Schuss im Klassenzimmer: Offenburger SchĂŒler gestorben
09.11.2023 - 18:58:20Trauer und BestĂŒrzung im badischen Offenburg: Nach einem Schusswaffenangriff an einer Schule ist ein SchĂŒler an seinen schweren Verletzungen gestorben. Ein tatverdĂ€chtiger Jugendlicher wurde festgenommen, wie die Polizei mitteilte.
Der tatverdĂ€chtige MinderjĂ€hrige, ein Deutscher, werde kriminaltechnisch untersucht, teilten die Ermittler mit. Das Motiv fĂŒr den Angriff in der sonderpĂ€dagogischen Schule dĂŒrfte im persönlichen Bereich liegen. Noch heute sollte er der zustĂ€ndigen Ermittlungsrichterin vorgefĂŒhrt werden. Es solle ein Haftbefehl wegen Totschlags erlassen werden, hieĂ es in einer Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft.
Nach dpa-Informationen soll sich der Angriff in der 9. Klasse des TatverdÀchtigen abgespielt haben. Ermittlern zufolge wurde der TatverdÀchtige von einem Mann, der zufÀllig anwesend war, bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten.
Mindestens ein Schuss aus einer Handfeuerwaffe
Der junge Mann sei in ein Klassenzimmer gekommen und habe auf seinen sitzenden gleichaltrigen MitschĂŒler mindestens einen Schuss aus einer Handfeuerwaffe abgeben. «Hierdurch erlitt dieser schwerste Verletzungen», hieĂ es in der Mitteilung. Das Opfer verstarb spĂ€ter in einer Klinik.
Das Einschreiten des Mannes bis zum Eintreffen der Beamten sei ein glĂŒcklicher Umstand gewesen - es hĂ€tte noch mehr passieren können, erfuhr die dpa aus Kreisen. Der mutmaĂliche TĂ€ter habe Munition dabeigehabt. In der 9. Klasse werden ĂŒblicherweise SchĂŒlerinnen und SchĂŒler im Alter von 15 bis 16 Jahren unterrichtet.
«Die Polizei hat den mutmaĂlichen TĂ€ter schnell gefasst und ermittelt mit Hochdruck die HintergrĂŒnde der Tat», erklĂ€rte Innenminister Thomas Strobl (CDU) in Stuttgart. Es werde von einem EinzeltĂ€ter ausgegangen. Hinweise auf einen politischen Hintergrund der Tat habe Polizei zurzeit nicht.
Auch ein Spezialeinsatzkommando war im Einsatz
Die Schule wurde laut Polizei weitrĂ€umig abgesperrt, sie liegt in der Nordstadt der Kommune im Ortenaukreis. Die Beamten sprachen von einem GroĂeinsatz, es waren ĂŒber 300 Polizistinnen und Polizisten dabei. Laut Polizeikreisen war auch ein Spezialeinsatzkommando (SEK) eingesetzt. Auch aus anderen Revieren und PolizeiprĂ€sidien der Region kam UnterstĂŒtzung. Von einer Amoktat werde explizit nicht gesprochen, sagte ein Polizeisprecher.
Anwohner berichteten von Hubschraubern, die stundenlang ĂŒber dem Areal kreisten. Sirenen von Einsatzfahrzeugen heulten, auf einer wichtigen Verkehrsachse gab es eine StraĂensperre. Offenburg mit rund 62.000 Einwohnern ist in der Region ein wichtiges Verkehrs- und Wirtschaftszentrum, das Leben ist aber sonst eher beschaulich.
Rund 180 SchĂŒler mussten zunĂ€chst in den KlassenrĂ€umen bleiben, konnten diese dann aber spĂ€ter verlassen. Die jungen Menschen wurden zunĂ€chst von Fachpersonal betreut, konnten aber dann zu ihren Eltern zurĂŒckkehren, wie die Polizei berichtete.
Schule bleibt geschlossen
Die Waldbachschule ist nach eigenen Angaben ein SonderpĂ€dagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt Lernen. SchĂŒlerinnen und SchĂŒler werden in 15 Klassen unterrichtet. Die Schule soll nach Angaben der Stadt Offenburg am Freitag geschlossen bleiben.
Auch Stunden nach der Tat war das SchulgebĂ€ude noch abgesperrt. Die Kriminaltechnik sei noch an Ort und Stelle, hieĂ es. Auch einzelne SchĂŒler seien noch in der Schule. Um das Schulareal, auf dem sich auch die Waldbachschule befindet, war auĂergewöhnlich viel los: Eltern holten ihre Kinder ab, Jugendliche waren an Ort und Stelle und schauten auf ihre Mobiltelefone. Polizisten und Polizistinnen wachten darĂŒber, dass nur berechtigte Menschen in die NĂ€he der Schule gelangten.
Ein GroĂvater, der gerade seine beiden Enkelinnen aus einer nahe gelegenen Schule abholte, war sichtlich mitgenommen. «Zum GlĂŒck ist ihnen nichts passiert», sagt er mit TrĂ€nen in den Augen. Eine Mutter, deren Kind einen Kindergarten direkt gegenĂŒber der Waldbachschule besucht, erzĂ€hlte, die Kleinen hĂ€tten nichts vom dem Vorfall mitbekommen. Per Kita-App sei sie aufgefordert worden, ihr Kind abzuholen.
In der Nord-West-Halle am Nordende des Schulareals gab es eine Anlaufstelle fĂŒr SchĂŒler und Eltern. Dort herrschte groĂer Andrang. Viele Rettungswagen standen in der NĂ€he.
Erst am Mittwoch hatten zwei Jungen in einer Schule in Hamburg eine Lehrerin mit einer Art Schusswaffe bedroht und einen GroĂeinsatz der Polizei ausgelöst. Erst nach vier Stunden konnten die EinsatzkrĂ€fte Entwarnung geben. Fast zeitgleich gab es an einer anderen Schule ebenfalls Alarm wegen einer Bedrohungslage. Auch hier wurde eine pĂ€dagogische Kraft bedroht. In diesem Zusammenhang wurden dort wenig spĂ€ter vier Jungen im Alter von 11, 12, 12 und 14 Jahren und im weiteren Verlauf noch ein 13-JĂ€hriger festgenommen und insgesamt drei mutmaĂliche Spielzeugwaffen sichergestellt. Ein 12- und der 13-JĂ€hrige werden verdĂ€chtigt, fĂŒr die Bedrohung in Blankenese verantwortlich zu sein.


