Buch, Plagiat

Buch gefÀlscht, um Plagiat vorzuwerfen? Prozess vor dem Ende

26.02.2025 - 04:30:42

Er soll ein wissenschaftliches Buch gefÀlscht haben, um einen Rechtsmediziner als Plagiator zu diskreditieren. Nun geht der Prozess gegen den 70-JÀhrigen auf die Zielgerade.

Gehörte ein im Ausland aufwendig gefĂ€lschter wissenschaftlicher Aufsatz zu einem perfiden Racheplan? Vor dem MĂŒnchner Amtsgericht könnte heute ein bemerkenswerter Prozess zu Ende gehen. Geplant ist das PlĂ€doyer der Verteidigung - danach stĂŒnde dann nur noch das Urteil aus.

Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten in ihren PlĂ€doyers zwei Jahre und zehn Monate Haft fĂŒr den Mann gefordert, der versucht haben soll, den Leiter der MĂŒnchner Rechtsmedizin mit einem aufwendig gefĂ€lschten Plagiat zu diskreditieren. DafĂŒr soll er Helfer in Pakistan angeheuert haben, die einen Beitrag in einem Band zu einem rumĂ€nischen Kongress gefĂ€lscht haben sollen. Die danach erhobenen PlagiatsvorwĂŒrfe sollten den Leiter des rechtsmedizinischen Instituts der MĂŒnchner Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t, Matthias Graw, treffen, so der Vorwurf.

Dem Angeklagten werden unter anderem UrkundenfÀlschung, Verleumdung und Betrug vorgeworfen. Bei einer Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren ist eine Aussetzung zur BewÀhrung nicht mehr möglich. 

Das Urteil hatte sich mehrfach verzögert. Eigentlich hatte das Gericht es schon am 6. Februar sprechen wollen, was aber wegen eines noch offenen Befangenheitsantrages gegen den Richter zunĂ€chst nicht möglich war. Auch beim Ausweichtermin am 18. Februar kam e nicht zur UrteilsverkĂŒndung. Die Verhandlung wurde wegen Krankheit des Richters kurzfristig abgesagt. Über den Befangenheitsantrag wurde bislang noch nicht entschieden. 

StaatsanwĂ€ltin: «heimtĂŒckische Machenschaften»

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 70-JĂ€hrige «mit unvergleichlicher krimineller Energie» eine Intrige gegen den Rechtsmediziner gesponnen hatte. Die StaatsanwĂ€ltin sprach in ihrem PlĂ€doyer von «hinterhĂ€ltigen, heimtĂŒckischen Machenschaften», deren Ziel es gewesen sei, «die Existenz des GeschĂ€digten restlos zu vernichten». 

Die VorwĂŒrfe gegen den Angeklagten hĂ€lt die Staatsanwaltschaft durch den Prozess «in vollem Umfang fĂŒr bestĂ€tigt». Der Tatvorwurf sei «glasklar nachzuweisen». 

Vorwurf: Wissenschaftlichen Sammelband gefÀlscht

Laut Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte von Ghostwritern ein Buch verfassen lassen, das so wirken sollte, als handle es sich tatsĂ€chlich um einen wissenschaftlichen Sammelband aus den 1980er Jahren zu einem Medizinerkongress in RumĂ€nien. Darin seien gezielt Passagen aus der Doktorarbeit des Rechtsmediziners eingebaut worden. So habe der Eindruck entstehen sollen, Graw habe fĂŒr seine Dissertation abgeschrieben. 

Eigens gedruckte Exemplare des Bandes ließ der Angeklagte - selbst TrĂ€ger zweier Doktortitel - den Ermittlungen zufolge dann auf einer Auktionsplattform im Internet versteigern. Zudem soll er PlagiatsjĂ€ger beauftragt haben, die er explizit auf das Buch hinwies. Diese gingen am Ende mit ihren Ergebnissen eines vermeintlichen Plagiatsskandals an die Öffentlichkeit und informierten die UniversitĂ€t Hamburg, die ein PrĂŒfverfahren einleitete.

Rache als Motiv?

Als Motiv des Angeklagten vermutet die Staatsanwaltschaft Rache. Er habe sich am Rechtsmedizinischen Institut dafĂŒr rĂ€chen wollen, dass seine Mutter nach ihrem Tod im Jahr 2020 gegen seinen Willen obduziert worden war. Die Staatsanwaltschaft hatte damals Ermittlungen aufgenommen, um zu klĂ€ren, woran die Frau gestorben war. Diese Ermittlungen wurden nach Angaben einer Sprecherin der Behörde allerdings schon 2021 eingestellt.

Die beiden AnwĂ€lte des Angeklagten hatten in einigen ihrer zahlreichen AntrĂ€ge die Vermutung nahegelegt, dass es sich bei dem fraglichen Buch um den Nachdruck eines tatsĂ€chlich existierenden Buches handeln könnte. Schließlich sei nur eine Zahlung von 3.500 Euro nachgewiesen - und das sei fĂŒr eine solch aufwendige FĂ€lschung doch etwas wenig.

@ dpa.de