Kanaren, Teneriffa

BrÀnde in Europa und Kanada halten Zehntausende in Atem

20.08.2023 - 21:05:27

Es brennt derzeit auf Teneriffa, in Griechenland und Kanada lichterloh. Die Tragödie auf Hawaii ist noch vielen frisch in Erinnerung.

  • Der Waldbrand auf der Kanaren-Insel Teneriffa geht wohl auf Brandstiftung zurĂŒck. - Foto: Arturo Rodriguez/AP/dpa

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  • WaldbrĂ€nde in der NĂ€he des Downton Lake im sĂŒdlichen Teil von British Columbia. - Foto: -/XinHua/dpa

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  • Ein verbranntes GebĂ€ude in der NĂ€he der nordöstlichen griechischen Stadt Alexandroupolis. - Foto: Ilias Kotsireas/InTime News/AP/dpa

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Der Waldbrand auf der Kanaren-Insel Teneriffa geht wohl auf Brandstiftung zurĂŒck. - Foto: Arturo Rodriguez/AP/dpaWaldbrĂ€nde in der NĂ€he des Downton Lake im sĂŒdlichen Teil von British Columbia. - Foto: -/XinHua/dpaEin verbranntes GebĂ€ude in der NĂ€he der nordöstlichen griechischen Stadt Alexandroupolis. - Foto: Ilias Kotsireas/InTime News/AP/dpa

Menschen mit angsterfĂŒllten Augen und wenigem Hab und Gut, die aus ihren HĂ€usern fliehen. Himmel, die vom dunklen Rauch tagelang verdeckt sind. Flammen, die sich den bewohnten Gebieten immer nĂ€her fressen. Gluthitze, erstickende Luft und heulende Feuerwehrsirenen.

Zwei Wochen nach den verheerenden WaldbrÀnden auf Hawaii mit mindestens 114 Todesopfern halten Feuer vielerorts wieder Zehntausende in Atem. Am Sonntag brannte es vor allem auf der bei Urlaubern beliebten Kanaren-Insel Teneriffa, in Griechenland und in mehreren Provinzen Kanadas weiter lichterloh.

Bislang gibt es nirgendwo Berichte ĂŒber Tote. Das Leiden ist aber riesig. Etwa auf Teneriffa: «Wir sind in Panik geraten (...) das ist fĂŒr uns Canarios eine Katastrophe», erzĂ€hlte Rentner Antonio JimĂ©nez der regionalen Digitalzeitung «CanariasAhora». Der 65-JĂ€hrige und seine Frau blieben trotz aller quĂ€lenden Angst die ersten NĂ€chte nach Ausbruch des Feuers am Dienstagabend bei ihren Tieren - bis sie am Wochenende ihre Finca doch verließen. Eine andere ebenfalls evakuierte Frau sagte im TV: «Es ist zum Heulen.»

Brandstiftung als Ursache

Auf Teneriffa erfassten die Flammen schon 11.600 Hektar Natur. Das entspricht der FlĂ€che von gut 16.000 Fußballfeldern - oder fast sechs Prozent des Territoriums der spanischen Atlantik-Insel. Die Polizei sieht Brandstiftung als Ursache inzwischen als erwiesen an. Nach amtlicher SchĂ€tzung waren es bis Sonntag ĂŒber 12.000 Menschen, die dem Evakuierungsaufruf der Behörden in den betroffenen Gebieten im Norden und Nordosten folgten.

Genau weiß man es aber nicht, denn die große Mehrheit geht nicht zu den eigens vor allem in Turnhallen eingerichteten NotunterkĂŒnften, sondern zu Freunden und Verwandten. In den touristischen Gebieten herrsche derweil NormalitĂ€t, hieß es.

Der kanarische Regierungschef Fernando Clavijo sprach von einem der schlimmsten BrÀnde auf der Insel in den vergangenen 40 Jahren. Bei der BrandbekÀmpfung werden bis zu 300 EinsatzkrÀfte gleichzeitig sowie 24 Löschflugzeuge und Hubschrauber eingesetzt. Das schwer zugÀngliche GelÀnde, die widrigen Wetterbedingungen mit extremer Trockenheit, Hitze von bis zu 34 Grad und starken Winden sowie die starke Rauchentwicklung erschwerten die Löscharbeiten.

BrÀnde in Griechenland

Im Ă€ußersten Nordosten Griechenlands konnten unter massivem Einsatz von Löschflugzeugen mehrere große Wald- und BuschbrĂ€nde am Sonntag teils unter Kontrolle gebracht werden. «Die Lage ist etwas besser», sagte ein Feuerwehrmann dem Staatsradio (ERA -1). Die Gefahr sei aber noch nicht vorbei.

Die Flammen haben laut den Behörden mehrere HĂ€user in der Ortschaft Loutros beschĂ€digt und auch Agrarland zerstört. Acht Dörfer in der NĂ€he der Stadt Alexandroupolis wurden evakuiert. «Es war eine sehr schwierige Nacht», sagte BĂŒrgermeister Giannis Zamboukis im staatlichen Rundfunk.

Kanada: Tausende wurden evakuiert

Noch schwieriger war aber die Situation in Kanada. In der Provinz British Columbia vereinten sich zwei BrĂ€nde bis Samstagabend zu einem Feuer der GrĂ¶ĂŸe von mehr als 41.000 Hektar. Betroffen war die Region um den See Shuswap Lake im SĂŒden der Provinz. Auf Bildern des Senders CBC waren im Ort Scotch Creek zerstörte HĂ€user und ausgebrannte Autos zu sehen. Offizielle Angaben zu den SchĂ€den gab es zunĂ€chst nicht.

In der gesamten Provinz galten Anordnungen, dass etwa 35.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden sollen, wie Premierminister David Eby mitteilte. Touristische Reisen in den betroffenen Gebieten wurden ab sofort untersagt, damit die UnterkĂŒnfte fĂŒr EinsatzkrĂ€fte und Evakuierte freigehalten werden.

Etwa hundert Kilometer weiter sĂŒdlich an dem bei Touristen beliebten See Okanagan Lake wĂŒten ebenfalls heftige WaldbrĂ€nde. Das sogenannte McDougall Creek Fire, das unter anderem die Stadt West Kelowna bedroht, erstreckte sich nach SchĂ€tzungen der Behörden am Sonntag ĂŒber eine FlĂ€che von 11.000 Hektar. Der Brand hatte sich in seiner GrĂ¶ĂŸe seit Freitag mehr als verzehnfacht. Tausende Menschen mussten ihre HĂ€user verlassen, mehrere GebĂ€ude wurden zerstört.

Experten sind nicht ĂŒberrascht

WaldbrĂ€nde sind in vielen Regionen Kanadas ĂŒblich. Derzeit erlebt man aber die schlimmste bekannte Saison in der Geschichte des Landes. «Das ist vorprogrammiert durch die Austrocknung der Böden, der WĂ€lder und der Feuchtgebiete», sagte Johann Georg Goldammer, der das Zentrum fĂŒr Globale FeuerĂŒberwachung am Max-Planck-Institut fĂŒr Chemie und an der UniversitĂ€t Freiburg leitet. Das Klima sei frĂŒher vorwiegend kalt und feucht gewesen. Das verĂ€ndere sich vor allem durch die Wetterextreme.

Entscheidend seien Ausreißer wie lĂ€ngere DĂŒrreperioden. «Sie versetzen den Wald in höhere Brennbereitschaft.» Auch anderswo sind Experten nicht ĂŒberrascht: «Eines ist klar: Der Klimawandel verstĂ€rkt extreme Wetterereignisse», betont Ruben del Campo, Sprecher des spanischen Wetterdienstes Aemet, immer wieder.

@ dpa.de