Mordversuch, Kind

Mordversuch an Kind mit Quecksilber - Lange Haftstrafen

10.04.2024 - 18:10:20 | dpa.de

Ein Vater aus Springe nahe Hannover soll gemeinsam mit seiner Freundin versucht haben, seine kleine Tochter zu vergiften. Nun wurde das Urteil gesprochen.

Die beiden Angeklagten sind vom Landgericht Hannover zu langen Haftstrafen verurteilt worden. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die beiden Angeklagten sind vom Landgericht Hannover zu langen Haftstrafen verurteilt worden. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Im Prozess um einen Mordversuch mit Quecksilber an einem einjĂ€hrigen MĂ€dchen sind die beiden Angeklagten zu langjĂ€hrigen Haftstrafen verurteilt worden. Ein 30-JĂ€hriger erhielt vor dem Landgericht Hannover eine 13-jĂ€hrige GefĂ€ngnisstrafe wegen versuchten Mordes. Seine mitangeklagte frĂŒhere LebensgefĂ€hrtin (34) muss fĂŒr zwölf Jahre in Haft - ebenfalls wegen versuchten Mordes.

Die beiden Angeklagten hatten den Vorwurf des gemeinschaftlichen versuchten Mordes zunÀchst bestritten. Das Urteil ist noch nicht rechtskrÀftig. Innerhalb von einer Woche kann das Urteil angefochten werden.

Kurz vor Prozessende rĂ€umten die beiden Angeklagten ein, dem einjĂ€hrigen MĂ€dchen am 24. Juli 2023 gemeinsam Quecksilber in den linken Fuß und rechten Knöchel gespritzt zu haben. Laut Anklage wollte sich der Mann mit der Tat an der Mutter des Kindes rĂ€chen, die ihn kurz nach der Geburt des MĂ€dchens verlassen hatte. Der Angeklagte habe die Trennung nicht akzeptieren können, sagte der Richter.

«Das Schwurgericht ist hier davon ĂŒberzeugt, dass beide Angeklagten den Tod des Kindes fĂŒr möglich gehalten haben und auch billigend in Kauf genommen haben», sagte Gerichtssprecher Sebastian Anderski nach der UrteilsverkĂŒndung. Die Kammer sehe keine Anhaltspunkte dafĂŒr, dass die Angeklagten von einem gĂŒnstigeren Ausgang bei einem kleinen Kind ausgegangen wĂ€ren.

Höheres Urteil als von Staatsanwaltschaft gefordert

Das Gerichtsurteil gegen die beiden Angeklagten fiel um jeweils ein Jahr höher aus als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Der Gerichtssprecher begrĂŒndete dies damit, dass der Versuch der beiden Angeklagten absichtlich begangen wurde.

WĂ€hrend der etwa 40-minĂŒtigen UrteilsverkĂŒndung saßen die beiden Angeklagten wenige Meter auseinander, blickten fast durchgĂ€ngig nach unten. Der Mann trug ein weißes Hemd, die Angeklagte eine Kapuzenjacke.

Die beiden Angeklagten haben die Tat Monate im Voraus geplant. Der Richter erzĂ€hlte ausfĂŒhrlich, wie die beiden die Tat geplant haben sollen, von zahlreichen Nachrichten zwischen den beiden war die Rede und frĂŒheren Versuchen, im Internet ein altes Thermometer zu kaufen, um daraus das Quecksilber fĂŒr die Tat zu gewinnen.

Quecksilber kann zu schweren GesundheitsschĂ€den fĂŒhren

Das Schwermetall Quecksilber ist laut Bundesumweltministerium hochgiftig fĂŒr Mensch und Umwelt. Eine hohe ĂŒber lange Zeit auftretende Quecksilberbelastung könne zu schweren GesundheitsschĂ€den fĂŒhren, hierzu gehörten Störungen des Nervensystems, des Immun- sowie des Fortpflanzungssystems.

Der Nebenklage-Anwalt hatte frĂŒher im Prozess die spĂ€ten Teil-GestĂ€ndnisse als «taktisch» bezeichnet, weil ohnehin Chat-VerlĂ€ufe den gemeinsamen Vergiftungsplan bewiesen hĂ€tten. Der 30-JĂ€hrige hatte sich schon Anfang 2023 ĂŒber Erwerbsmöglichkeiten von Quecksilber im Internet informiert.  Im Januar 2023 schaute das Paar die ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst», in der ein Fall mit Quecksilber als Mordwaffe thematisiert wurde. Im Juni 2023 kaufte die LebensgefĂ€hrtin ĂŒber eine Internet-Plattform privat ein mit Quecksilber gefĂŒlltes altes Wandthermometer.

Kleines MĂ€dchen infolge der Injektionen etliche Male operiert

Die Folgen fĂŒr das kleine MĂ€dchen waren verheerend. Sie erlitt nach der Quecksilber-Injektion laut Anklage eine eitrige Infektion im Fuß und Hautausschlag am ganzen Körper. Erst bei dem dritten operativen Eingriff sei das Quecksilber zufĂ€llig gefunden worden. Als SpĂ€tfolgen kommen dem Rechtsanwalt des Kindes zufolge LĂ€hmungen, Sprachstörungen sowie kognitive EinschrĂ€nkungen infrage.

Der Richter sprach von zahlreichen Arztbesuchen des MĂ€dchens, bei denen die Ursache fĂŒr ihre Beschwerde zunĂ€chst nicht gefunden wurde. Infolge der Quecksilber-Injektionen sei das Kind zehnmal operiert worden, sie befinde sich noch immer in Physiotherapie.

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