Tödliche Messerangriffe auf Frauen in Berlin
31.08.2024 - 15:50:46 | dpa.deSchreckliche TodesfĂ€lle erschĂŒttern Berlin: Innerhalb weniger Tage wurden zwei Frauen bei einem Messerangriff getötet. In beiden FĂ€llen sehr wahrscheinlich durch einen Mann. Am Freitagabend wurde eine 28-JĂ€hrige im Ortsteil Friedrichsfelde erstochen - nur wenige Tage nach dem mutmaĂlichen Mord an einer 36-JĂ€hrigen durch ihren Ex-Mann in Berlin-Zehlendorf. Einen weiteren Messerangriff auf eine Frau gab es am Freitag im Bezirk Reinickendorf, bei dem jedoch Schlimmeres verhindert werden konnte.
28-JĂ€hrige mit schweren Verletzungen im Hausflur gefunden
Die 28-JĂ€hrige wurde am spĂ€ten Freitagabend lebensgefĂ€hrlich verletzt im Hausflur eines Mehrfamilienhauses entdeckt, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten. Reanimationsversuche waren den Angaben zufolge erfolglos, die Frau starb kurz darauf in einem Krankenhaus. Zuvor hatte «Bild» berichtet.Â
Kurze Zeit spĂ€ter nahmen die EinsatzkrĂ€fte einen 45 Jahre alten TatverdĂ€chtigen fest, bei dem es sich um den ehemaligen LebensgefĂ€hrten der Frau handelt, wie der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Sebastian BĂŒchner, der dpa sagte. Der Mann soll die 28-JĂ€hrige mit einem Messer angegriffen und mehrmals zugestochen haben. Es gebe Anzeichen von hĂ€uslicher Gewalt in der Beziehung, sagte BĂŒchner. Der 45-JĂ€hrige befindet sich in Polizeigewahrsam. Die getötete Frau hatte zwei Kinder aus einer anderen Beziehung, die zu dem Zeitpunkt nicht am Tatort waren.
Ein Richter erlieà Haftbefehl gegen den 45-JÀhrigen, wie von der Staatsanwaltschaft beantragt, teilte die Behörde auf der Online-Plattform X mit. Der Beschuldigte befindet sich demnach in Untersuchungshaft.
Zur NationalitĂ€t konnte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft zunĂ€chst keine Angaben machen. Eine Mordkommission und die Staatsanwaltschaft Berlin ermitteln.Â
Weiterer Fall erst vor wenigen Tagen
Erst am Mittwochabend war eine Frau auf einer StraĂe im Berliner Stadtteil Zehlendorf mit einem Messer getötet worden, mutmaĂlich von ihrem Ex-Mann. Die 36-JĂ€hrige war Mutter von vier Kindern. Der 50 Jahre alte Mann befindet sich in Untersuchungshaft. Laut Generalstaatsanwaltschaft wurde ein Haftbefehl wegen Mordes aus niedrigen BeweggrĂŒnden erlassen.Â
Die Polizei geht nach ersten Erkenntnissen von einem sogenannten Femizid aus. Femizid bedeutet, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet werden â also weil sie Frauen sind. Als hĂ€ufigste Form gilt die Tötung von Frauen durch Partner oder Ex-Partner.
In der Ehe habe es bereits mehrfach FĂ€lle von hĂ€uslicher Gewalt gegen die Frau durch den Mann gegeben. SchlieĂlich habe sich die Frau getrennt und ĂŒber ein Gericht eine sogenannte GewaltschutzverfĂŒgung und ein AnnĂ€herungsverbot erwirkt: Der Ex-Ehemann dufte sich ihr nicht nĂ€hern, sie nicht ansprechen, sondern musste einen vorgeschriebenen Abstand halten.Â
Versuchtes Tötungsdelikt
Am Freitag kam es zu einer weiteren Messerattacke. Ein Mann griff eine Frau in einer Wohnung in Berlin mit einem KĂŒchenmesser an und wĂŒrgte sie. Polizei und Staatsanwaltschaft sprechen bei dem Fall, der sich am Freitagabend in Reinickendorf ereignete, von einem versuchten Tötungsdelikt.Â
Die beiden Kinder der 38-jĂ€hrigen Frau im Alter von acht und neun Jahren seien auf die StraĂe gelaufen, um Hilfe zu holen, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Dabei seien sie zufĂ€llig auf Polizisten gestoĂen. Die Beamten hĂ€tten den 32-JĂ€hrigen festgenommen, der gerade dabei gewesen sei, die Frau weiter anzugreifen.Â
Die 38-JĂ€hrige wurde verletzt und kam ins Krankenhaus. Es bestehe keine Lebensgefahr, sagte Sprecher BĂŒchner. Der Angreifer befindet sich nach Angaben der Berliner Generalstaatsanwaltschaft in Untersuchungshaft. Man habe Haftbefehl wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefĂ€hrlicher Körperverletzung erlassen, wie die Behörde auf der Online-Plattform X mitteilte. Zuvor wurde geprĂŒft, ob eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik geboten sein könnte.Â
Die Frau hatte den Beschuldigten nach Angaben von BĂŒchner vor einer Woche in die Wohnung aufgenommen. «Ob es ĂŒber die Bekanntschaft hinaus eine Vorbeziehung gab, ist noch nicht bekannt.» Beide stammen den Angaben zufolge auf Ghana.
Familienministerin will Betroffene besser schĂŒtzen
Bundesfamilienministerin Lisa Paus Betroffene zeigte sich entsetzt: «Unser Land hat ein massives Gewaltproblem gegen Frauen. Das muss aufhören», sagte die GrĂŒnen-Politikerin. Wir brauchen nicht nur ein Sicherheitspaket gegen terroristische Messerstecher, sondern auch fĂŒr die PrĂ€vention und den Schutz von Frauen vor Gewalt.» Sie bereite ein sogenanntes Gewalthilfegesetz vor, das allen Betroffenen einen Schutzanspruch auf Hilfe einrĂ€umen solle, sagte Paus.Â
Die Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg hat erneut Konsequenzen aus den Taten gefordert. «Wir mĂŒssen endlich etwas gegen diese brutalen Morde von MĂ€nnern an Frauen tun», erklĂ€rte die CDU-Politikerin und sprach von «purem Frauenhass». «Ich appelliere daher erneut an Justizminister Buschmann: ?Nehmen sie die FuĂfessel in das Gewaltschutzgesetz auf», teilte Badenberg mit. Gleichzeitig werde auf Landesebene geprĂŒft, ob und wie gesetzliche Ănderungen und PrĂ€ventivmaĂnahmen angepasst werden könnten.Â
Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) hatte zuletzt in einem Interview gesagt, er sehe in elektronischen FuĂfesseln fĂŒr TĂ€ter ein Mittel im Kampf gegen hĂ€usliche Gewalt und sei offen, sie einzusetzen. FĂŒr das Polizeirecht und den Einsatz von FuĂfesseln seien die LĂ€nder zustĂ€ndig. Er lasse prĂŒfen, ob es hierbei Spielraum fĂŒr eine bundesgesetzliche Regelung gebe.
Urteile zu Morden durch Verwandte an Frauen in Berlin
Im vergangenen Jahr sorgten Morde an Frauen aus Afghanistan durch Verwandte in Berlin fĂŒr Empörung. Zwei afghanische BrĂŒder töteten ihre Schwester im Juli 2021, brachten ihre Leiche in einem Koffer mit dem Zug nach SĂŒddeutschland und vergruben sie dort in einem Wald. Der Mord geschah, weil die Schwester nach eigenen Vorstellungen leben wollte und das nicht den Moralvorstellungen der Familie entsprach, urteilte das Gericht und verhĂ€ngte lebenslange GefĂ€ngnisstrafen.Â
Ebenfalls 2023 wurde der Ehemann einer sechsfachen Mutter aus Afghanistan zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte die Frau aus Rache ermordet. Auf offener StraĂe griff er sie mit einem Jagdmesser an - nur wenige Wochen nach ihrer Trennung. «Er hat die Frau als seinen Besitz betrachtet», so der Richter im Urteil. «Er ist maĂlos eigensĂŒchtig, verschlagen, manipulativ und bösartig.»
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