Toter, Versicherungschef

Toter Versicherungschef - VerdÀchtiger sieht sich als «Held»

11.12.2024 - 13:38:46

Ein VerdĂ€chtiger im Fall der tödlichen SchĂŒsse auf einen US-Versicherungschef sitzt in U-Haft. Die Polizei sieht in einem handgeschriebenen Manifest Hinweise auf ein Motiv - und befĂŒrchtet Nachahmer.

Der VerdĂ€chtige im Fall der tödlichen SchĂŒsse auf den Chef eines US-Versicherungskonzerns sieht sich nach EinschĂ€tzung der Polizei als «Held». Das geht aus einem Bericht der Polizei in New York hervor, der der «New York Times» und dem Sender CNN vorliegt. 

«Er schien die gezielte Tötung des höchsten Unternehmensvertreters als symbolischen Schlag und direkte Aktion gegen die angebliche Korruption und die "Machtspiele" des Unternehmens zu betrachten», zitieren die Medien aus dem Bericht. Sich selbst sehe Luigi M. als eine Art Held, der endlich beschlossen habe, gegen solche Ungerechtigkeiten vorzugehen.

Polizei warnt vor Nachahmern

Die Polizeibeamten hĂ€tten auch die BefĂŒrchtung geĂ€ußert, dass der 26-JĂ€hrige als «MĂ€rtyrer und Vorbild» gefeiert werden und Nachahmer inspirieren könnte. Der Bericht stĂŒtze sich auf ein 262 Worte langes, handgeschriebenes «Manifest», das der Mann bei seiner Festnahme am Montag bei sich gehabt habe. 

Auch ein Notizbuch fanden die Ermittler bei dem Mann, das detaillierte Planungen fĂŒr eine derartige Tat enthĂ€lt. Darin werde unter anderem geplant, zu einer Konferenz zu gehen und einen Chef zu töten, berichteten US-Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise. «Es ist gezielt, prĂ€zise und kein Risiko fĂŒr Unschuldige», wurde daraus zitiert.

Der 26-JÀhrige stammt US-Medien zufolge aus einer wohlhabenden Familie in Baltimore. Er sei auf Privatschulen und eine renommierte UniversitÀt gegangen. Zuletzt habe er aber weniger Kontakt mit Familie und Freunden gehabt.

Widerspruch gegen Auslieferung nach New York

Brian Thompson, der 50 Jahre alte Chef des milliardenschweren US-Versicherers United Healthcare, war am Mittwoch voriger Woche nahe dem New Yorker Times Square aus nĂ€chster NĂ€he niedergeschossen worden und in einem Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben. Die von Überwachungskameras gefilmte Tat und die öffentliche Fahndung nach dem TĂ€ter machten weltweit Schlagzeilen. 

Der SchĂŒtze flĂŒchtete zunĂ€chst auf einem Fahrrad und verschwand dann. Am Montag wurde er im Lokal einer Fast-Food-Kette in der Stadt Altoona im Bundesstaat Pennsylvania aufgespĂŒrt. Ein Mitarbeiter des Lokals, das etwa fĂŒnf Autostunden von New York entfernt liegt, alarmierte die Polizei, nachdem ein Kunde den Mann auf Fahndungsfotos erkannt hatte. Stunden nach der Verhaftung wurde der VerdĂ€chtige in Manhattan unter anderem wegen Mordes angeklagt. Gegen eine Auslieferung nach New York legte er zunĂ€chst Widerspruch ein. 

Wut, Verzweiflung und Frust ĂŒber Versicherungsbranche in den USA

Der Mord an Thompson hatte weltweit fĂŒr Schlagzeilen gesorgt, die USA aufgewĂŒhlt - und Wut und Verzweiflung vieler Amerikaner mit dem US-Gesundheitssystem und der Versicherungsbranche offengelegt. Manche Menschen feierten den TĂ€ter im Internet gar als «RĂ€cher», andere verurteilten den Mord zwar, machten gleichzeitig aber auch ihrem Frust ĂŒber die Versicherungsbranche Luft.

@ dpa.de