Getöteter Arzt arbeitete mit psychisch kranken Kriminellen
09.04.2024 - 14:24:27Ein Mann soll in Oberbayern einen Mediziner getötet haben, der mit psychisch kranken und suchtkranken StraftĂ€tern arbeitete. Der VerdĂ€chtige ist laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur nach ersten Ermittlungen ein ehemaliger Patient des Opfers. Polizei und Staatsanwaltschaft teilten dazu nur mit, es gebe Hinweise darauf, «dass zwischen dem Opfer und dem mutmaĂlichen TĂ€ter vor einigen Jahren ein berufsbedingter Kontakt bestand».Â
Ein Polizeisprecher wollte sich auf Nachfrage nicht detaillierter dazu Ă€uĂern. Am Dienstag habe ein Ermittlungsrichter eine Unterbringung des Mannes in einer niederbayerischen Fachklinik angeordnet. Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei ermitteln nun wegen Mordes gegen den Deutschen, der kurz nach der Tat am Montagabend blutverschmiert von Polizisten festgenommen wurde. Hinweise zu einem möglichen Motiv wurden zunĂ€chst nicht öffentlich bekannt. Nach Polizeiangaben wurde die mutmaĂliche Tatwaffe, ein KĂŒchenmesser, sichergestellt.Â
Mediziner arbeitete mit Rechtsbrechern
Der Regierungsbezirk Oberbayern ist TrĂ€ger der betroffenen Klinik fĂŒr Psychiatrie, Psychotherapie, psychosomatische Medizin, Geriatrie und Neurologie in Wasserburg am Inn. Nach Angaben einer Bezirkssprecherin war der 64 Jahre alte Mediziner seit vielen Jahren in der Klinik beschĂ€ftigt. «Er hat nur mit Rechtsbrechern gearbeitet, im MaĂregelvollzug», sagte die Sprecherin. Der Angriff sei nach dem Dienstende des Mannes erfolgt.Â
Beim MaĂregelvollzug geht es um die Unterbringung von psychisch- oder suchtkranken StraftĂ€tern zum Schutz der Bevölkerung und zur Therapie der Betroffenen. Eine Möglichkeit ist die Unterbringung von StraftĂ€tern in einem psychiatrischen Krankenhaus. Voraussetzung ist, dass jemand bei der Tat nur vermindert oder gar nicht schuldfĂ€hig war und fĂŒr die Allgemeinheit weiterhin gefĂ€hrlich ist.Â
VerdÀchtiger ohne Widerstand festgenommen
Ein Zeuge hatte am Montagabend kurz nach 18.00 Uhr Polizisten auf das Opfer aufmerksam gemacht. Die Beamten waren eigentlich wegen eines anderen Einsatzes auf dem GelĂ€nde der Klinik. Ersthelfer kĂŒmmerten sich um den Verletzten, der aber kurz darauf starb. Der VerdĂ€chtige wurde demnach unweit des Tatortes, noch auf dem KlinikgelĂ€nde, widerstandslos festgenommen.Â
Das KlinikgelĂ€nde ist nach Bezirksangaben ein offenes Areal. «Der ĂŒberwiegende Teil der psychisch kranken Menschen bei uns ist kein Rechtsbrecher», sagte die Sprecherin. Vielfach gehe es bei diesen Menschen um SelbstgefĂ€hrdung statt um FremdgefĂ€hrdung.Â
Der Betrieb im Klinikum lief auch am Dienstag weitgehend normal weiter, wie die Sprecherin sagte. «Es sind ja Patienten da.» Allerdings habe es fĂŒr Mitarbeiter die Möglichkeit gegeben, sich an Notfallseelsorge und Krisenintervention zu wenden. Â
Tödliche Angriffe auf medizinisches Personal seltenÂ
GewalttĂ€tige Ăbergriffe auf medizinisches Personal mit Schwerverletzten oder gar Toten sind nach Erkenntnis der Bayerischen Krankenhausgesellschaft sehr selten. Vor allem die Mitarbeiter in Notaufnahmen seien von verbalen Angriffen wie Beleidigungen und Bedrohungen, aber auch körperlichen Ăbergriffen betroffen.
Manche Kliniken wie in MĂŒnchen engagierten zu besonders kritischen Zeiten wie beim Oktoberfest zusĂ€tzlich einen Wachdienst, um Mitarbeiter zu schĂŒtzen.Â





