Schock in Kleinstadt: Mann gesteht zwei Gewalttaten
28.01.2025 - 16:07:52Schock in einer brandenburgischen Kleinstadt bei Berlin: Ein junger Mann wird vor zwei Wochen in einem Apartmentkomplex in Beelitz-HeilstÀtten getötet, Tage spÀter eine Frau mit Schnittwunde am Hals gefunden.
Am vergangenen Wochenende nahm die Polizei einen 23-JĂ€hrigen fest, der in dem sanierten Apartmenthaus wohnte. Der Mann aus dem westafrikanischen Guinea gestand laut Innenministerium inzwischen beide Gewalttaten.Â
Die Staatsanwaltschaft Potsdam wirft ihm Mord und versuchten Mord vor. Es sei Haftbefehl erlassen worden, teilte die Behörde mit. Viele Fragen zu den HintergrĂŒnden und dem Motiv des 23-JĂ€hrigen blieben aber offen.Â
Vor dem GebĂ€ude, in dem sich die Gewalttaten ereignet haben sollen, lagen Blumen und einige Kerzen als Zeichen der Anteilnahme. Darin gibt es auch eine Grundschule und ein Fitnessstudio, eine Klinik ist nicht weit entfernt.Â
Innenministerin: VerdÀchtiger nicht ausreisepflichtig
WĂ€hrend sich die Staatsanwaltschaft in Potsdam mit Aussagen zu den Taten bedeckt hielt, gab Brandenburgs Innenministerin Katrin Lange (SPD) einige Einzelheiten bekannt. Der 23 Jahre alte Beschuldigte, der als Pfleger arbeitete, sei nach derzeitigem Kenntnisstand nicht ausreisepflichtig. Er war der Polizei bisher auch nicht wegen Straftaten bekannt.
Der Beschuldigte habe seit 2016 in Deutschland gelebt und verfĂŒge ĂŒber eine Aufenthaltserlaubnis bis zum 23. Januar 2025, deren VerlĂ€ngerung fristgerecht beantragt worden sei. Weiter heiĂt es: «Er hat sich mittlerweile zu beiden Taten gestĂ€ndig eingelassen.»Â
Opfer war CDU-Mitglied
Bei dem vor rund zwei Wochen getöteten Mann handelt es sich um ein aktives Mitglied der CDU Brandenburg, wie die Innenministerin sagte. Es gebe bislang keine Anhaltspunkte dafĂŒr, dass eine politische Motivation eine Rolle bei der Begehung der Tat gespielt haben könnte. Die Leiche des jungen Mannes wurde bei einem Wohnungsbrand in Beelitz-HeilstĂ€tten entdeckt.Â
Bei zweiter Gewalttat Frau durch Schnitt am Hals verletzt
Dann soll der VerdĂ€chtige am vergangenen Wochenende eine Frau verletzt haben. Die 52-JĂ€hrige stammt laut Innenministerium aus der Ukraine. Bei diesem Fall kam die Polizei dem Beschuldigten auf die Spur. Der VerdĂ€chtige soll der Frau nach dpa-Informationen eine Schnittwunde am Hals zugefĂŒgt haben.Â
Ihre Verletzungen seien ambulant Ă€rztlich versorgt worden, eine stationĂ€re Versorgung in einem Krankenhaus sei nicht erforderlich gewesen, so Innenministerin Lange in ihrer Stellungnahme. Die Polizei hatte am Montag zunĂ€chst mitgeteilt, der Festgenommene habe der Frau lebensbedrohliche Verletzungen zugefĂŒgt. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, sie könne nĂ€here AuskĂŒnfte aus ermittlungstaktischen GrĂŒnden derzeit nicht erteilen.Â
VerdÀchtiger kam zunÀchst in Haftkrankenhaus
Der VerdĂ€chtige wurde laut Ministerium zunĂ€chst in ein Haftkrankenhaus gebracht und soll anschlieĂend in eine Haftanstalt kommen. Die Polizei arbeite derzeit mit Hochdruck an der AufklĂ€rung der beiden schweren Gewalttaten, sagte Innenministerin Lange.
CDU in Trauer um Parteimitglied
Die CDU Brandenburg reagierte fassungslos auf den gewaltsamen Tod ihres Parteimitglieds. Bei Instagram schrieb die Landespartei, sie sei tief entsetzt und in groĂer Trauer.
BĂŒrgermeister: Nicht dem GefĂŒhl der Angst hingebenÂ
Auf dem Areal in Beelitz-HeilstĂ€tten spielten am Mittag Kinder, wĂ€hrend Polizisten dort ins GebĂ€ude gingen. Auch der Schulbetrieb ging weiter.Â
Der BĂŒrgermeister von Beelitz, Bernhard Knuth (parteilos), sagte, er nehme gerade die Ăngste der Eltern ernst. «Mir ist es jedoch in dieser Situation ganz wichtig, dass wir uns nicht als Stadtgesellschaft dem GefĂŒhl der Angst hingeben und unser enges gesellschaftliches Zusammenleben riskieren.» Wo es notwendig sei, werde die Stadt Sicherheitskonzepte ĂŒberarbeiten und anpassen, abgestimmt mit dem Landkreis und den Ministerien des Landes Brandenburg.Â
HeilstÀtten - einst ein «Lost Place»
Beelitz-HeilstĂ€tten ist vor allem durch eine Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute Lungenheilanstalt fĂŒr an Tuberkulose erkrankte Menschen bekannt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das GelĂ€nde bis ins Jahr 1994 von der Sowjetarmee ĂŒbernommen, die GebĂ€ude als MilitĂ€rhospital nutzte. Auf dem geschichtstrĂ€chtigen Areal, das einst als «Lost Place» (sinngemĂ€Ă: Vergessener Ort) galt und wieder belebt wurde, sind nach umfangreichen Sanierungen Wohnungen entstanden.


