Kinder, Baden-WĂŒrttemberg

Albtraum im Rulantica-Bad: So verschwand die SechsjÀhrige

09.02.2026 - 15:04:55 | dpa.de

Ein MĂ€dchen verschwindet aus dem Freizeitbad Rulantica – erst Stunden spĂ€ter taucht es wieder auf. Was ist damals geschehen? Schon zum Prozessbeginn scheint zumindest klar, wie er ausgehen wird.

  • Das heute sieben Jahre alte MĂ€dchen soll sich gegen den Mann gewehrt haben. - Foto: Martin Oversohl/dpa
    Das heute sieben Jahre alte MĂ€dchen soll sich gegen den Mann gewehrt haben. - Foto: Martin Oversohl/dpa
  • Der angeklagte Mann wurde in seinem Heimatland RumĂ€nien festgenommen.  - Foto: Martin Oversohl/dpa
    Der angeklagte Mann wurde in seinem Heimatland RumÀnien festgenommen. - Foto: Martin Oversohl/dpa
  • Das MĂ€dchen war insgesamt rund zwei Stunden verschwunden. (Archivbild) - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
    Das MĂ€dchen war insgesamt rund zwei Stunden verschwunden. (Archivbild) - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Das heute sieben Jahre alte MÀdchen soll sich gegen den Mann gewehrt haben. - Foto: Martin Oversohl/dpa Der angeklagte Mann wurde in seinem Heimatland RumÀnien festgenommen.  - Foto: Martin Oversohl/dpa Das MÀdchen war insgesamt rund zwei Stunden verschwunden. (Archivbild) - Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Eine alltĂ€gliche Familienszene verwandelt sich in einen Albtraum: Ein Vater steht an einem Sommerabend mit seiner Tochter am Tattoo-Stand im Erlebnisbad Rulantica, die Mutter spielt mit dem jĂŒngeren Kind im Planschbecken nebenan. Nur kurz wendet sich der Vater von der Tochter ab, als sie bei den Kinder-Tattoos an der Reihe ist, er geht wenige Schritte Richtung Planschbecken und schaut immer wieder zurĂŒck. Ein letzter kurzer Blick nach hinten, dann eine Bewegung – das sechs Jahre alte MĂ€dchen ist weg.

Verzweifelt durchsuchen die Eltern Becken, Flure und Umkleiden, wie es ihr Rechtsanwalt nun erzĂ€hlt. Stunden spĂ€ter wird das Kind mehrere Kilometer entfernt gefunden – hilflos, allein, im Wald. Was ist damals geschehen?

«Kann mir nicht erklÀren, wie es dazu kommen konnte» 

Vielleicht bringt die Familie das GestĂ€ndnis des Mannes weiter, dem nun vor dem Freiburger Landgericht unter anderem sexueller Missbrauch vorgeworfen wird. «Ich bereue es sehr, dass das geschehen ist», ließ der 31-JĂ€hrige vor dem Landgericht in Freiburg ĂŒber seinen Anwalt zum Auftakt des Prozesses erklĂ€ren. «Ich kann mir auch nicht erklĂ€ren, wie es dazu kommen konnte.» Der RumĂ€ne soll das Kind laut Anklage am Abend des 9. August aus dem Bad herausgelockt und missbraucht haben.

Sicher scheint schon jetzt: Der Mann wird am Ende des Prozesses zu einer Strafe zwischen mindestens drei Jahren und neun Monaten sowie höchstens vier Jahren und neun Monaten GefÀngnis verurteilt. Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Kammer haben sich nach Angaben des Richters im Fall eines GestÀndnisses auf diesen Strafrahmen verstÀndigt.

Eltern sagen geschĂŒtzt aus

Zu Details und Fragen ĂŒber die wenigen SĂ€tze zum Auftakt will sich der Angeklagte erst spĂ€ter Ă€ußern. Die Eltern des MĂ€dchens sagten zum Schutz des Kindes hinter verschlossenen TĂŒren aus.

Nach Überzeugung der Ermittler nutzte der Mann an jenem Sommerabend den entscheidenden Moment. Laut Staatsanwaltschaft sprach er die SechsjĂ€hrige an und bot ihr an, ein Taxi zu rufen, das sie zu den Eltern bringen könne. Danach fĂŒhrte er das Kind aus dem Bad und in ein nahes Maisfeld.

Zwei Stunden spurlos verschwunden

Dort, so die Staatsanwaltschaft, habe er Kokain geschluckt und das Kind aufgefordert, ebenfalls davon zu nehmen – «um es gefĂŒgig zu machen», wie die StaatsanwĂ€ltin es formuliert. Das Kind habe die Substanz allerdings fallengelassen. «Du bist ĂŒberhaupt kein guter Mann», soll es gesagt haben, als der 31-JĂ€hrige schließlich versuchte, es sexuell zu missbrauchen. Als sich das MĂ€dchen aber immer wieder wehrte, habe der Mann das Kind in ein GebĂŒsch an einer Straße geworfen und die Flucht ergriffen.

Rund zwei Stunden nach seinem Verschwinden wurde das MĂ€dchen schließlich von einem Autofahrer in der Ortschaft Kappel-Grafenhausen entdeckt – erschöpft, leicht verletzt, verĂ€ngstigt, nur mit Bikini und Badeschlappen bekleidet. Hinweise auf eine Vergewaltigung gibt es nach frĂŒheren Angaben der Polizei nicht. Dennoch berichteten Ermittler nach der Tat von einer zutiefst traumatischen Erfahrung fĂŒr das MĂ€dchen.

Zugriff in RumÀnien

Der VerdĂ€chtige war zunĂ€chst untergetaucht und eine Woche spĂ€ter in seiner rumĂ€nischen Heimat festgenommen worden. Deutsche Beamte hatten ihn mit Hilfe von Überwachungsvideos identifiziert, die der Europa-Park als Betreiber des Bads zur VerfĂŒgung gestellt hatte. 

Erst nach Auswertung zahlreicher Aufnahmen und Zeugenaussagen ergab sich die Spur. Bei einer Wohnungsdurchsuchung in RumÀnien fanden Ermittler Kleidung, die der Mann am Tattag getragen haben soll.

Sicherheitsmaßnahmen verschĂ€rft

Der Fall hatte im vergangenen Sommer bundesweit Entsetzen ausgelöst – nicht zuletzt, weil er in einem Umfeld geschah, das fĂŒr viele mit Sommer, Unbeschwertheit und Familie verbunden ist.

Nach der Tat hat der Europa-Park nach eigenen Angaben die Sicherheitsvorkehrungen verschÀrft. «In Rulantica wurde zusÀtzlich eine erweiterte, technische Kontrolle beim Ein- und Auslass umgesetzt», sagte ein Sprecher. Mit einem Armband können BadegÀste das Schwimmbad betreten und verlassen, es kann damit auch bezahlt werden. 

«Optional lassen sich nun mehrere ArmbĂ€nder im Familienverbund koppeln, so dass der Auslass fĂŒr MinderjĂ€hrige nur möglich ist, wenn zuvor ein Erwachsener aus derselben Buchung das Drehkreuz passiert hat», sagte der Sprecher.

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