Polizist mit Waffe von KommissaranwÀrter getötet
28.08.2025 - 12:56:27Der vor einer Woche im Einsatz erschossene Polizist (34) im Saarland ist mit der Dienstwaffe eines KommissaranwĂ€rters getötet worden. Das teilte die Staatsanwaltschaft mit. Demnach soll es dem 18-jĂ€hrigen Beschuldigten im Zuge eines Handgemenges «auf noch nicht hinreichend geklĂ€rte Weise» gelungen sein, die Dienstwaffe des KommissaranwĂ€rters an sich zu nehmen. «Die genauen AblĂ€ufe und UmstĂ€nde, die hierzu gefĂŒhrt haben, sind Gegenstand intensiver Ermittlungen, unter anderem kriminaltechnischer Untersuchungen etwa am Holster», sagte Oberstaatsanwalt Thomas Schardt.Â
Der 34 Jahre alte Polizist hatte nach einem TankstellenĂŒberfall in Völklingen mit einem Kollegen und einem KommissaranwĂ€rter einen 18 Jahre alten VerdĂ€chtigen verfolgt. Nachdem dieser in den Besitz der Waffe gelangt war, soll er unmittelbar das Feuer eröffnet haben. «Nach bisherigem Ermittlungsstand soll zuerst der verstorbene Polizeibeamte getroffen worden und zu Boden gegangen sein.» Unmittelbar danach soll auch der KommissaranwĂ€rter hinten an der Schutzweste getroffen worden und zu Boden gegangen sein. Die Schutzweste habe die Kugel abgefangen, der KommissaranwĂ€rter sei deshalb nur leicht verletzt worden.
Zeuge zog Polizisten aus Gefahrenbereich
Die Videoaufnahme eines Zeugen zeige, dass der KommissaranwĂ€rter von einem Zeugen aus dem Gefahrenbereich gezogen worden sei. AnschlieĂend soll der TĂ€ter auf den bereits am Boden liegenden Beamten geschossen haben, dieser starb spĂ€ter an den schweren Verletzungen.
Der KommissaranwĂ€rter soll nach bisherigen Erkenntnissen den Beschuldigten zuerst erreicht und versucht haben, ihn festzuhalten. Hierauf soll es zu dem Handgemenge gekommen sein. Der VerdĂ€chtige wurde kurze Zeit von zwei SchĂŒssen weiterer herbeigeeilter Polizeibeamter getroffen und festgenommen. Nach den bisherigen Erkenntnissen soll der Beschuldigte bis zur Festnahme alle 17 Patronen aus der Polizeiwaffe abgefeuert haben. Gegen ihn wird wegen des Verdachts des schweren RaubĂŒberfalls, des Mordes und des zweifachen versuchten Mordes ermittelt.
Beschuldigter noch in gesundheitlich kritischem Zustand
Laut Staatsanwaltschaft befindet er sich nach wie vor in kritischem Zustand und in intensivmedizinischer Behandlung in einem Krankenhaus. Es sei nicht absehbar, wann er in eine Justizvollzugsanstalt verlegt werde. Untersuchungen zu einer etwaigen psychoaktiven Beeinflussung durch Alkohol oder andere Rauschmittel seien bisher nicht abgeschlossen. Auch lĂ€gen noch keine belastbaren Erkenntnisse zu etwaigen psychischen Erkrankungen vor.Â
Mitglieder des Innen- und Justizausschusses des Landtages lieĂen sich am Morgen in einer vertraulichen Sitzung ĂŒber den Ermittlungsstand informieren. Innenminister Reinhold Jost (SPD) zeigte sich danach noch immer zutiefst geschockt. «Diese Tat hat auch mich verĂ€ndert. Sie hat mich ins Mark getroffen», sagte er. Nun gehe es darum, «die Trauer einerseits zuzulassen, ohne dabei Erkenntnisse auĂen vorzulassen». Noch seien lĂ€ngst nicht alle Details geklĂ€rt. Man werde jedoch nicht zulassen, dass im Nachgang etwa im Internet Verunglimpfungen des Opfers oder Beleidigungen und Straftaten zum Ausdruck gebracht werden. Diese wĂŒrden konsequent verfolgt.Â
GroĂe SolidaritĂ€t aus der tĂŒrkischen Community
Gleiches gelte, wenn es zu strafbaren Handlungen bei einer fĂŒr Samstag angekĂŒndigten Demonstration aus rechtsextremen Kreisen kommen werde. Bei dem Beschuldigten soll es sich um einen Deutsch-TĂŒrken handeln. «Ich bin mir sicher, die Antwort der Gesellschaft des Saarlandes auf diejenigen, die glauben, daraus parteipolitisches, fremdenfeindliches oder rassistisches Kapital schlagen zu wollen, wird deutlich sein», sagte der Innenminister. «Das Saarland steht in dieser dunklen Zeit zusammen.» Auch aus der tĂŒrkischen und Migranten-Community habe man «eine unglaublich groĂe SolidaritĂ€t und Trauerbekundungen» erhalten. Der tĂŒrkische Generalkonsul habe ihn ebenso angerufen wie Vertreter von Moschee-Gemeinden. «Sie sind genauso getroffen, verstört und traurig und trauern mit uns», sagte Jost.
Der Vorsitzende des Innenausschusses, Patrick Waldraff (CDU), sagte, er habe den Eindruck, dass bei den Ermittlungen sehr professionell vorgegangen werde. Die BrutalitĂ€t und Skrupellosigkeit gegenĂŒber Polizisten habe inzwischen ein AusmaĂ erreicht, das man als Politik, aber auch als Gesellschaft nicht hinnehmen dĂŒrfe. «Kusel, Mannheim und nun Völklingen zeigen, dass wir dringend darĂŒber sprechen mĂŒssen, wie es so weit kommen konnte und was wir tun können, um solche tragischen FĂ€lle in Zukunft zu verhindern.»





