Koffer mit Leiche im Bach - Soko «Trolley» vor einem RÀtsel
29.08.2025 - 13:40:24 | dpa.deDer sĂŒĂlich-beiĂende Gestank aus dem Koffer muss bestialisch gewesen sein. Die beiden Hunde von Petra Hanke erschnupperten ihn beim tĂ€glichen Gassigehen schon frĂŒh. «Da ist mir schon ein bisschen mulmig geworden», sagt die 62-JĂ€hrige. «Wahrscheinlich ein totes Tier, dachte ich.» Erst zwei Tage nach Gizmo und Bella riecht Hanke es auch. «Da muss irgendwas unter der BrĂŒcke sein.»Â
Bauhof-Mitarbeiter kontrollieren schlieĂlich das GepĂ€ckstĂŒck am Stadtrand von Filderstadt nahe Stuttgart - und sie machen einen grausigen Fund: Im Koffer liegen die Ăberreste eines Menschen. Die Leiche muss schon lĂ€nger darin verstaut gewesen sein, denn sie ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft stark verwest und zum Teil bereits skelettiert.
Auch am Tag nach dem Fund in der NĂ€he eines Spielplatzes sind Experten des Landeskriminalamtes am Ort, Anwohner oder SpaziergĂ€nger werden befragt, eine Drohne ĂŒberfliegt den Fundort an einem Bachlauf. Die MĂŒlleimer sind bereits am Vortag durchsucht, verdĂ€chtige GegenstĂ€nde sichergestellt worden. Die 44-köpfige Sonderkommission «Trolley» versucht nun, Licht ins Dunkel der Ermittlungen zu bringen. Zu weiteren Details Ă€uĂerte sich die Polizei aber nicht.
Viele Fragen noch unbeantwortet
Rechtsmediziner konnten zumindest eine davon bereits beantworten: Im Koffer lag eine tote Frau. Das habe die Obduktion ergeben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Aber das Alter, die Todesursache und wann die Frau ums Leben kam - all das bleibt noch ein RĂ€tsel. «Wir wissen bislang noch nicht, um wen es sich bei der Toten handelt», sagte Polizeisprecher Michael Schaal in Reutlingen. Auch die Todesursache sei noch unbekannt. «Und wir können auĂerdem nicht sagen, wie lange der Koffer in dem Bach gelegen hat.»
HĂ€nderingend wird auch nach Zeugen gesucht, die in den vergangenen Wochen in dem Wohngebiet am nördlichen Ortsrand etwas VerdĂ€chtiges gesehen haben könnten. Einen Menschen mit Koffer vielleicht oder auffĂ€llige Autos. VermisstenfĂ€lle seien nicht bekannt, sagte Schaal. Â
Kofferleichen beschĂ€ftigen wiederholt die ErmittlerÂ
Was klingt wie ein auĂergewöhnlicher Fall, kommt im Alltag von Ermittlern immer mal wieder, aber auch nicht oft vor. Erst Ende Februar fand die Wiener Polizei nach einem Hinweis eine zerstĂŒckelte Leiche in einem Koffer - stranguliert, zerstĂŒckelt und in Plastik verpackt. Ein TatverdĂ€chtiger wurde festgenommen - er hatte Schulden bei dem Opfer.
Zwei Jahre zuvor wurden zwei MĂ€nner wegen gemeinschaftlichen Mordes an ihrer Schwester in Berlin zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Ăberzeugung des Gerichts hatten sie im Juli 2021 ihre Schwester ermordet und die Leiche in einem Rollkoffer mit dem Zug quer durch Deutschland bis nach Donauwörth transportiert. Dort vergruben sie die Tote im Wald. Die zweifache Mutter habe nach eigenen Vorstellungen leben wollen, das habe aber nicht den Moralvorstellungen der afghanischen Familie entsprochen, urteilte die Kammer.Â
Leichen auch im Stuttgarter SchlossparkÂ
Der grausige Fund von Filderstadt erinnert auch an den Fall von zwei Stuttgarter Kofferleichen aus dem Jahr 2014. Im Alkoholrausch waren der Mann und die Frau an Himmelfahrt von ihrem Zechkumpanen umgebracht worden. Der TĂ€ter, ein damals 48 Jahre alter Mann, war daraufhin zu lebenslanger Haft verurteilt worden.Â
Zuvor war die Suche nach ihm lange erfolglos geblieben, auch ein Aufruf in der Fernsehsendung «Aktenzeichen XY... ungelöst» hatte keine entscheidenden Hinweise - bis eine DNA-Spur die Polizei zu ihm fĂŒhrte.
Nur ein Jahr darauf wird eine Kofferleiche am Berliner Spreeufer entdeckt, der TÀter spÀter zu sieben Jahren Haft verurteilt. Er soll seine Bekannte im Juni 2015 in einem Streit in seiner Galerie erstochen haben.
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