Wuppertal: Mann wird fĂŒr RAF-Terrorist gehalten
17.02.2024 - 19:56:42SpezialkrĂ€fte der Polizei haben im Wuppertaler Hauptbahnhof einen Mann aus einem Zug geholt und festgenommen, weil ein Augenzeuge ihn fĂŒr einen gesuchten Ex-RAF-Terroristen gehalten hat. Der Verdacht, es handele sich um Ernst-Volker Staub, habe sich aber nicht bestĂ€tigt, teilte die Wuppertaler Polizei mit.
Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass von dem Mann eine mögliche Gefahr ausging, waren SpezialkrĂ€fte ausgerĂŒckt und hatten einen Zug umstellt. Sie nahmen den verdĂ€chtigen Mann und eine Begleiterin zur IdentitĂ€tsfeststellung fest.
«Der anfĂ€ngliche Verdacht zur IdentitĂ€t des Mannes bestĂ€tigte sich nicht», teilte die Polizei anschlieĂend mit. Der Mann und seine Begleiterin seien danach umgehend entlassen worden. Die Sendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst» hatte am Mittwoch einen neuen Fahndungsaufruf nach drei nach wie vor gesuchten Ex-RAF-Terroristen gestartet.
Einsatz löste Störungen aus
Die Polizei hatte fĂŒr die Festnahme den Wuppertaler Hauptbahnhof komplett gesperrt. ZunĂ€chst hatte es geheiĂen, Grund sei eine «Sicherheitsstörung im Gleis». In einem der betroffenen ZĂŒge war durchgesagt worden, es sei ein Sprengsatz gefunden worden. Das hatte die Polizei aber nicht bestĂ€tigt.
Im Bahnverkehr kam es zu VerspĂ€tungen, betroffen war die Strecke zwischen Hagen und Köln beziehungsweise DĂŒsseldorf. Mehrere FernzĂŒge waren von der Störung betroffen, der Bahnverkehr wurde umgeleitet.
Nach der Sendung «Aktenzeichen XY... Ungelöst» erhielten die Ermittler bisher ĂŒber 160 Hinweise zu den drei frĂŒheren Mitgliedern der Rote-Armee-Fraktion (RAF), wie die Staatsanwaltschaft Verden am Donnerstag mitgeteilt hatte. Diese Hinweise werde das Landeskriminalamt Niedersachsen nun auswerten.
Der RAF-Fall
Den Beschuldigten Ernst-Volker Staub, Daniela Marie Luise Klette und Burkhard Garweg werden unter anderem versuchter Mord sowie eine Serie von schweren RaubĂŒberfĂ€llen vorgeworfen. Die drei tauchten bereits in den 1990er Jahren unter. DNA-Spuren brachten die Ermittler darauf, dass die drei fĂŒr RaubĂŒberfĂ€lle auf Geldtransporte und SupermĂ€rkte im Zeitraum zwischen 1999 und 2016 verantwortlich sein könnten.
Tatorte waren unter anderem OsnabrĂŒck, Wolfsburg und Stuhr in Niedersachsen sowie Hagen und Bochum-Wattenscheid in Nordrhein-Westfalen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die ĂberfĂ€lle nicht politisch motiviert waren. Die Beschuldigten sollen die Taten begangen haben, um an Geld zu kommen.
Die linksextremistische Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) galt in der Bundesrepublik ĂŒber Jahrzehnte als Inbegriff von Terror und Mord. Insgesamt ermordete die RAF mehr als 30 Menschen, mehr als 200 wurden verletzt. Opfer waren unter anderem Generalbundesanwalt Siegfried Buback, Dresdner-Bank-Chef JĂŒrgen Ponto und ArbeitgeberprĂ€sident Hanns Martin Schleyer. Die RAF löste sich 1998 auf.
Staub, Klette und Garweg werden der sogenannten dritten RAF-Generation zugeordnet. Vertreter der Generation sollen den damaligen Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, und den Treuhand-Chef, Detlev Karsten Rohwedder, umgebracht haben.


