TV-Ausblick, Zum 19. April

Toter im Club - Was den neuen Schwarzwald-«Tatort» ausmacht

19.04.2026 - 04:30:12 | dpa.de

Ein Rocker liegt leblos am Boden, ein VerdÀchtiger schweigt und Polizisten ringen mit sich - sowie um Anstand, Moral und die Wahrheit. Wie löst das Team diesen Fall und lohnt sich das Einschalten?

Ramin Taremi (rechtst, Omid Memar) wird in dem neuen «Tatort: Innere Angelegenheiten» verdÀchtigt. Er ist ein IntensivtÀter, der in diesem Fall aber seine Unschuld beteuert. - Foto: Benoßt Linder/SWR/dpa

Dass da etwas nicht mit rechten Dingen zuging, wird schnell klar. Die Stimmung ist angespannt. Als die Polizistinnen und Polizisten sich unterhalten, fallen SĂ€tze wie: «Wir ziehen das jetzt durch», «Wir haben alles besprochen» und «In der Scheiße, in der wir stecken, halten wir zusammen». Nur einer will offenkundig nicht mitmachen, er muss sich sogar ĂŒbergeben.

Was genau passiert ist, erfĂ€hrt das «Tatort»-Publikum heute nur StĂŒck fĂŒr StĂŒck. Jedenfalls liegt eines Nachts in einem Freiburger Club ein Toter: ein Rocker, mit massiver Gewalt niedergeschlagen. Und einen dringend TatverdĂ€chtigen gibt es auch, der sitzt schon im PrĂ€sidium beim Verhör. 

Doch so einfach ist der Fall nicht, denn da ist ja noch die Gruppe der Bereitschaftspolizei, von der ein Teil ganz klar etwas zu verbergen versucht. Das Erste zeigt die neue Folge «Innere Angelegenheiten» ab 20.15 Uhr.

Welche KrÀfte in Gruppen wirken

24 DrehnĂ€chte haben das Schwarzwald-Team um Schauspielerin Eva Löbau als Kommissarin Franziska Tobler und ihr Kollege Hans-Jochen Wagner alias Kommissar Friedemann Berg vor der Kamera gestanden. Herausgekommen ist ein Film, der in unterschiedlichen Konstellationen GruppengefĂŒge beleuchtet. Wer kann wen beeinflussen, wie bringt man Schweigende zum Reden?

Da sind zum einen die sechs Polizisten und Polizistinnen, die im Grunde zwei verschiedene Sichtweisen vertreten. Ihre BeweggrĂŒnde sind dabei sehr unterschiedlich. Und mitunter wechselt der eine oder andere auch mal seine Position. Spannend ist es, die Diskussionen zu verfolgen. 

Von Charaktertest ist da die Rede, im Kern geht es um Anstand, Moral und nicht zuletzt die Wahrheit. Man hört SĂ€tze wie: «Denk' nach und bau' keinen Scheiß.» Auf Anfragen via Funk reagieren sie hingegen zunĂ€chst nicht. Und das dringend benötigte Protokoll zum nĂ€chtlichen Einsatz lĂ€sst auf sich warten.

TatverdÀchtiger und Opfer hatten Streit 

Zum anderen ist da der VerdĂ€chtige, der in Anwesenheit seiner AnwĂ€ltin von Kommissar Berg verhört wird. Ein IntensivtĂ€ter, der in diesem Fall aber seine Unschuld beteuert und sichtlich damit kĂ€mpft, sich angesichts der VorwĂŒrfe unter Kontrolle zu halten. Dabei spricht vieles gegen ihn - war er doch mit dem Opfer im Clinch und hatte den Mann in einen Nebenraum verfolgt. 

Mangels Indizien oder gar echter Beweise hat es Berg im Disput mit der RechtsanwÀltin aber schwer. Welchen Einfluss allein die Anwesenheit der Frau hat, wird jedoch erst deutlich, als diese in ihr Auto steigt und wegfÀhrt.

Gesichter sprechen BĂ€nde

Kommissarin Tobler wiederum versucht derweil mit einer Kollegin auf der einen Seite eine Gruppe aufgebrachter und rachsĂŒchtiger Rocker aus der Gang des Opfers in Schach zu halten. Auf der anderen stehen die Angehörigen des TatverdĂ€chtigen, deren Verhalten sich auch mit der Zeit Ă€ndert - insbesondere im Hinblick auf ihre Offenheit, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. 

Die Perspektive wechselt folglich: vom Parkplatz, auf dem der Mannschaftswagen der Polizei steht, ĂŒber den Club im schummrig-violetten Licht bis zum kahlen Zimmer auf dem PrĂ€sidium. Die Kamera von Andreas SchĂ€fauer fĂ€hrt immer wieder ĂŒber einzelne Gesichter, die mitunter BĂ€nde sprechen. Das Drehbuch schrieb Bernd Lange, Regie fĂŒhrte Robert Thalheim.

Zur Fall-Lösung werden die Ereignisse nachgestellt

Es ist die 17. Folge des Schwarzwald-«Tatorts». Die zuletzt thematisierte Suspendierung Bergs und die KarriereplÀne von Tobler spielen nur am Rande eine Rolle. Deutlich wird aber das gute VerhÀltnis der beiden zueinander.

Zur Lösung des aktuellen Falls ist vor allem der Konflikt zwischen den Bereitschaftspolizisten und -polizistinnen entscheidend, die als Erste am Ort des Geschehens waren - so viel wird schnell klar. Und auch Kommissarin Tobler steht irgendwann dem Team gegenĂŒber, stellt Fragen, hegt Zweifel.

Aufgelöst wird das Ganze in einer eher ruhigen Sequenz, in der die Ereignisse im Club detailliert nachgestellt werden. Trotz des vielleicht etwas lĂ€nglichen Durchspielens nimmt das dem Film aber nicht die Spannung, wer am Ende nun fĂŒr den Tod des Rockers verantwortlich gewesen ist.

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