FlÀschchen mit «Polonium»-Aufschrift: erste Entwarnung
06.04.2026 - 16:13:21 | dpa.deBei der Ostereiersuche haben zwei MĂ€nner in Vaihingen an der Enz ein FlĂ€schchen mit der Aufschrift «Polonium 210» gefunden und damit die Behörden in Alarmstimmung versetzt. Sie entdeckten das kleine BehĂ€ltnis mit dem angeblichen hochgefĂ€hrlichen Strahlengift in einem privaten Vorgarten in der im Nordosten von Stuttgart gelegenen Stadt und alarmierten sofort Polizei und Feuerwehr.Â
Ein Ernstfall? Oder nur ein verspĂ€teter Aprilscherz von Unbekannten? Zumindest gibt das baden-wĂŒrttembergische Umweltministerium am Tag darauf vorsichtig eine erste Entwarnung. «Die erste EinschĂ€tzung von unseren Fachleuten ist, dass es sich bei dem Fund nicht um Polonium 210 handelt», sagte eine Sprecherin. «Sicher ist das aber noch nicht», betonte sie.Â
Der Fund werde nun in die Landesanstalt fĂŒr Umwelt (LUBW) nach Karlsruhe gebracht. Dort werde er genauer analysiert. Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung ĂŒber die Angaben des Ministeriums berichtet.Â
Messungen im Umfeld negativ ausgefallen
Polonium 210 ist ein potenziell tödliches Strahlengift. Die Feuerwehr hatte das FlĂ€schchen nach eigenen Angaben noch als echt eingeschĂ€tzt. «Das BehĂ€ltnis passt zum Stoff», sagte Kreisbrandmeister Andy Dorroch nach dem Fund. «Der Stoff ist auch nicht irgendwie handschriftlich draufgekritzelt, sondern der ist sauber offiziell beschriftet.» Zudem sei das FlĂ€schchen mit geschĂ€tzten 200 Gramm Gewicht relativ schwer - passend, da Polonium 210 ein vergleichsweise schwerer Stoff sei.Â
ZunĂ€chst seien allerdings alle Messungen im Umfeld des FlĂ€schchens negativ gewesen. Es sei keine RadioaktivitĂ€t gemessen worden. Die beiden MĂ€nner seien nach dem Fund unverletzt.Â
Fund löste GroĂeinsatz von Feuerwehr und Polizei aus
Sie hatten in dem Garten am Ortsrand Ostereier gesucht, als sie das weiĂe KunststoffflĂ€schchen mit rotem Deckel fanden. Nach dem Fund wĂ€hlten sie den Notruf. Weitere Angaben zu den MĂ€nnern machten die Behörden nicht.Â
Beim anschlieĂenden GroĂeinsatz waren nach Angaben der Feuerwehr 138 EinsatzkrĂ€fte mit 41 Fahrzeugen vor Ort â darunter ein Strahlenschutzzug, ein Gefahrgutzug sowie eine Fachberaterin fĂŒr Strahlenschutz, die beruflich im Kernkraftwerk tĂ€tig ist, wie der Kreisbrandmeister sagte. Auch ein Experte des Landeskriminalamtes (LKA) war im Einsatz.
Der Bereich um den Fundort wurde den Angaben zufolge abgesperrt. Anwohner mussten zeitweise ihre Wohnungen verlassen. Experten des Landesumweltministeriums brachten das FlĂ€schchen weg. Nach dem Abtransport wurde das Wohngebiet wieder freigegeben.Â
Ermittlungen sollen nach Ostern beginnen
Sollte in dem FlĂ€schchen tatsĂ€chlich Polonium 210 nachgewiesen werden, wird der Stoff nach Behördenangaben dekontaminiert und fachgerecht entsorgt. Es sei möglich, dass das Landeskriminalamt die Ermittlungen ĂŒbernehme, sagte dessen Sprecherin. Bereits jetzt ermittelt die Polizei, wie das FlĂ€schchen in den Vorgarten gelangen konnte.Â
BĂŒrgermeister: Gut, dass wir fĂŒr alles gerĂŒstet sind
FĂŒr die Anwohner habe zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden, berichtete die Stadt. OberbĂŒrgermeister Uwe Skrzypek-Muth betont, es sei wichtig, bei solchen Alarmen fĂŒr alles gerĂŒstet zu sein: «FĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger ist es beruhigend zu wissen, dass im Fall der FĂ€lle verlĂ€ssliche AblĂ€ufe fĂŒr gröĂtmögliche Sicherheit sorgen», sagte der Rathauschef der Deutschen Presse-Agentur. «NatĂŒrlich wĂŒrden wir aber sehr viel lieber mit den Sonnenseiten unseres schönen StĂ€dtchens in die Schlagzeilen kommen, als mit einem Ă€uĂerst seltenen Strahlenschutzeinsatz, der sich hoffentlich als Fehlalarm herausstellen wird.»
Putin-Kritiker Litwinenko starb 2006 nach Polonium 210-Anschlag
Polonium ist ein chemisches Element mit hoher RadiotoxizitĂ€t und deshalb sehr gesundheitsschĂ€dlich. Laut Bundesamt fĂŒr Strahlenschutz (BfS) ist der Stoff vor allem dann gefĂ€hrlich, wenn er eingeatmet oder aufgrund offener Wunden ĂŒber die Haut aufgenommen wird. Der Putin-Kritiker und frĂŒhere Geheimdienstoffizier Alexander Litwinenko starb 2006 in London nach einem Anschlag mit Polonium 210.
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