĂ€hrige. Am frĂŒhen Abend dann entdeckten die Suchteams eine dritte Leiche. Es handle sich um einen Mann, mit hoher Wahrscheinlichkeit um den vermissten 48-JĂ€hrigen mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit, sagte der Polizeisprecher. Er hielt sich frĂŒheren Angaben zufolge aus beruflichen GrĂŒnden in Görlitz auf.
Ergebnisse aus Rechtsmedizin in kommender Woche erwartet
Die Toten werden nun in der Rechtsmedizin untersucht. Dabei wird unter anderem die Todesursache festgestellt. Erste Ergebnisse erwartet die Polizei am Dienstag oder Mittwoch.Â
Die Angehörigen seien zunĂ€chst abgereist, erklĂ€rte OberbĂŒrgermeister Ursu. Ein Gedenken ist nach Angaben des CDU-Politikers vorerst nicht geplant. Von den RettungskrĂ€ften sei der dringende Wunsch nach Ruhe und Erholung ĂŒber die Pfingsttage gekommen. Er wolle die Kirchen aber um FĂŒrbitten wĂ€hrend der Pfingstgottesdienste bitten, sagte Ursu. Ăber ein spĂ€teres Gedenken wolle man spĂ€ter gemeinsam entscheiden.
Ăstlichste Stadt Deutschlands
Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands. Sie liegt in der sĂ€chsischen Oberlausitz direkt an der NeiĂe und hat 57.000 Einwohner. Seit 1998 bildet Görlitz zusammen mit der östlich gelegenen polnischen Nachbarstadt Zgorzelec eine grenzĂŒberschreitende Europastadt. Wegen der historischen, im Zweiten Weltkrieg nahezu unzerstörten Altstadt ist die Stadt ein gefragter Drehort fĂŒr internationale Filmproduktionen.
Das eingestĂŒrzte GrĂŒnderzeithaus stand in der James-von-Moltke-StraĂe in der NĂ€he des Görlitzer Bahnhofs. Der Bereich um das Haus wurde nach dem Einsturz weitrĂ€umig evakuiert und abgesperrt.
