Kap Verde, Argentinien

WHO: Hantavirus auf Schiff wohl zwischen Menschen übertragen

05.05.2026 - 15:14:46 | dpa.de

Drei Tote und mehrere Erkrankte: Die Weltgesundheitsorganisation geht von Ansteckungen an Bord aus. Der Ursprung der Infektionskette liege vermutlich in der Natur.

Naturexpeditionen und menschliche Kontakte könnten zu dem Ausbruch geführt haben.  - Foto: Qasem Elhato/dpa
Naturexpeditionen und menschliche Kontakte könnten zu dem Ausbruch geführt haben. - Foto: Qasem Elhato/dpa

Bei den Hantavirus-Fällen bei einer Atlantik-Kreuzfahrt geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Infektionen von Mensch zu Mensch aus. Das sagte WHO-Expertin Maria Van Kerkhove bei einer Pressekonferenz in Genf. Das Hantavirus wird üblicherweise durch Ausscheidungen von Nagetieren übertragen. Doch bei dem Anden-Typ des Virus, der in diesem Fall vermutet wird, seien auch Infektionen zwischen Menschen bei engem Kontakt möglich, erklärte die Epidemiologin.

Die WHO schätzt das Risiko dieses Ausbruchs für die breite Öffentlichkeit weiterhin als niedrig ein. «Das ist kein Virus, das sich wie Grippe oder Covid ausbreitet», erklärte Van Kerkhove.

Drei Infizierte evakuiert

Drei Erkrankte sollen nun nach Angaben des niederländischen Außenministeriums von Bord der «Hondius» geholt und in die Niederlande ausgeflogen werden. Zu ihnen gehöre ein Niederländer. Dies solle «so schnell wie möglich geschehen», teilte das Ministerium mit. Genauere Angaben gab es bisher nicht. 

Niederländische Behörden arbeiten dabei eng mit der Reederei und den kapverdischen Behörden zusammen. Auch sei man im Kontakt mit Herkunftsländern von Passagieren. Die Niederlande sind federführend bei der Evakuierung, da das Schiff unter niederländischer Flagge fährt. 

Nach Angaben des Reiseveranstalters brauchen zwei Crew-Mitglieder dringend medizinische Hilfe. Es gebe außer den bereits gemeldeten Infizierten keine neuen Verdachtsfälle. 

Passagiere mit Interesse für Wildtiere

Das betroffene kleine Kreuzfahrtschiff «Hondius» mit insgesamt knapp 150 Menschen an Bord war vom Süden Argentiniens aufgebrochen und ankert derzeit vor Kap Verde. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem mittlerweile verstorbenen niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte. Van Kerkhove wies darauf hin, dass viele Passagiere der Expeditions-Kreuzfahrt Wildtier-Beobachtungen und ähnliche Aktivitäten unternommen haben.

Die weitere Übertragung könnte dann an Bord zwischen Personen passiert sein, etwa in Kabinen, sagte Van Kerkhove. Sie schloss nicht aus, dass die Infektionen auch von Nagetieren auf afrikanischen Inseln stammen könnten, die im Zuge der Kreuzfahrt angefahren wurden. Laut Schiffsbetreiber seien keine Ratten an Bord, so die WHO-Expertin.

Medizinischer Transport wird vorbereitet

Bislang sind drei Passagiere der «Hondius» gestorben, ein älteres niederländisches Ehepaar und eine deutsche Person. Laut dem Schiffsbetreiber Oceanwide Expeditions handelte es sich um eine Frau. Die WHO geht derzeit von insgesamt sieben Erkrankungsfällen aus. Der Transport von zwei Patienten an Bord in die Niederlande werde derzeit vorbereitet, sagte Van Kerkhove.

Bislang sind nur in einem kleinen Teil der Fälle Hantaviren gesichert nachgewiesen worden. Laboruntersuchungen zu den übrigen Infektionen und zum genauen Typ des Virus laufen.

Unklarheit über Weiterfahrt

Über das weitere Schicksal der Passagiere herrschte vorerst Unklarheit. Van Kerkhove berichtete über Absprachen mit spanischen Behörden über eine Weiterfahrt auf die Kanarischen Inseln. Das Gesundheitsministerium in Madrid bestritt dies jedoch auf der Plattform X. Bislang sei eine Überprüfung der Menschen an Bord für Montagnachmittag vereinbart. Dies diene als Grundlage für weitere Entscheidungen über Rückführungsmaßnahmen und die weitere Route des Schiffes, hieß es vom Ministerium.

Van Kerkhove wandte sich direkt an die Menschen auf der «Hondius», die derzeit in ihren Kabinen bleiben sollten und bislang in Kap Verde nicht an Land durften. «Wir wissen, dass ihr Angst habt», sagte sie. Die WHO setze sich für ihre medizinische Versorgung und Heimreise ein.

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