BundeshĂŒten, SchĂ€fer

Wettstreit der SchÀfer - «Hauptsache nicht letzter werden»

24.09.2023 - 15:38:51

Einmal im Jahr treffen sich die besten SchĂ€fer Deutschlands, um zu zeigen, wie man am besten eine Schafherde hĂŒtet. Mit dabei: Eine einzige Frau im Starterfeld. Die MĂ€nner interessiert das nicht - aber die Schafe.

Der Weg ist schon ausgetreten, eine Staubwolke steigt auf, als die rund 350 Schafe loslaufen aus dem Pferch. Seit zwei Tagen werden die Tiere von immer neuen SchĂ€fern durch den Parcours gefĂŒhrt. «Du musst aufpassen, die Tiere drĂŒcken Dich, lass sie nicht vor Dich kommen», sagt Florian Hirsch mit bayerischem Akzent. Marie-Kathleen Tigges nickt. Sie ist schon im Tunnel. Sie hat die letzte Startnummer gezogen.

Zehn SchÀfer und eine SchÀferin

Das BundeshĂŒten ist die Deutsche Meisterschaft fĂŒr das SchafehĂŒten. Elf SchĂ€fer sind als Vertreter ihrer BundeslĂ€nder am Wochenende bei Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt angetreten, um zu zeigen, wie sie und ihre Hunde harmonieren. Oder besser gesagt: Zehn SchĂ€fer und eine SchĂ€ferin: Marie-Kathleen Tigges.

«Ich hatte hier bei den Wettbewerben noch nie den Fall, dass ich von anderen SchĂ€fern belĂ€chelt worden bin», sagt die 30-JĂ€hrige aus dem Sauerland. SchĂ€fer seien sowieso ruhigere Menschen, da komme nur mal so ein «Kontaktbrummen». Schwieriger sei es da schon eher mit den Tieren. «Wenn man einen Beruf ausĂŒbt, der sehr mĂ€nnerdominiert ist, dann kann es passieren, dass die Schafe noch nie einer Frau folgen mussten. Schafe kennen die Stimme ihres Herrn.»

Zweimal ist Tigges schon beim BundeshĂŒten angetreten - bisher eher mit mĂ€ĂŸigem Erfolg. «Hauptsache nicht letzter werden», sagt sie. «Ich will es mir auch selbst beweisen.» Die Ehrung sollte noch am Sonntagnachmittag ĂŒber die BĂŒhne gehen.

Hunderte Schafe und viele Aufgaben

Ein SchĂ€fer, zwei Hunde und rund 350 Schafe. Zuerst mĂŒssen sie aus dem Pferch geholt werden, dann geht es ĂŒber einen ausgetretenen Pfad ĂŒber die weite Wiese. Dann grasen in einem kleinen Viereck, weiter den Weg entlang, ĂŒber eine improvisierte BrĂŒcke, grasen in einem weit gesteckten Rechteck, wieder zurĂŒck, vorbei an einem fahrenden Auto. Die Kommandos fliegen ĂŒber die Wiese, die Hunde flitzen um die Herde.

«Es kommt auf das Zusammenspiel zwischen dem SchĂ€fer, seinen Hunden und der Herde an», sagt Mario Wehlitz, Vorsitzender des ausrichtenden Verbands in Sachsen-Anhalt. «Man weiß nie, wie es wird, es kann so viel passieren.»

Mit 16 fĂ€ngt Tigges die Lehre als SchĂ€ferin an. Damals lebt sie noch in Niedersachsen. «Ich hab' mich fĂŒr die SchĂ€ferei entschieden, weil es die natĂŒrlichste Form der Tierhaltung ist», sagt sie. Dazu der Gedanke, Landschaftspflege zu betreiben, wirklich etwas zu tun fĂŒr die Natur. «Außerdem: SchĂ€fer strahlen eine unglaubliche Ruhe aus.» Man mĂŒsse schon sehr mit sich im Reinen sein, wenn man die ganze Zeit allein ist. Das halte auch nicht jeder aus, mit sich und seinen Gedanken. Wobei sie nicht ganz allein ist: Ihre beiden Hunde Bruno und Pepsi hat sie dabei.

Irgendwann will sie hauptberuflich als SchĂ€ferin arbeiten. Es sei ihr Traumberuf, sagt Tigges und denkt an einen Satz, den der Großvater ihres Mannes immer gesagt habe: «Hast Du einmal Schafscheiße am Fuß, dann wirst Du die nicht mehr los.»

@ dpa.de