Fassungslos, Unfallfahrer

«Fassungslos und tief betroffen» - Unfallfahrer Ă€ußert sich

04.05.2025 - 14:50:49

Er ist auf freiem Fuß, doch wegen fahrlĂ€ssiger Tötung unter Verdacht. WĂ€hrend die direkten Spuren des Unfalls in Stuttgart verblassen, werden sie ihn, Opfer und Angehörige ein Leben lang begleiten.

  • Am Unfallort lag auch ein zusammengeklappter Kinderwagen. - Foto: Marco Krefting/dpa

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  • Die Unfallstelle ist abgesichert.  - Foto: Bernd Weißbrod/dpa

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  • Der Vorfall ereignete sich an der Stadtbahn-Haltestelle Olgaeck am Rande der Innenstadt. - Foto: Andreas Rosar/dpa

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Am Unfallort lag auch ein zusammengeklappter Kinderwagen. - Foto: Marco Krefting/dpaDie Unfallstelle ist abgesichert.  - Foto: Bernd Weißbrod/dpaDer Vorfall ereignete sich an der Stadtbahn-Haltestelle Olgaeck am Rande der Innenstadt. - Foto: Andreas Rosar/dpa

Zutiefst bedauert er das Geschehen. So lĂ€sst der Autofahrer, der in Stuttgart einen Unfall mit einer Toten und sieben Verletzten verursacht hat, es seinen Anwalt ausrichten. «Mein Mandant ist erschĂŒttert, fassungslos und tief betroffen von diesem entsetzlichen Unfall und seinen tragischen Folgen», teilt Ben M. Irle auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen fahrlĂ€ssiger Tötung sowie fahrlĂ€ssiger Körperverletzung in sieben FĂ€llen. Eine 46 Jahre alte Frau war am Freitagabend ums Leben gekommen, als der schwarze Luxus-GelĂ€ndewagen des 42-JĂ€hrigen in eine Menschengruppe an einer Stadtbahn-Haltestelle fuhr. Sieben weitere Personen wurden verletzt. Unter ihnen sind fĂŒnf Kinder. 

Im Unfallauto - eine Mercedes-G-Klasse - saß nach Angaben der Polizei auch ein fĂŒnfjĂ€hriges Kind des Fahrers. Es sei wie sein Vater unverletzt geblieben.

Keine GrĂŒnde fĂŒr U-Haft

Der nicht vorbestrafte TatverdĂ€chtige wird festgenommen, bleibt ĂŒber Nacht in Polizeigewahrsam, darf am Samstag aber wieder gehen. Der Deutsche kommt nicht in Untersuchungshaft. Es lĂ€gen keine HaftgrĂŒnde vor, erklĂ€rt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Dazu zĂ€hlt zum Beispiel Fluchtgefahr.

«In dem Wissen, dass seine Worte den Schmerz der Betroffenen und deren Angehörigen nicht werden lindern können, spricht mein Mandant sein aufrichtiges MitgefĂŒhl aus und wĂŒnscht den Verletzten eine schnelle und vollstĂ€ndige Genesung», teilt Irle mit, der den 42-JĂ€hrigen medienrechtlich vertritt. «Mein Mandant bedauert das Geschehen zutiefst.» Der Familie der 46-JĂ€hrigen spreche sein Mandant sein tief empfundenes Beileid aus. «Ihr Tod ist auch fĂŒr ihn ein unertrĂ€glicher Verlust, der ihn zeitlebens begleiten wird.»

An der Unfallstelle in der Innenstadt haben Menschen unter anderem Blumen niedergelegt. Rot-weiße Absperrgitter aus Kunststoff sĂ€umen jene Stelle, an der am Freitag Menschen nichtsahnend an einer Ampel standen. Zwei schwerst Verletzte sind am Samstagmorgen außer Lebensgefahr. 

Ermittlungen zum Geschehen dauern an

Unklar bleibt bis auf weiteres der Unfallhergang. In einer Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft am Samstagnachmittag heißt es, das Auto sei stadtauswĂ€rts auf der zweispurigen Bundesstraße unterwegs gewesen, aus bislang unbekannter Ursache nach links von der Fahrbahn abgekommen und gegen das GelĂ€nder eines FußgĂ€ngerĂŒberwegs an der Haltestelle geprallt. 

Das könnte nicht zur ersten EinschÀtzung passen, dass der Unfall beim Abbiegen passierte. Es gebe unterschiedliche Aussagen, sagt eine Sprecherin der Polizei. Der Staatsanwalt verweist auf die Formulierung in der Mitteilung. 

Der Anwalt des Fahrers wiederum Ă€ußert sich nicht dazu: «Zum tatsĂ€chlichen Geschehen können wir zum gegenwĂ€rtigen Zeitpunkt keine Angaben machen, da die Ermittlungen zum Unfallhergang noch andauern», schreibt Irle.

Unter der Internetadresse bw.hinweisportal.de hat die Verkehrspolizei Stuttgart ein Hinweisportal geschaltet. Zeugen werden gebeten, Bilder und Videos hochzuladen, insbesondere aus der Zeit unmittelbar vor dem Unfall. 

Welche Rolle spielt der Fahrzeugtyp?

Eine weitere Ursache fĂŒr die Zahl an Verletzten könnte auch in der Wucht liegen, die große, schwere Fahrzeuge wie GelĂ€ndewagen oder SUV (Sports Utility Vehicle: GelĂ€ndelimousine oder StadtgelĂ€ndewagen) mit sich bringen.

Gerade in der Region Stuttgart sind die Erinnerungen noch recht frisch an einen solchen Unfall: Im Oktober war ein Fahrer im benachbarten Esslingen mit einem SUV ins Schleudern geraten und nach rechts auf den Gehweg abgekommen. Eine Mutter und ihre drei und sechs Jahre alten Söhne kamen ums Leben.

2019 sorgte ein Unfall in Berlin fĂŒr eine Debatte ĂŒber ein SUV-Verbot in InnenstĂ€dten: Nach einem epileptischen Anfall rammte ein Fahrer eine Ampel, der Wagen ĂŒberschlug sich mehrfach. Dabei erfasste er mit einem Tempo von mehr als 100 Kilometern pro Stunde vier Menschen auf dem Gehweg. 

Viele Faktoren beeinflussen Verletzungsgefahr

Doch statistisch sterben nur wenige FußgĂ€nger wegen derartiger UnfĂ€lle. Im Jahr 2023 erfasste das Statistische Bundesamt 159.118 VerkehrsunfĂ€lle mit Personenschaden, bei denen das Fahrzeug in ein Segment eingeordnet wurde. 15.285 Mal waren SUV Hauptverursacher, 8.885 Mal GelĂ€ndewagen. 

Der Anteil der FußgĂ€nger unter den Getöteten war gering: Unter 121 Toten nach von SUV verursachten UnfĂ€llen waren 7, bei GelĂ€ndewagen waren es 8 von 81.

SUV seien im Unfallgeschehen auch nicht gefĂ€hrlicher als andere Pkw, teilte die Björn-Steiger-Stiftung nach Auswertung statistischer Daten im Dezember mit. «GrundsĂ€tzlich beeinflussen viele Parameter die reale Verletzungsgefahr. Eine hohe Front ist nicht unbedingt gefĂ€hrlicher als eine kurze Front bei einem Kleinwagen», erklĂ€rte Siegfried Brockmann, Unfallforscher der Stiftung, die nach dem Tod eines Jungen infolge eines Autounfalls gegrĂŒndet worden war.

Wie schwer sich ein Opfer verletzt, hĂ€ngt demzufolge maßgeblich mit davon ab, ob der Kopf gegen den Scheibenrahmen prallt. Dies sei das hĂ€rteste Teil am Fahrzeug. Gar nicht vorherzusehen sei der sogenannte SekundĂ€raufprall, hieß es. Gemeint ist die Kollision mit einem Hindernis oder der FahrbahnoberflĂ€che.

Keine Hinweise auf Anschlag

Neben all dem Leid und Schmerz, die der Unfall in Stuttgart verursacht hat, machte sich aber auch ein StĂŒck weit Erleichterung breit: Denn Hinweise auf einen Anschlag mit böswilliger Absicht gab und gibt es nach wie vor nicht. 

Sofort waren am Freitagabend entsprechende Vermutungen da - und die GerĂŒchte. Zu frisch sind die Erinnerungen an Mannheim, MĂŒnchen, Magdeburg.

@ dpa.de