Gekaufte Noten: «Habe immer ein schlechtes Gewissen gehabt»
19.03.2025 - 16:19:27Jahrelang schöpfte niemand Verdacht: Zwischen 2017 und 2021 haben sich mindestens 40 Studierende der UniversitĂ€t Duisburg-Essen bessere Noten «gekauft». DafĂŒr wurde eine ehemalige Sachbearbeiterin geschmiert, die an der Schaltstelle des universitĂ€tseigenen IT-Systems saĂ. Seit Mittwoch steht die 42-JĂ€hrige in Essen vor Gericht. Laut Anklage geht es um 199 Notenmanipulationen und fast 120.000 Euro Bestechungsgeld.
Zum Prozessauftakt hat die Ex-Angestellte ein GestĂ€ndnis abgelegt. «Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen», sagte sie den Richtern des Essener Landgerichts unter TrĂ€nen. «Ich habe dafĂŒr selbst kein VerstĂ€ndnis.» Mitangeklagt ist ein frĂŒherer Student, der den Kontakt zu den Studierenden hergestellt haben soll.
Bis zu 900 Euro fĂŒr eine bestandene PrĂŒfung
Laut Anklage wurden zunĂ€chst 500 Euro verlangt, um die Note 4,0 â und damit ein âBestandenâ â zu erreichen. Wegen der hohen Nachfrage soll der Preis in der Folgezeit jedoch kontinuierlich angehoben worden sein â bis auf 900 Euro. FĂŒr jede weitere Notenanhebung um 0,3 Punkte sollen zuletzt 50 Euro gefordert worden sein.
Das Geld hat der Mitangeklagte nach eigenen Angaben von den Studierenden in einem Umschlag erhalten. Auf einem Zettel soll dabei die gewĂŒnschte Note vermerkt worden sein, die in der Klausur- oder PrĂŒfungsliste verĂ€ndert werden sollte. Diese Informationen leitete der 39-JĂ€hrige an die Sachbearbeiterin weiter.
«Wir konnten unser GlĂŒck kaum fassen»
Die ersten beiden Studenten hĂ€tten schlieĂlich gleich rund 1.500 Euro gezahlt. «Wir konnten unser GlĂŒck kaum fassen», sagte der 39-JĂ€hrige den Richtern. Danach sei es immer weitergegangen. Das Bestechungsgeld wurde angeblich hĂ€lftig geteilt.Â
Von seinem Gesamtanteil will der Ex-Student spÀter unter anderem seine Hochzeit bezahlt haben. Die ehemalige Sachbearbeiterin war nach eigenen Angaben stÀndig in finanziellen Schwierigkeiten: «Ich konnte nicht mit Geld umgehen.»
PrĂŒfungen zum Teil gar nicht abgelegt
Einige der Studierenden hatten laut Anklage gar nicht an den PrĂŒfungen teilgenommen. Trotzdem waren im IT-System unter ihren Namen spĂ€ter Noten eingetragen - bis hin zur 1,0.Â
Nach Bekanntwerden der VorwĂŒrfe waren umfangreiche Ermittlungen angelaufen. Die 42-JĂ€hrige ist im Sommer 2023 aus dem Dienst entlassen worden â nach ĂŒber 20 Jahren.
Studierende bereits verurteilt
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind bereits zahlreiche Strafverfahren wegen Bestechung gegen Studierende abgeschlossen worden, die ihre Noten durch Geldzahlungen verbessert hatten. Sie sollen zu Geld- und BewÀhrungsstrafen verurteilt worden sein.
FĂŒr den aktuellen Prozess haben die Richter am Essener Landgericht noch sechs Verhandlungstage bis zum 30. April vorgesehen.


