Ballons stören Betrieb am Flughafen Vilnius
Veröffentlicht am: 22.10.2025 um 07:32 Uhr | dpa.de
  Am Flughafen der litauischen Hauptstadt Vilnius ist der Flugbetrieb in der Nacht auf Mittwoch vorĂŒbergehend eingestellt worden. Grund dafĂŒr seien Wetterballons gewesen, die in den Luftraum des baltischen EU- und Nato-Landes eingedrungen seien und den Flugverkehr gestört hĂ€tten, teilte der Flughafenbetreiber mit. Die Ballons werden ĂŒblicherweise von Schmugglern verwendet, um Zigaretten aus dem autoritĂ€r regierten Nachbarland Belarus illegal ĂŒber die Grenze zu schicken.
Nach Angaben der Behörden wurden mehrere Dutzend Ballons ĂŒber Litauen gesichtet. Das Krisenmanagementzentrum sprach von einer «koordinierten Operation» von Schmugglern, da die Ballons nicht von einem einzigen Punkt aus gestartet wurden. Insgesamt seien zwölf Wetterballons abgefangen und vier VerdĂ€chtige ĂŒber Nacht festgenommen worden, sagte Grenzschutz-Chef Rustamas Liubajevas einem Rundfunkbericht zufolge.
Klare Ansage an FĂŒhrung in Minsk
Als Reaktion berief Litauens Regierungschefin Inga Ruginiene eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates ein. «Wir werden Belarus in dieser Frage keine ZugestĂ€ndnisse machen», sagte sie. Die MinisterprĂ€sidentin kĂŒndigte an, dass Litauen sofort reagieren und die Grenze zum Nachbarland schlieĂen werde, sollte es nochmals zum massenhaften Eindringen von Ballons in den litauischen Luftraum kommen.
Ruginiene sagte zudem, dass die litauischen Behörden weitere MaĂnahmen vorbereiten werden. Dazu zĂ€hlten strengere Strafen fĂŒr Schmuggel und GesprĂ€che mit Firmen ĂŒber technische Möglichkeiten, um das Einfliegen der Ballons nach Litauen zu verhindern. Erste VorschlĂ€ge dazu sollen bis Ende der Woche vom Innenministerium erarbeitet werden.Â
FlĂŒge verspĂ€tet oder umgeleitet
Nach Angaben des Flughafens wurden mehrere ankommende FlĂŒge umgeleitet, einige AbflĂŒge gestrichen. Insgesamt waren 30 FlĂŒge und mehr als 4.000 Passagiere von den EinschrĂ€nkungen wĂ€hrend der Sperre betroffen, die um 22.23 Uhr Ortszeit verhĂ€ngt worden war. Der Flugverkehr wurde um 6.40 Uhr wieder aufgenommen.
Die Ballons steigen in der Regel nahezu senkrecht auf und ĂŒberqueren die Grenze in groĂer Höhe. Dadurch seien sie den Behörden zufolge schwer zu erkennen.
Auch GrenzĂŒbergĂ€nge zwischenzeitlich geschlossen
Litauens Grenzschutz schloss aufgrund des Vorfalls zudem vorĂŒbergehend die beiden noch offenen GrenzĂŒbergĂ€nge zu Belarus in Medininkai und Salcininkai. BegrĂŒndet wurde die gegen 2.30 Uhr vorsorglich getroffene Entscheidung mit der Sicherheitslage. Der Grenzverkehr und Kontrollen wurden um 9.00 Uhr wieder aufgenommen. Belarus sei darĂŒber informiert worden.
Die Nutzung von Wetterballons zum Schmuggeln von illegalen Zigaretten aus Belarus nach Litauen ist kein neues PhĂ€nomen. Angesichts der besseren Ăberwachung und Sicherung der Grenze durch einen Zaun und andere SchutzmaĂnahmen hat ihr Einsatz aber deutlich zugenommen. Beim jetzigen Vorfall handelte es sich nach Angaben der Behörden um eine der intensivsten Operationen in diesem Jahr.
Der gröĂte Flughafen Litauens wurde zuvor bereits Anfang Oktober einmal von «Schmuggelballons» lahmgelegt. Damals verletzten 25 Wetterballons den litauischen Luftraum. Die Behörden leiteten daraufhin Ermittlungen ein und nahmen mehrere Personen fest. Untersucht wurden die FĂ€lle als organisierte KriminalitĂ€t. Litauen hat eine rund 679 Kilometer lange Grenze zu Belarus, die Teil der EU-AuĂengrenze ist. Die Hauptstadt Vilnius liegt nur etwa 30 Kilometer von der Grenze entfernt.
