Niederlande, Geiselnahme

Niederlande: Geiselnahme nach Party in Café

30.03.2024 - 17:25:13

Erst Party, dann Panik. Ein Geiselnehmer droht mit Sprengstoff. Die Polizei reagiert prompt. Hunderte Menschen werden in Sicherheit gebracht. Bis zur Entwarnung vergehen bange Stunden.

Nach einer ausgelassenen Feier in einem Café im niederlÀndischen Ede hat ein 28-jÀhriger Mann vier Mitarbeiter des Lokals als Geiseln genommen. Schwer bewaffnete Polizisten beziehen daraufhin in der Stadt knapp 30 Autominuten von der deutschen Grenze entfernt Stellung.

Über Stunden hĂ€lt der Mann die Mitarbeiter fest und bedroht sie mit Messern. Lange ist die Lage unklar - bis die ersten Geiseln freigelassen werden. Dann wieder Minuten der Ungewissheit fĂŒr die EinsatzkrĂ€fte. Schließlich gibt der Geiselnehmer auf. Aufatmen vor den Feiertagen. Die HintergrĂŒnde der Tat sind noch völlig unklar.

Auf Videos und Bildern ist zu sehen, wie der maskierte Mann mit erhobenen HĂ€nden das GebĂ€ude verlĂ€sst und abgefĂŒhrt wird. Laut Staatsanwaltschaft ist er der Polizei bekannt: Der Mann aus Ede war im vergangenen Jahr bereits wegen einer «Bedrohung» verurteilt worden. Einzelheiten dazu wurden nicht genannt.

Ermittler: Kein Terror

OberstaatsanwĂ€ltin Marthyne Kunst sagt, der TatverdĂ€chtige habe nach dem Ende der Ü-16-Party die vier Mitarbeiter des Lokals mit Messern bedroht. Sie seien gerade dabei gewesen, nach der Party alles aufzurĂ€umen. Der Mann hat zudem einen schwarzen Rucksack dabei und drohte mit Sprengstoff. Ein Sprengstoffroboter gibt spĂ€ter Entwarnung.

Noch unbekannt ist das Motiv des Mannes. «Dazu werden wir nun ausfĂŒhrliche Ermittlungen anstellen, ebenso wie zur geistigen Verfassung des TatverdĂ€chtigen», sagt die OberstaatsanwĂ€ltin. Von einem terroristischen Motiv gehen die Ermittler allerdings nicht aus. Zuletzt gab es wiederholt Warnungen vor AnschlĂ€gen in Europa.

Die Polizei verfolgte das Geschehen am Tatort teilweise live ĂŒber eine Video-App. Eine Kamera des CafĂ©s habe Bilder auf das Mobiltelefon des Restaurantbesitzers ĂŒbertragen. Einen entsprechenden Bericht der Zeitung «De Telegraaf» bestĂ€tigte BĂŒrgermeister RenĂ© Verhulst im Fernsehsender NOS.

GroßrĂ€umige Evakuierung

«Wir waren innerhalb von zwei Minuten vor Ort, die Lage schien sehr ernst zu sein», berichtet Anne Jan Oosterheert, der Einsatzleiter der Polizei. «Es war die Rede von Sprengstoff, und es waren Messer gesehen worden.» Angesichts dieser schwer einschĂ€tzbaren Bedrohungslage sei ein Großeinsatz mit allen zur VerfĂŒgung stehenden KrĂ€ften in Gang gesetzt worden, darunter eine schwer bewaffnete Spezialeinheit.

Der Zugverkehr zum Bahnhof von Ede steht still. Hunderte Menschen werden aus ihren Wohnungen in der Umgebung des Tatorts geholt und in Sicherheit gebracht. Das ganze Gebiet wird großrĂ€umig abgeriegelt. In den sozialen Netzwerken ĂŒberschlagen sich wĂ€hrend des Einsatzes die Spekulationen und GerĂŒchte. Die Hoffnung auf einen guten Ausgang der Geiselnahme wird erst am Mittag erfĂŒllt.

MinisterprĂ€sident Mark Rutte spricht den EinsatzkrĂ€ften und Hilfsdiensten spĂ€ter ausdrĂŒcklich seinen Dank fĂŒr die professionelle BewĂ€ltigung der Krise aus. BĂŒrgermeister RenĂ© Verhulst spricht von einer «schrecklichen Situation» fĂŒr die Betroffenen wĂ€hrend der Geiselnahme. Und er richtet einen Appell an die Einwohner: Mit RĂŒcksicht auf die Geiseln und deren Angehörige sollten solche Aufnahmen nicht in sozialen Netzwerken geteilt werden.

@ dpa.de