Kinder, Österreich

ZwölfjĂ€hrige als «Helferin» bei SchĂ€del-OP - FreisprĂŒche

10.12.2025 - 13:27:06 | dpa.de

Ein MĂ€dchen am OP-Tisch: Wie es dazu kam, dass ein Kind Hand anlegte – und warum das Gericht die beteiligten Ärzte freisprach.

  • Die Angeklagten wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. - Bild: Erwin Scheriau/APA/dpa
    Die Angeklagten wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. - Bild: Erwin Scheriau/APA/dpa
  • Die Richterin urteilte strikt nach rechtlichen Kriterien. Ethische Fragen blieben außen vor. - Bild: Erwin Scheriau/APA-POOL/dpa
    Die Richterin urteilte strikt nach rechtlichen Kriterien. Ethische Fragen blieben außen vor. - Bild: Erwin Scheriau/APA-POOL/dpa
Die Angeklagten wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. - Bild: Erwin Scheriau/APA/dpa Die Richterin urteilte strikt nach rechtlichen Kriterien. Ethische Fragen blieben außen vor. - Bild: Erwin Scheriau/APA-POOL/dpa

Nach einer Notoperation, bei der eine damals ZwölfjĂ€hrige mit Hand anlegen durfte, sind die zwei beteiligten Chirurgen in Österreich freigesprochen worden. Es könne nicht nachgewiesen werden, dass das Kind aktiv ein Loch in den SchĂ€del des Patienten gebohrt habe, erklĂ€rte die Bezirksrichterin in Graz.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Chirurgin - die Mutter des Kindes - sowie ihren Kollegen wegen Beteiligung an einer Körperverletzung angeklagt, weil sie es mutmaßlich zuließen, dass das MĂ€dchen als medizinisch ungeschulte Person eine Behandlung durchfĂŒhrte.

«Da sind viele Dinge, die im Argen liegen (
) und die ich - salopp gesagt - als Wahnsinn empfinde», sagte die Richterin ĂŒber die Operation, bei der das Kind am OP-Tisch stand. Doch sie betonte, dass es bei dem Prozess nicht um ethische, sondern um juristische Fragen gehe. «Zusammengefasst ist Ihr Verhalten vom Gesetz nicht mit Strafe bedroht», sagte sie den Angeklagten. Das Urteil ist noch nicht rechtskrĂ€ftig.

Tochter wollte mit zur Operation

Der Patient war im Januar 2024 nach einem Unfall bei Forstarbeiten mit einer schweren Kopfverletzung in eine UniversitĂ€tsklinik in Graz im SĂŒden Österreichs eingeliefert worden. Die Tochter der erfahrenen Neurochirurgin hatte ihre Mutter an diesem Tag zufĂ€llig zur Arbeit begleitet und darum gebeten, mit ihr in den Operationssaal kommen zu dĂŒrfen. 

Dort bat das Kind gegen Ende des Eingriffs darum, mithelfen zu dĂŒrfen. Der angeklagte Chirurg, der das Loch bohren sollte, ließ es nach eigenen Angaben zu, dass das Kind auch eine Hand oder beide HĂ€nde auf den Bohrer legte. Er beharrte jedoch vor Gericht darauf, dass er immer die Kontrolle ĂŒber das GerĂ€t hatte.

Chirurgin berichtete stolz vom Bohrloch der Tochter

Die Mutter hatte danach mehreren Pflegerinnen im Krankenhaus stolz erzĂ€hlt, dass ihre Tochter soeben ihr erstes Bohrloch gesetzt habe. Dies bestĂ€tigten vor Gericht sowohl die Chirurgin als auch mehrere Zeuginnen. Aus Sicht der Richterin war damit aber auch damit nicht bewiesen, dass das Kind selbst den Bohrer gefĂŒhrt habe. Es komme hĂ€ufig vor, dass MĂŒtter die Leistungen ihrer Kinder ĂŒbertrieben darstellten, so die Richterin.

Die Chirurgin entschuldigte sich bei allen Beteiligten dafĂŒr, ihre Tochter zu dem Eingriff mitgenommen zu haben. «Das war der grĂ¶ĂŸte Fehler meines Lebens», sagte die Ärztin, die so wie auch der mitangeklagte Kollege nicht mehr in der Klinik tĂ€tig ist. 

OP-Personal erinnert sich nicht

In dem Prozess wurden auch zwei Operations-Helfer und eine AnÀsthesistin befragt, die direkt im OP-Saal anwesend waren. Doch diese Zeugen sagten aus, dass sie sich gar nicht oder nicht detailliert erinnerten - obwohl sie teilweise selbst am OP-Tisch anwesend waren.

Einem Operations-Helfer, der fĂŒr die Dokumentation des Eingriffs zustĂ€ndig war, war etwa die Anwesenheit des MĂ€dchens ĂŒberhaupt nicht aufgefallen. Chirurgen hĂ€tten immer wieder mal Kollegen oder Studenten zu Operationen mitgenommen, ohne dass dies in den OP-Protokollen vermerkt worden sei, schilderte er die damaligen ZustĂ€nde in der Klinik. Inzwischen seien jedoch strengere Regeln eingefĂŒhrt worden, sagte er.

Patient leidet noch immer

Die SchĂ€delbohrung und die Anwesenheit des Kindes fĂŒhrten laut einem Gutachten bei dem Patienten zu keinen physischen Komplikationen. Doch er mĂŒsse immer wieder daran denken, dass ihn eine ZwölfjĂ€hrige operiert habe, sagte er vor Gericht. «Das macht mich psychisch sehr fertig», sagte der 35-JĂ€hrige, der aufgrund seiner schweren Verletzung keiner Arbeit nachgehen kann.

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