Sechs Jahre vermisst - Was gibt es Neues im Fall Rebecca?
21.10.2025 - 14:03:23Seit mehr als sechs Jahren ist Rebecca aus Berlin verschwunden - trotz umfangreicher Suchen, auch in Waldgebieten in Brandenburg. Die Ermittler gehen davon aus, dass die damals 15-JÀhrige getötet wurde. Nun sehen sie einen neuen Ansatz, um Rebecca doch noch zu finden.
Was hat den aktuellen GroĂeinsatz der Polizei ausgelöst?Â
Polizei und Staatsanwaltschaft sprechen davon, dass «nach zwischenzeitlich erlangten Erkenntnissen» Anhaltspunkte dafĂŒr vorliegen, dass der inzwischen 33 Jahre alte HauptverdĂ€chtige Rebecca getötet haben könnte. Die Leiche sowie Rebecca gehörende Dinge könnte er demnach â zumindest vorĂŒbergehend â auf dem GrundstĂŒck seiner GroĂeltern im brandenburgischen Tauche gebracht haben. Bei dem HauptverdĂ€chtigen handelt es sich um Rebeccas Schwager.
Der Fall sei insgesamt noch mal ĂŒberarbeitet worden, erklĂ€rt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Michael Petzold. Dabei habe es neue Erkenntnisse gegeben. Diese reichten aus, um einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss zu bekommen, der zu dem Einsatz auf dem GrundstĂŒck der GroĂeltern des HauptverdĂ€chtigen in Tauche fĂŒhrte.Â
Details nannte der Sprecher aus «ermittlungstaktischen GrĂŒnden» nicht. Ob möglicherweise andere Ermittler den Fall unter die Lupe genommen haben und auf neue Erkenntnisse stieĂen, ist unklar. Dazu machte Petzold keine Angaben.Â
Was geschieht bei dem Einsatz in Tauche?
ZunĂ€chst haben rund 115 Beamte der Polizei und des Bundeskriminalamts das GrundstĂŒck der GroĂmutter des HauptverdĂ€chtigen in der Gemeinde im Landkreis Oder-Spree abgesucht. Die 72-JĂ€hrige war laut Behörden am Montag vor Ort. LeichenspĂŒrhunde, ein Bagger sowie Drohnen und MessgerĂ€te, ein sogenannter Bodenradar, wurden eingesetzt.Â
Am Tag zwei des GroĂeinsatzes stand ein weiteres GrundstĂŒck in Herzberg, einem Ortsteil der Gemeinde Rietz-Neuendorf im Brandenburger Landkreis Oder-Spree, im Fokus. Auf dem etwa einem halben Hektar groĂen GrundstĂŒck sollen die GroĂeltern des 33-JĂ€hrigen bis 2005 gewohnt haben. Der VerdĂ€chtige soll sich dort ausgekannt haben. Erneut waren LeichenspĂŒrhunde im Einsatz. Auch ein angrenzendes WaldgrundstĂŒck wurde abgesucht. Es waren aber nur noch etwa halb so viele Polizisten vor Ort wie am Montag.
Wann verschwand Rebecca und unter welchen UmstĂ€nden?Â
Die damals 15 Jahre alte Rebecca schlĂ€ft in der Nacht zum 18. Februar 2019 bei ihrer Schwester und deren Mann in Britz in Berlin-Neukölln. Von dort aus sollte sie zur Schule gehen.Â
Der damals 27 Jahre alte Schwager war bei einer Feier und kam erst am frĂŒhen Morgen zurĂŒck. Rebeccas Schwester ging frĂŒh zur Arbeit. Als die Mutter anrief, um Rebecca zum Schulbesuch zu wecken, ging niemand ans Telefon. Seitdem fehlt von Rebecca jede Spur.Â
Warum verdĂ€chtigt die Polizei den Schwager?Â
Weil die Mutter Rebecca nicht erreichte an jenem 18. Februar, rief sie den Schwager an. Der Anruf wurde weggedrĂŒckt. Kurz darauf rief der 27-JĂ€hrige zurĂŒck und sagte, Rebecca sei bereits weg. In der Schule kam die Jugendliche nicht an und auch nicht zurĂŒck nach Hause.
Am selben Tag und tags darauf wurde das Auto der Familie auf der Autobahn A12 Richtung Polen mit Hilfe eines Kennzeichenerfassungssystems erfasst - laut Staatsanwaltschaft auch in der NĂ€he von Tauche. AuĂer dem Schwager hatte nach den Ermittlungen niemand Zugriff auf den pinken Twingo.Â
Eine nachvollziehbare ErklĂ€rung fĂŒr die Fahrt gab der Mann nicht ab. Die Polizei verdĂ€chtigte ihn schon frĂŒh. Er wurde am 28. Februar 2019 festgenommen - kam aber schnell wieder frei, weil der Ermittlungsrichter keinen dringenden Tatverdacht feststellen konnte.
Die Staatsanwaltschaft akzeptierte das nicht und erreichte, dass der VerdÀchtige in Untersuchungshaft kam. Nach knapp drei Wochen kam er aber wieder frei. Die Entscheidung sei «im Hinblick auf die gegenwÀrtig bestehende Beweislage vertretbar», erklÀrte die Staatsanwaltschaft damals. Der Schwager blieb aber im Visier der Ermittler.
Was sagt der Schwager?Â
Der Mann bestreitet, Rebecca getötet zu haben. Er gibt an, Rebecca habe das Haus verlassen. Das konnte die Mordkommission anhand der Handydaten nicht feststellen. Sie geht davon aus, «dass Rebecca das Haus des Schwagers nicht lebend verlassen hat», wie die Staatsanwaltschaft mehrfach betonte.
Ob er aktuell erneut von der Polizei befragt wurde, ist unklar. Staatsanwaltschaftssprecher Petzold sagte dazu «aus ermittlungstaktischen GrĂŒnden» keine Angaben. Die Verteidigung des 33-JĂ€hrigen Ă€uĂerte sich nicht auf eine Anfrage. Rebeccas Familie stand immer hinter ihm.
Was wurde unternommen, um Rebecca zu finden?Â
Seit Rebeccas Verschwinden sind bei der Polizei mehr als 3.200 Hinweise bei eingegangen. Dabei wurden im Oktober 2020 und Januar 2021 wurden in Berlin und Brandenburg Knochenfunde gemeldet. Es stellte sich aber heraus, dass sie zu Tieren gehörten. Vor gut fĂŒnf Jahren fanden Jugendliche eine Decke und Knochen bei Kummersdorf in Brandenburg - ebenfalls ohne Bezug zu Rebecca, wie die Untersuchungen ergaben.
Die Polizei hatte seit dem Verschwinden von Rebecca auch Waldgebiete entlang der Autobahn in Richtung Polen abgesucht â nicht aber das GrundstĂŒck der GroĂmutter.
Wie geht es nun weiter?Â
Bis Dienstagnachmittag machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben dazu, ob bei den Durchsuchungen in Tauche mögliche Beweismittel gefunden wurden. Der Einsatz sĂŒdöstlich der Hauptstadt wurde zunĂ€chst beendet. ZunĂ€chst war offen, ob der Einsatz fortgesetzt werden soll.Â
Hinweise erhoffen sich die Ermittler auch noch durch einen Zeugenaufruf zum Auto der Familie, einem pinken Twingo. Sie fragen, wer den Wagen rund um den 18. Februar 2019 im Bereich der A12 Richtung Polen oder Tauche gesehen haben. Dazu soll auch ein Flyer verteilt werden.


