Welle, Bombendrohungen

Erneut Welle von Bombendrohungen an Schulen

24.10.2023 - 13:40:08

Es gab erneut Drohungen gegen Schulen, MedienhÀuser und andere Einrichtungen in mehreren BundeslÀndern. Was wie ein Scherz wirkt, belastet die Betroffenen. Was wissen die Ermittler?

  • EinsatzkrĂ€fte der Polizei vor der Alexander-von-Humboldt-Realschule in Bayreuth. - Foto: Pia Bayer/dpa

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  • Polizisten stehen vor einer Schule in Erfurt. - Foto: WichmannTV/dpa

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  • Bombendrohungen an Schulen haben PolizeieinsĂ€tze in mehreren BundeslĂ€ndern ausgelöst. - Foto: Pia Bayer/dpa

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EinsatzkrÀfte der Polizei vor der Alexander-von-Humboldt-Realschule in Bayreuth. - Foto: Pia Bayer/dpaPolizisten stehen vor einer Schule in Erfurt. - Foto: WichmannTV/dpaBombendrohungen an Schulen haben PolizeieinsÀtze in mehreren BundeslÀndern ausgelöst. - Foto: Pia Bayer/dpa

Bombendrohungen an Schulen in mehreren BundeslĂ€ndern haben auch gestern viele Menschen aufgeschreckt und PolizeieinsĂ€tze ausgelöst. Zwar gab es nach und nach erste Entwarnungen, wo die Ermittlungsbehörden ĂŒberhaupt von einer GefĂ€hrdung ausgegangen waren. Allerdings belastet die Situation Betroffene psychisch. Und: Die Urheber sind unbekannt, die HintergrĂŒnde unklar.

Auch ob es einen Zusammenhang zwischen den einzelnen FĂ€llen gibt, ist offen. Möglicherweise könne es darum gehen, das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung zu schwĂ€chen und Unmut gegen Israel zu schĂŒren, hieß es aus Sicherheitskreisen zur Deutschen Presse-Agentur. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums teilte mit: «Ob mit den Drohungen ein extremistisches Ziel verfolgt wird oder es sich um "Trittbrettfahrer" handelt, die sich zur VerstĂ€rkung der Wirksamkeit ihrer Drohungen als Hamas bezeichnen, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend bewertet werden.»

Die Sprecherin verwies auf Ă€hnlich geartete FĂ€lle von Drohungen gegen Einrichtungen in Frankreich ab dem Wochenende vom 14. und 15. Oktober, darunter gegen den Louvre und Schloss Versailles. Dort steigerten sich «die Drohungen quantitativ und fĂŒhrten unter anderem zu sehr pressewirksamen "RĂ€umungen" von FlughĂ€fen in Frankreich», so die Sprecherin. Seit Wochenbeginn und mit Öffnung der Schulen habe auch in Deutschland die Anzahl der Drohungen stark zugenommen.

Drohungen in fĂŒnf BundeslĂ€ndern

Bis gestern Nachmittag waren Schulen in Bayern, Nordrhein-Westfalen, ThĂŒringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern betroffen. Die Polizei rĂ€umte teils die Einrichtungen vorsorglich oder wies SchĂŒler und Lehrer noch vor dem Betreten der GebĂ€ude zurĂŒck. Es gab Durchsuchungen, um eine Gefahr auszuschließen.

In Erfurt wurden mehrere SchĂŒler und eine Lehrerin medizinisch versorgt - aufgrund der psychisch belastenden Situation, sagte eine Polizeisprecherin. Im sĂ€chsischen Pulsnitz hĂ€tten sechs MĂ€dchen im Teenageralter wĂ€hrend der RĂ€umung der betroffenen Schule Kreislaufprobleme bekommen, sagte ein Polizeisprecher. Sie wurden vor Ort von SanitĂ€tern betreut, drei von ihnen seien zudem vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht worden.

Aus den Bildungsministerien in ThĂŒringen und in Bayern hieß es, dass den Schulen umfangreiche Handreichungen zum Umgang mit Krisen und NotfĂ€llen zur VerfĂŒgung stehen beziehungsweise speziell ausgebildete Kriseninterventions- und -bewĂ€ltigungsteams von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen beraten könnten.

Auch MedienhÀuser betroffen

In Berlin gab es trotz der Herbstferien Drohungen gegen Schulen, aber auch Botschaften. Es ermittelt nun der Staatsschutz. Auch der Berliner Hauptbahnhof zĂ€hlte nach Angaben der Bundespolizei dazu. Die Polizei habe die KrĂ€fte dort verstĂ€rkt und die GefĂ€hrdungslage ĂŒberprĂŒft. Letztlich sei nicht von einer GefĂ€hrdung der Reisenden ausgegangen worden. Auch in allen anderen FĂ€llen konnte «die Ernsthaftigkeit verneint werden», sagte der Sprecher der Berliner Polizei. Außerdem waren die Bundeszentrale der SPD betroffen.

Auch MedienhĂ€user traf es wieder: Nachdem am Montag die ZDF-Zentrale in Mainz bedroht worden war, gab es gestern entsprechende Warnungen fĂŒr das Sendezentrum von «Antenne ThĂŒringen», «Landeswelle ThĂŒringen» und «Radio Top40» in Weimar. Im brandenburgischen Potsdam ermittelt die Polizei ebenfalls nach Drohungen im Medien-Bereich, Details sind nicht bekannt. Laut Polizeiangaben gab es auch Drohungen gegen RTL in Köln und Berlin. Eine RTL-Sprecherin teilte auf dpa-Anfrage mit: «Auch bei RTL in Köln ist heute Morgen eine Droh-E-Mail eingegangen, die offenbar identisch ist mit den E-Mails, die andere Einrichtungen in ganz Deutschland erhalten haben. Inklusive aller Rechtschreibfehler.»

Teils Àhnliche Drohungen

Laut Polizei gingen die Drohungen insgesamt per E-Mail ein. In einigen FĂ€llen wurden in den Schreiben BezĂŒge zur islamistischen Hamas sowie den Gaza-Krieg hergestellt, in einem Schreiben zum Ukraine-Konflikt. Ein Polizeisprecher sagte zu den VorfĂ€llen an einer Schule im oberfrĂ€nkischen Hollfeld, wo es gestern die zweite Drohung innerhalb weniger Tage gegeben hat: «Es besteht eine gewisse Ähnlichkeit.» Ob die Mails vom selben Absender stammen, sei noch unklar. Die Dienststellen seien weiterhin fĂŒr die Ermittlungen verantwortlich, aber sie tauschten sich eng aus, so ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamts.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, verurteilte die Drohungen «als einen verabscheuungswĂŒrdigen Versuch der EinschĂŒchterung». Sollte sich ein Bezug zu der radikalislamistischen Terrorgruppe Hamas bestĂ€tigen, zeige «sich damit einmal mehr, dass Antisemitismus unsere Gesellschaft als Ganze angreift und seine zerstörerische Kraft sich zwar zuallererst, aber keineswegs ausschließlich gegen JĂŒdinnen und Juden richtet», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Das droht den TÀtern

Eine Bombendrohung fĂ€llt in Deutschland hĂ€ufig unter den Straftatbestand der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten (Paragraf 126 des Strafgesetzbuches (StGB)). Das kann zu Geldstrafen oder sogar mehrjĂ€hrigen Haftstrafen fĂŒhren.

Mitte Oktober wurde ein 41-JĂ€hriger wegen einer Bombendrohung gegen die Krefelder Außenstelle der Bundesagentur fĂŒr Arbeit zu 2000 Euro Strafe verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskrĂ€ftig. Ende 2016 wurde ein Mann wegen mehrerer Bombendrohungen gegen eine Kita und ein Altenheim im bayerischen Wolframs-Eschenbach zu zwei Jahren Haft ohne BewĂ€hrung verurteilt.

@ dpa.de