Kampf der Kuppen im Saarland
26.06.2025 - 05:00:43Hoch, höher, hoch hinaus: Im Saarland gibt es einen kuriosen Wettstreit um die Frage, wo die höchste Erhebung liegt. Eine Gemeinde im Norden des kleinen Bundeslandes will Erde anhĂ€ufen, um so ihren durch genauere Messungen verloren gegangenen Titel zurĂŒckzuholen.
Es geht um Weiskirchen. Dort lag mit dem Schimmelkopf jahrzehntelang die höchste natĂŒrliche Erhebung des Saarlandes. 2005 kamen neue, prĂ€zisere Messungen. Ergebnis: Der Schimmelkopf ist 694,8 Meter hoch, der Dollberg bei Nohfelden - wenige Autominuten entfernt - 695,4 Meter. 60 Zentimeter höher.
Ein Unterschied, so klein, dass man ihn nicht spĂŒrt â aber offenkundig groĂ genug, um Weiskirchen zu beschĂ€ftigen. BĂŒrgermeister Stephan Barth jedenfalls will den verlorenen Höhenrekord zurĂŒck und sagte das: «Nicht als Gag, sondern als ernst gemeinte Idee mit touristischem Potenzial.»
Schimmelkopf soll ĂŒber sich hinauswachsen
Die Idee ist einfach: Der Aushub fĂŒr neue Windenergieanlagen in der Region wird nicht abtransportiert, sondern zu einem HĂŒgel aufgeschichtet â naturnah modelliert, begrĂŒnt, vielleicht mit einem Gipfelkreuz, einer Aussichtsplattform, Infotafeln und Selfie-Point. Name: «Dach des Saarlandes».
Klingt nach einem spĂ€ten Aprilscherz, ist aber ernst gemeint. «Es ist ein Alleinstellungsmerkmal fĂŒr Weiskirchen», sagt Barth. Die zustĂ€ndigen Behörden hat der parteilose Politiker bereits im Blick â das Umweltministerium, das Wirtschaftsministerium, die Tourismusförderung.
Die «SaarbrĂŒcker Zeitung» schreibt vom «Gipfelkrieg im Saarland». Nohfelden, die Gemeinde mit dem derzeit höchsten Punkt, reagiert bislang eher gelassen. «SelbstverstĂ€ndlich erwĂ€gen wir nicht, durch kĂŒnstliche AufschĂŒttungen unnötigerweise in die Natur einzugreifen», betont ein Sprecher. Nohfelden freue sich zwar ĂŒber die höchste Stelle des Saarlandes. «Sie hat jedoch keine wirkliche wirtschaftliche oder identitĂ€tsstiftende Bedeutung.»
Wo sich Gipfelhöhen noch verÀndert haben
Dass Gipfelhöhen sich Àndern, ist selten - kommt aber vor: Der höchste Berg des PfÀlzerwalds, Kalmit, «wuchs» 2024 durch eine Vermessung um gut einen Meter auf 673,64 Meter. Grund war, dass zuvor nicht der höchste Punkt erfasst worden war. In Brandenburg galt der Hagelberg bei Belzig lange mit 201 Metern als höchste Erhebung, er wurde jedoch 2004 auf 200,24 Meter korrigiert. Damit verlor er den Titel an den Kutschenberg in Oberspreewald-Lausitz (201 Meter).







