Drogentod von 13-JÀhriger: Eltern im «tiefen schwarzen Loch»
03.07.2023 - 05:07:25Die Eltern des nach der Einnahme einer Ecstasy-Pille gestorbenen 13-jÀhrigen MÀdchens aus Altentreptow in Mecklenburg-Vorpommern glauben nicht, dass ihre Tochter die Droge freiwillig genommen hat. «Definitiv hat sie das nicht freiwillig gemacht», sagte die Mutter im GesprÀch mit «stern TV am Sonntag» (RTL). Denn erst Tage zuvor habe ihre Tochter Finja den Kollaps einer Freundin nach Drogenkonsum selbst miterlebt.
Finja berichtete demnach ihren Eltern in Panik von dem Vorfall, weil sie dachte, ihre Freundin wĂŒrde sterben. Sie habe deren KrampfanfĂ€lle und Luftnot und die Behandlung im Krankenhaus unmittelbar mitbekommen. Finja selbst bestĂ€tigte den Angaben zufolge, dass ihre Freundin nach Drogenkonsum zusammengebrochen sei.
«Sie hat gesagt, sie macht sowas nicht»
Aufgrund der Angst, die Finja um das Leben ihrer Freundin gehabt habe, Ă€uĂerten sich die Eltern ĂŒberzeugt, dass ihre Tochter die Ecstasy-Pille der Variante «Blue Punisher» nicht freiwillig genommen habe. «Sie hat gesagt, sie macht sowas nicht», betonte die Mutter. Die Eltern richteten einen Appell an alle Kinder und Jugendlichen: «Nehmt keine bunten Pillen! Wenn etwas angeboten wird, nicht annehmen! Weggehen, Polizei rufen! Es darf nicht noch einmal passieren, dass wegen des Zeugs jemand stirbt.»
Die Eltern wirkten bei dem Interview Ă€uĂerlich gefasst, aber innerlich verzweifelt. «Man steht vor einem tiefen schwarzen Loch, funktioniert eigentlich bloĂ und denkt sich: Warum?», sagte die Mutter. «Zerstört ist unser Leben eigentlich», sagte der Vater. «Sie war ein fröhliches MĂ€dchen.»
Nach der Einlieferung ihrer Tochter waren die Eltern in die Klinik in Neubrandenburg gefahren. «Dann ging auch alles ganz, ganz schnell. Das war Wahnsinn», schilderte die Mutter. Finja habe auf nichts mehr reagiert. Der Vater erzĂ€hlte, den Ărzten habe die Zeit gefehlt. «Sie haben mit aller Macht alles getan fĂŒr unsere Tochter. Man konnte ihr nicht mehr helfen. Die Zeit hat einfach gefehlt. Das ging so schnell.»
Haftbefehl gegen 37-JĂ€hrigen
Nach dem Tod des MÀdchens war Haftbefehl gegen einen 37-JÀhrigen erlassen worden, der laut Amtsgericht Neubrandenburg in zwei FÀllen BetÀubungsmittel an MinderjÀhrige abgegeben haben soll. Gegen einen 17-JÀhrigen sei hingegen mangels Haftgrundes kein Haftbefehl erlassen worden. Die Polizei hatte zunÀchst vier VerdÀchtige festgenommen.
VorfĂ€lle mit der chemischen Droge «Blue Punisher» sorgen derzeit in mehreren BundeslĂ€ndern fĂŒr Aufsehen. Dabei handelt es sich um eine besondere Erscheinungsform von Ecstasy-Tabletten. Herkunft und Wirkstoff können davon unabhĂ€ngig variieren. Zuletzt waren solche Pillen durch eine offenbar sehr hohe und gefĂ€hrliche Konzentration aufgefallen.
In Mecklenburg-Vorpommern warnte die Polizei kĂŒrzlich vor eigenstĂ€ndigen Ermittlungen etwa durch Eltern. «Das kann einen im Zweifel selbst in Gefahr bringen, wenn zum Beispiel versucht wird, als StrohkĂ€ufer an weitere Informationen zu gelangen», so das PolizeiprĂ€sidium Neubrandenburg. «Ebenso warnen wir vor Selbstjustiz mit Blick auf mögliche Beteiligte oder mutmaĂliche Dealer.»


