ARD, ZDF, Deutschlandradio: Rat schlÀgt Umbau vor
18.01.2024 - 13:48:09Ein Expertenrat schlÀgt einen Umbau der Organisationsstruktur im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor. Das soll Kosten einsparen, effizienteres Arbeiten ermöglichen, klarere ZustÀndigkeiten schaffen und die Akzeptanz der HÀuser in der Bevölkerung fördern, wie aus dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Bericht hervorgeht. Das unabhÀngige Gremium arbeitete seit MÀrz 2023 im Auftrag der BundeslÀnder an dem Zukunftsbild. Bindend sind die Empfehlungen nicht. Der Bericht erhöht jetzt den Druck auf Medienpolitiker, Rundfunkreformen voranzutreiben.
An der bisherigen Struktur von drei eigenen Bereichen mit ARD, ZDF und Deutschlandradio hĂ€lt der Rat fest. Eine Fusion der HĂ€user hĂ€lt er fĂŒr falsch, auch zur Struktur von neun ARD-HĂ€usern bekennt sich das Gremium. Der Rundfunkbeitrag, den Haushalte und Firmen zahlen, soll fĂŒr die Finanzierung der HĂ€user auch bestehen bleiben.
Der Rat schlĂ€gt fĂŒr die ARD eine neue Dachorganisation vor, die zentrale Aufgaben und das zentrale Programm steuert - das soll Doppelstrukturen in den neun ARD-HĂ€usern abbauen. Diese sollen sich stĂ€rker auf das Regionale fokussieren und auch BĂŒrgernĂ€he suchen. Der Auftrag der Sender soll geschĂ€rft werden.
Finanzierungssystem soll umgebaut werden
Das Finanzierungssystem mit Rundfunkbeitrag soll bestehen bleiben. Aber es soll so umgebaut werden, dass HĂ€user stĂ€rker darauf achten mĂŒssen, ob sie ihren Auftrag erfĂŒllen. Sanktionen sollen dabei möglich sein. Auch eine Indexierung des Rundfunkbeitrags bringt der Rat ins Spiel. Dieser Vorschlag bedeute zugleich nicht, dass der Rundfunkbeitrag kontinuierlich steigt. Die unabhĂ€ngige Finanzkommission KEF, die den Finanzbedarf regelmĂ€Ăig ĂŒberprĂŒft und die Höhe des Rundfunkbeitrags vorschlĂ€gt, soll bestehen bleiben, aber weiterentwickelt werden. Jede Anstalt erhĂ€lt demnach aus einem Globalhaushalt Geld.
Ob es kĂŒnftig nur eine einzige Mediathek geben sollte, bewertet der Rat nicht. Vorrangig sei es, die Technik zu vereinheitlichen. Dazu soll eine gemeinsame Gesellschaft von ARD, ZDF und Deutschlandradio gegrĂŒndet werden.
Auch die operative Leitung der MedienhĂ€user soll sich verĂ€ndern. Bislang hat der Intendant oder die Intendantin an der Spitze groĂen Einfluss. Der Rat schlĂ€gt fĂŒr eine mögliche ARD-Dachorganisation sowie fĂŒr ZDF und Deutschlandradio jeweils eine kollegiale GeschĂ€ftsleitung vor, um eine «zeitgemĂ€Ăe Managementkultur» zu fördern. Auch in der Senderkontrolle will der Rat neue Gremien etablieren und bisherige Organe ersetzen. Ein Umbau nach diesem Modell könne auch fĂŒr die einzelnen ARD-Landesrundfunkanstalten sinnvoll sein.
Nun trifft sich die Rundfunkkommission der LĂ€nder
Die Vorsitzende des Rats fĂŒr die zukĂŒnftige Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (Zukunftsrat), Julia JĂ€kel, sprach von einem «Kraftakt» der LĂ€nder, der erforderlich sei. Historisch gewachsene Strukturen mĂŒssten angepasst werden. Auf die Frage, wann die Ideen aus Sicht des Rats umgesetzt werden mĂŒssten, sagte JĂ€kel: «Es eilt, schnellstmöglich». Sie sagte auch: «Derzeit stecken die Ăffentlich-Rechtlichen in einer AbwĂ€rtsspirale. Alles geschieht in gewohnten Strukturen.»
Die BundeslĂ€nder sind jetzt am Zug. In der nĂ€chsten Woche wird sich die Rundfunkkommission der LĂ€nder in Bingen zu einer Klausur treffen. Die Koordinatorin der Kommission und rheinland-pfĂ€lzische MedienstaatssekretĂ€rin, Heike Raab (SPD), sprach von einem «Wurf», der vom Rat vorgestellt worden sei. Bei der Klausur werde man die Ăberlegungen mit denen der LĂ€nder ĂŒbereinanderlegen. Die Finanzkommission KEF soll dann ein Sondergutachten erstellen, um herauszufinden, welche genauen Einsparungen der Expertenbericht bringen könnte.
Ihr Rundfunkkommissionskollege und sĂ€chsischer Medienminister Oliver Schenk (CDU) sagte, der öffentlich-rechtliche Rundfunk mĂŒsse digitaler und effizienter werden. Die VorschlĂ€ge des Zukunftsrats seien eine sehr gute Grundlage. «Ich halte sie in Teilen fĂŒr sehr mutig.» Sein Wunsch sei, dass man in der zweiten JahreshĂ€lfte den Entwurf eines neuen Staatsvertrags auf den Weg bringen könnte. In StaatsvertrĂ€gen beschreiben BundeslĂ€nder den Auftrag und die Struktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Brandenburgs StaatssekretĂ€r Benjamin Grimm (SPD), der fĂŒr Medienpolitik zustĂ€ndig ist, teilte mit: «Die VorschlĂ€ge gehen in die richtige Richtung.» Er verwies auch auf die jĂŒngste Reform des Staatsvertrags fĂŒr den ARD-Sender Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), in dem zum Beispiel eine neue kollegiale Leitungsstruktur bereits etabliert worden sei.
Soll der Rundfunkbeitrag noch mal erhöht werden?
Die Reformideen des Rates fallen in eine Zeit, in der politisch ĂŒber die Höhe des Rundfunkbeitrags wieder verstĂ€rkt diskutiert wird. Mehrere MinisterprĂ€sidenten machten noch vor Abschluss des Berechnungsverfahrens der KEF klar, dass sie sich gegen eine Erhöhung ab 2025 stemmen werden. Die KEF wird voraussichtlich im Februar die Beitragshöhe empfehlen. Eigentlich mĂŒssen sich die LĂ€nder eng daran orientieren. Die Höhe können sie nur einstimmig verĂ€ndern. Im GesprĂ€ch ist nach einem vorlĂ€ufigen KEF-Entwurf eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags um 58 Cent auf monatlich 18,94 Euro.
Der Rat gibt in seinem Bericht keine Bewertung zur Beitragshöhe ab. Er beschreibt, dass die VorschlĂ€ge mittelfristig zu signifikanten Einsparungen fĂŒhren. Inwieweit diese zur Absenkung des Beitrags oder zur AuftragserfĂŒllung verwendet werden, mĂŒssten die LĂ€nder dann entscheiden.
Schon seit vielen Jahren berufen sich LĂ€nder und Sender auf ihren Reformwillen und entsprechende Schritte. Zugleich warfen sich LĂ€nder und Sender immer wieder jeweils zu wenig Eigeninitiative vor.
Reaktionen von ARD und ZDF
Der ARD-Vorsitzende und SWR-Intendant, Kai Gniffke, teilte zu den VorschlÀgen mit, der Rat habe den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Erfolgsgeschichte bezeichnet. «In vielen Punkten bestÀrkt uns das im Reformprozess der ARD. Nun sind unsere Auftraggeber, die LÀnder, am Zug.» Die ARD werde ihren Weg der starken regionalen IdentitÀt, der Digitalisierung und Effizienzsteigerung konsequent weitergehen.
ZDF-Intendant Norbert Himmler teilte mit, das ZDF sehe seine Strategie bestĂ€rkt, «mit innovativen Inhalten und einer effizienten Organisation ein nationales Angebot fĂŒr alle Menschen in Deutschland anzubieten». «Die unabhĂ€ngigen Expertinnen und Experten haben sich intensiv mit den bestehenden Strukturen auseinandergesetzt und zeigen bemerkenswerte Perspektiven fĂŒr die Zukunft auf.»


