BKA, SchÀden

BKA: SchÀden durch Banden-KriminalitÀt 2023 verdoppelt

05.09.2024 - 10:01:36

Drogenschmuggel und Cybercrime: Die Zahl der Verfahren gegen die Organisierte KriminalitÀt bleibt fast unverÀndert hoch. Die finanziellen SchÀden sind gestiegen - besonders in einem Bereich.

  • Durch Cybercrime von organisierten Banden entstand 2023 ein Schaden von 1,7 Milliarden Euro, wie aus dem «Bundeslagebild Organisierte KriminalitĂ€t» hervorgeht (Symbolbild). - Foto: Peter Kneffel/dpa

    Peter Kneffel/dpa

  • BKA-PrĂ€sident Holger MĂŒnch betonte die Bedeutung von GeldwĂ€sche - die Dunkelziffer sei in diesem Bereich vermutlich groß. - Foto: Jörg Carstensen/dpa

    Jörg Carstensen/dpa

Durch Cybercrime von organisierten Banden entstand 2023 ein Schaden von 1,7 Milliarden Euro, wie aus dem «Bundeslagebild Organisierte KriminalitĂ€t» hervorgeht (Symbolbild). - Foto: Peter Kneffel/dpaBKA-PrĂ€sident Holger MĂŒnch betonte die Bedeutung von GeldwĂ€sche - die Dunkelziffer sei in diesem Bereich vermutlich groß. - Foto: Jörg Carstensen/dpa

Gewaltbereit, international arbeitend und gut vernetzt - Kriminelle Banden haben im vergangenen Jahr laut einem Bericht des Bundeskriminalamts (BKA) einen Milliardenschaden angerichtet. Er liegt doppelt so hoch wie im Jahr zuvor. «Sie bedrohen unsere Gesellschaft», sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bei der Vorstellung des Bundeslagebilds «Organisierte KriminalitÀt» in Berlin. Mit 2,7 Milliarden Euro (2022: 1,3 Milliarden Euro) erreichte die Schadenssumme 2023 den höchsten Wert der vergangenen zehn Jahre.

Organisierte KriminalitĂ€t ist der Definition von Polizei und Justiz zufolge von Gewinn- oder Machtstreben der Kriminellen bestimmt. Mindestens drei TĂ€ter teilen sich demnach planmĂ€ĂŸig und ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum ihre Aufgaben auf, um ihre Ziele zu erreichen. Der Bericht des BKA wird jĂ€hrlich erstellt und befasst sich mit begonnenen und abgeschlossenen Verfahren aus diesem Bereich.

GeldwÀsche oft schwer nachzuweisen

Der Großteil der finanziellen SchĂ€den entstand dabei dem Bericht zufolge durch Cybercrime, also Taten die oftmals mithilfe des Internets begangen werden. Auf ein einziges Verfahren entfielen in diesem Bereich bereits 1,5 Milliarden Euro. Bei diesem ginge es um sogenannte Ransomware, also Programme, die zur Erpressung genutzt werden, erklĂ€rte der BKA-PrĂ€sident Holger MĂŒnch.

Rund eine Milliarde Euro erbeuteten Banden dem Bericht zufolge aus ihren kriminellen Machenschaften - nur etwa 83 Millionen Euro, also weniger als zehn Prozent, stellten die Behörden sicher. Grund dafĂŒr sei die hohe Anzahl an begonnenen und noch nicht abgeschlossenen Ermittlungen aus dem vergangenen Jahr, erklĂ€rte MĂŒnch. 

In rund einem Drittel aller Ermittlungen gegen Banden spielte zudem GeldwĂ€sche eine Rolle. «Allerdings gehen wir von einem sehr hohen Dunkelfeld aus», sagte MĂŒnch. Die TĂ€ter wĂŒrden ihr illegal erwirtschaftetes Geld etwa fĂŒr den Kauf von Immobilien und HandelsgĂŒter nutzen. Die illegale Herkunft der Gelder sei den TĂ€tern oft nur schwer nachzuweisen, teilt das BKA mit.

Überdurchschnittlich viele Verfahren im Jahr 2023 

642 Verfahren gegen Gruppierungen der Organisierten KriminalitĂ€t zĂ€hlte das BKA im vergangenen Jahr - unwesentlich mehr als 2022 (639). Zum dritten Mal in Folge knackt der Wert die 600er-Marke und liegt etwas ĂŒber dem Durchschnitt der vergangenen zehn Berichtsjahre. 

Trotz eines RĂŒckgangs von mehr als zehn Prozent dominiert dabei weiterhin der Drogenhandel. Etwa 40 Prozent der Ermittlungen zielen dem Bericht zufolge auf Gruppierungen aus dieser Szene ab. Danach folgen die Bereiche der WirtschaftskriminalitĂ€t mit rund 17 Prozent und der EigentumskriminalitĂ€t mit rund 10 Prozent der Verfahren. 

Gewalt und Korruption keine Seltenheit 

Die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung eigener Interessen bleibe zudem auf einem hohen Niveau und gefĂ€hrde zunehmend die Sicherheit im öffentlichen Raum, heißt es in dem Bericht des BKA. Die Organisierte KriminalitĂ€t schĂŒchtere oftmals «völlig skrupellos und mit furchtbaren Mitteln» ihre Gegner ein, sagte Faeser. Im Bericht werden 4 (2022: 16) vollendete und 34 (2022: 22) versuchte Tötungsdelikte durch Gruppierungen der Organisierten KriminalitĂ€t aufgefĂŒhrt. Über 300 Waffen stellte die Polizei 2023 bei den Gruppierungen fest.

Erstmals beschĂ€ftigt sich der Bericht auch mit den Kontakten der Organisierten KriminalitĂ€t in die Wirtschaft, Politik und Verwaltung - also zu Menschen, die kein Mitglied der Organisation selbst sind, ihr aber oft gegen Geld helfen. In knapp zwölf Prozent der FĂ€lle unterstĂŒtzten sogenannten Insider aus der Politik, Wirtschaft und Verwaltung die Gruppierungen der Organisierten KriminalitĂ€t. 

WÀhrend Deutsche mit rund einem Drittel weiter den Hauptanteil der VerdÀchtigen bilden, ist die Anzahl nichtdeutscher TatverdÀchtiger mit ungeklÀrter Staatsangehörigkeit um zehn Prozent gewachsen. Grund sei ein einzelnes Verfahren aus dem Bereich der CyberkriminalitÀt, in dem gegen 250 TatverdÀchtige mit ungeklÀrter Staatsangehörigkeit ermittelt wird. Gut 7.300 TatverdÀchtige ermittelten die Behörden 2023 insgesamt. 

Gewerkschaft der Polizei: «David gegen Goliath»

«Wir sorgen fĂŒr einen bestmöglichen und höchstmöglichen Ermittlungsdruck», betonte Innenministerin Faeser. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert nach Veröffentlichung des Berichts mehr personelle und technische Ressourcen, sowie weitreichendere Befugnisse. «Der Kampf gegen hochprofessionelle, kriminelle Strukturen erscheint wie der von David gegen Goliath», beklagte der stellvertretende GdP-Vorsitzende, Alexander Poitz. WĂ€hrend die Organisierte KriminalitĂ€t aus dem Vollen schöpfe, werde in Deutschland ĂŒber den Datenschutz debattiert. 

Konkret forderte Poitz mehr Befugnisse in der BekĂ€mpfung von KriminalitĂ€t im Internet, etwa die Möglichkeit auf verschlĂŒsselte Chats zuzugreifen oder IP-Adressen zu speichern. Zudem sprach sich der stellvertretende GdP-Vorsitzende dafĂŒr aus, Europol eigenstĂ€ndige Ermittlungen zu ermöglichen.

Die Union kritisierte im Kontext des Berichts indes, dass die Ampel-Koalition den Einsatz von V-Leuten erschwere. V-Leute sind - anders als verdeckte Ermittler - keine Mitarbeiter der Polizei, sondern Menschen mit Zugang zu einer bestimmten Szene, die gegen Geld eine Zeit lang Informationen liefern.

@ dpa.de