Staatsanwalt, Gericht

Staatsanwalt vor Gericht - Jurist Ă€ußert sich ab Mai

23.04.2025 - 11:41:06

Ein auf Drogenverfahren spezialisierter Staatsanwalt soll Informationen an eine internationale Kokain-Bande verkauft haben. Jetzt sitzt der Jurist aus Hannover selbst auf der Anklagebank - erstmals.

Ein Staatsanwalt aus Hannover soll Informationen an eine internationale Bande von Kokain-HĂ€ndlern verkauft haben - dafĂŒr steht er nun selbst vor Gericht. Es werde sich herausstellen, dass der angeklagte Jurist nicht der Informant aus den Behörden sei, sagte sein Verteidiger Timo Rahn in einer ErklĂ€rung zu Prozessbeginn. Er kĂŒndigte an, ab Mai werde sich sein 39 Jahre alter Mandant selbst umfassend Ă€ußern.

Boxtrainer wegen Beihilfe mitangeklagt

Schon vor Prozessbeginn hatte Rahn der Deutschen Presse-Agentur gesagt: «Die aktuellen AnklagevorwĂŒrfe werden von meinem Mandanten vollstĂ€ndig bestritten.» Es gilt die Unschuldsvermutung. Seit Ende Oktober 2024 sitzt der 39-JĂ€hrige in Untersuchungshaft. Konkret vorgeworfen werden ihm 14 FĂ€lle von besonders schwerer Bestechlichkeit sowie Verletzung des Dienstgeheimnisses und Strafvereitelung im Amt.

Mitangeklagt wegen Beihilfe zur Bestechung ist ein 41 Jahre alter Boxtrainer, der in zwölf FÀllen als Mittelsmann fungiert haben soll. Die Taten sollen sich zwischen Juni 2020 und MÀrz 2021 ereignet haben. Beide Angeklagte sind Deutsch-Iraner.

Prozess beginnt unter verschÀrften Sicherheitsvorkehrungen

Die Anklage erhob die Staatsanwaltschaft OsnabrĂŒck. Ende 2024 hatte die Behörde das Verfahren von der Staatsanwaltschaft Hannover ĂŒbernommen, die zuvor lange gegen den mutmaßlich korrupten eigenen Kollegen ermittelt hatte.

Der Prozess begann mit leichter Verzögerung und unter verschÀrften Sicherheitsvorkehrungen. Medienvertreter, Zuhörer und Prozessbeteiligte wurden durchsucht, bevor sie den Schwurgerichtssaal betreten durften.

Verfahren zwischenzeitlich eingestellt

Gewarnt von ihrem Informanten in der Anklagebehörde sollen sich fĂŒhrende Köpfe der Kokain-Bande ins Ausland abgesetzt haben. Die meisten sind bis heute nicht gefasst. Der 39 Jahre alte Dezernent aus der BetĂ€ubungsmittel-Abteilung der Staatsanwaltschaft Hannover soll 65.000 Euro von den Kokain-HĂ€ndlern angenommen haben.

Im Juni 2022 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den Staatsanwalt eingeleitet, im November 2022 durchsuchten Fahnder seine Wohnung und seine DienstrÀume. Das Verfahren wurde im Oktober 2023 eingestellt - weil sich der Anfangsverdacht nach Angaben des niedersÀchsischen Justizministeriums zunÀchst nicht erhÀrtet hatte. Im Juni 2024 wurde das Verfahren gegen den Staatsanwalt wiederaufgenommen.

Urteil möglicherweise im September

FĂŒr den Prozess sind zunĂ€chst 21 Verhandlungstage angesetzt. Nach dieser Planung könnte das Urteil am 12. September gesprochen werden. Im Falle einer Verurteilung drohen bei Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall Freiheitsstrafen zwischen drei Monaten und fĂŒnf Jahren.

@ dpa.de