Angeklagter, Mordprozess

Angeklagter in Mordprozess: «Ich war wie von Sinnen»

11.12.2024 - 15:23:27 | dpa.de

Eltern wollen die gescheiterte Beziehung ihrer Kinder kitten. Am Ende ist der Vater des Schwiegersohns tot und ein Ehepaar steht unter Mordverdacht. Im Prozess nimmt der Mann alles auf sich.

  • Am Landgericht Karlsruhe wird wegen des mutmaßlichen Mordes an einem 63-JĂ€hrigen verhandelt. (Archivbild) - Foto: Uli Deck/dpa
    Am Landgericht Karlsruhe wird wegen des mutmaßlichen Mordes an einem 63-JĂ€hrigen verhandelt. (Archivbild) - Foto: Uli Deck/dpa
  • Angeklagt ist auch die Partnerin des nun gestĂ€ndigen Mannes.  - Foto: Uwe Anspach/dpa
    Angeklagt ist auch die Partnerin des nun gestÀndigen Mannes. - Foto: Uwe Anspach/dpa
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Überraschende ErklĂ€rung zum Auftakt: Im Mordprozess gegen ein Ehepaar aus Pfinztal bei Karlsruhe hat der Mann die Tat gestanden. Er habe den Vater seines Schwiegersohns Anfang des Jahres getötet, weil er von diesem bei einem Treffen im Wald bedroht und angriffen worden sei. 

In einer ErklĂ€rung, die er durch seinen Anwalt vor dem Karlsruher Landgericht verlesen ließ, bedauerte der 51 Jahre alte Angeklagte die Tat und sagte: «Ich war wie von Sinnen.» Hintergrund seien Auseinandersetzungen um die Trennung ihrer Kinder gewesen.

46 Stiche und Schnitte 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 51-JĂ€hrigen und seiner 45 Jahre alten Frau vor, ihr Opfer am 1. Februar 2024 in einem WaldstĂŒck bei Kleinsteinbach östlich von Karlsruhe zunĂ€chst mit Pfefferspray kampfunfĂ€hig gemacht zu haben. Dann hĂ€tten sie den 63-JĂ€hrigen mit einem Klappmesser massiv attackiert und durch 46 Stiche und Schnitte getötet. 

Ein SpaziergĂ€nger hatte die Leiche des 63-JĂ€hrigen neben seinem Fahrzeug im Wald entdeckt. Rund zwei Wochen spĂ€ter wurde das verdĂ€chtige Ehepaar am Flughafen Straßburg festgenommen. 

Vater nimmt Tat auf sich

In der ausfĂŒhrlichen ErklĂ€rung zum Prozessauftakt nahm der angeklagte Ehemann die Tat ganz auf sich. «Ich habe schwer gesĂŒndigt», sagte er. Er bereue die Tat zutiefst und entschuldigte sich bei dem frĂŒheren Schwiegersohn, der inzwischen von seiner Tochter geschieden ist. «Ich allein trage die Verantwortung fĂŒr das Geschehen.» 

Zu dem Treffen im Wald sei er zwar mit seiner Frau gefahren. Sie habe aber im Auto gesessen und nichts vom Geschehen mitbekommen. Das GesprĂ€ch zwischen den beiden VĂ€tern im Auto des spĂ€teren Opfers sei schnell eskaliert. Nachdem der 63-JĂ€hrige ihn bedroht, geschlagen und die Veröffentlichung eines diskreditierenden Videos von seiner Tochter angekĂŒndigt habe, habe er die Kontrolle verloren, so der 51-JĂ€hrige. Er habe den anderen mit Pfefferspray besprĂŒht und mehrmals auf ihn eingestochen.

Tochter hatte sich vom Mann getrennt 

Die Tochter des angeklagten Ehepaars hatte sich im November 2023 nach kurzer Ehe von dem Sohn des getöteten 63-JĂ€hrigen endgĂŒltig getrennt. Nach Angaben ihres Vaters gab es wiederholt Streitereien, ihr Mann habe sie geschlagen. Sie habe Angst vor ihrem Mann und auch vor dem Schwiegervater gehabt. Letzterer habe sie mit dem Tod bedroht, wenn sie nicht zu seinem Sohn zurĂŒckkomme.

Dem 26-jĂ€hrigen Sohn des Getöteten zufolge gab es in der jungen Ehe schon frĂŒh Streit, weil seine frisch Angetraute ihm vorgeworfen habe, fremdzugehen. Auch habe er sich nicht so von ihrer Familie vereinnahmen lassen wollen. Es habe immer wieder Auseinandersetzungen und auch gegenseitige Handgreiflichkeiten gegeben. Besonders ihre Mutter und sein Vater hĂ€tten gewollt, dass sie wieder zusammenkĂ€men. 

Streit um Gold

Es habe auch Ärger wegen des Goldschmucks gegeben, den seine Frau zur Hochzeit bekommen habe. Sie habe das Gold «nicht herausgegeben». Es gehöre zwar nach der Tradition ihrer tĂŒrkischstĂ€mmigen Familien zur Absicherung der Braut. Beide hĂ€tten aber vereinbart, es bei einer Trennung zu teilen, sagte der 26-JĂ€hrige, der im Prozess auch als NebenklĂ€ger auftritt.

Die Große Strafkammer hat zehn weitere Verhandlungstermine angesetzt. Ein Urteil könnte das Schwurgericht demnach Ende Februar sprechen. Die Kammer hat 14 Zeugen und drei SachverstĂ€ndige geladen. Der nĂ€chste Verhandlungstag ist am 18. Dezember.

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