Flugzeugabsturz in Brasilien: Experten suchen nach Ursache
11.08.2024 - 04:43:35Nach dem Absturz eines Passagierflugzeugs, bei dem 62 Menschen ums Leben kamen, werten die Ermittler den Flugdatenschreiber und den Stimmenrekorder aus. Beide GerĂ€te - die sogenannte Black Box - wurden geöffnet, wie in einem Video des Zentrums fĂŒr die Untersuchung und Vorbeugung von LuftfahrtunfĂ€llen (Cenipa) zu sehen war. Die orangefarbenen GerĂ€te sollen Aufschluss ĂŒber die Ursache der Tragödie nahe der brasilianischen Millionenmetropole SĂŁo Paulo geben. Sie wurden zur Datenanalyse in das Labor von Cenipa in der Hauptstadt BrasĂlia gebracht, wie es hieĂ.
Es werden nun die flugbezogenen AktivitĂ€ten, das Betriebsumfeld und die menschlichen Faktoren untersucht sowie eine Studie ĂŒber die Komponenten und Systeme angefertigt, wie das örtliche Nachrichtenportal «G1» berichtete. Innerhalb von 30 Tagen will das Cenipa einen vorlĂ€ufigen Bericht zu dem Absturz vorlegen.
Die Maschine der Fluggesellschaft VoePass - ein Turboprop-Passagierflugzeug vom Typ ATR 72 - war am Freitagmittag (Ortszeit) auf dem Flug von Cascavel im Bundesstaat ParanĂĄ nach SĂŁo Paulo kurz vor dem Ziel in ein Wohngebiet der Kleinstadt Vinhedo gestĂŒrzt. Alle 58 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder kamen ums Leben - am Boden gab es keine Verletzten. Daten der Plattform Flightradar 24 legen nahe, dass das Flugzeug in weniger als einer Minute um fast 4.000 Höhenmeter absackte. Videoaufnahmen zeigten, wie das Flugzeug in der Luft trudelte, ehe es auf einem GrundstĂŒck eines Wohnhauses aufprallte und explodierte.
Bis Samstagabend (Ortszeit) - knapp 30 Stunden nach dem Unfall - wurden laut Feuerwehr alle Leichen geborgen. Unter den Opfern waren einem «G1»-Bericht zufolge unter anderem ein Vater und seine dreijĂ€hrige Tochter, die den Vatertag, der in Brasilien am Sonntag gefeiert wurde, gemeinsam verbringen wollten, sowie Ărzte, GeschĂ€ftsleute und Professoren.
Warnungen vor Unwetter und Eisbildung am AbsturzortÂ
Nach Angaben des Cenipa-Leiters werden sowohl umweltbedingte und technische Faktoren als auch ein mögliches menschliches Versagen untersucht. Der Plattform Flightradar 24 zufolge deuten meteorologische Berichte fĂŒr den Zeitraum rund um den Unfall auf Turbulenzen, Gewitter und Vereisung in der Umgebung hin.
Als mögliche UnglĂŒcksursache prĂŒfen Experten beispielsweise eine Bildung von Eis auf den FlĂŒgeln - damit verwandle sich ein Flugzeug in «einen Stein ohne Auftrieb», schrieb etwa das brasilianische Nachrichtenportal UOL. Demnach gab es fĂŒr den Ort des Absturzes eine Warnung vor Eisbildung. Auch der GeschĂ€ftsfĂŒhrer von VoePass, Eduardo Busch, schloss nicht aus, dass sich Eis auf den TragflĂ€chen angesammelt haben könnte. Die Piloten seien aber erfahren gewesen und das Flugzeug sei mit funktionierenden Systemen gestartet. «Das Flugzeug war zum Zeitpunkt des Starts zu 100 Prozent einsatzbereit», sagte Busch. Nach EinschĂ€tzung anderer Experten könnten auch mehrere Ursachen gemeinsam zu dem Absturz gefĂŒhrt haben.
Eine der tödlichsten UnfÀlle in der brasilianischen Luftfahrt-Geschichte
PrĂ€sident Luiz InĂĄcio Lula da Silva ordnete eine dreitĂ€gige Staatstrauer an. Der Unfall gehört Medienberichten zufolge zu den tödlichsten in der Geschichte der brasilianischen Luftfahrt. 2007 schoss eine Maschine der Fluggesellschaft TAM ĂŒber die Piste des Congonhas-Flughafens in SĂŁo Paulo hinaus und raste in eine Tankstelle â 199 Menschen kamen dabei ums Leben.
In Erinnerung ist vielen auch der Absturz vom 28. November 2016, als das Flugzeug des brasilianischen FuĂball-Clubs Chapecoense auf dem Weg nach MedellĂn zum Final-Hinspiel um die Copa Sudamericana, dem SĂŒdamerika-Pokal, in Kolumbien verunglĂŒckte. Damals kamen 71 Menschen ums Leben, darunter fast alle Spieler sowie Betreuer, Trainer und mitreisende Journalisten. Sechs Passagiere ĂŒberlebten.
Die UnglĂŒcksmaschine vom Freitag war ein Turboprop-Passagierflugzeug vom Typ ATR 72 des französisch-italienischen Konsortiums Avions de Transport RĂ©gional. Im Januar 2023 kamen beim Absturz einer ATR 72-500, die sich in Nepal im Landeanflug auf den Flughafen der Stadt Pokhara befand, 72 Insassen ums Leben, darunter vier Besatzungsmitglieder.











