WaldbrÀnde, Evakuierungen

Griechenland kÀmpft gegen zahlreiche BrÀnde

23.08.2023 - 14:46:13

Es scheint, als ob das ganze Land im Feuerqualm erstickt: Die BrĂ€nde und die Evakuierungen in Griechenland dauern an. Das Leid spĂŒren nicht nur die direkt Betroffenen, sondern Millionen Griechen und Touristen.

  • Ein junger Mann rettet eine kleine Katze vor den Flammen. - Foto: Thanassis Stavrakis/AP/dpa

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  • Ein Feuerwehrmann löscht ein Haus im Dorf Hasia in der NĂ€he von Athen. - Foto: Marios Lolos/XinHua/dpa

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  • Ein Hubschrauber wirft Wasser ĂŒber dem Dorf Avantas ab. StĂŒrmische Winde fachen die Flammen der WaldbrĂ€nde in ganz Griechenland an. - Foto: Achilleas Chiras/AP

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  • Patienten liegen auf dem Boden einer FĂ€hre, nachdem die Gesundheitsbehörden ein Krankenhaus in Alexandroupolis teilweise evakuiert haben. - Foto: Uncredited/e-evros.gr/AP/dpa

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  • Ein verbranntes Auto und ausgebrannte LagerhĂ€user in Palagia. - Foto: Achilleas Chiras/AP/dpa

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  • Ein verbrannter Wald in der NĂ€he der Stadt Alexandroupolis. - Foto: Achilleas Chiras/AP

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Ein junger Mann rettet eine kleine Katze vor den Flammen. - Foto: Thanassis Stavrakis/AP/dpaEin Feuerwehrmann löscht ein Haus im Dorf Hasia in der NĂ€he von Athen. - Foto: Marios Lolos/XinHua/dpaEin Hubschrauber wirft Wasser ĂŒber dem Dorf Avantas ab. StĂŒrmische Winde fachen die Flammen der WaldbrĂ€nde in ganz Griechenland an. - Foto: Achilleas Chiras/APPatienten liegen auf dem Boden einer FĂ€hre, nachdem die Gesundheitsbehörden ein Krankenhaus in Alexandroupolis teilweise evakuiert haben. - Foto: Uncredited/e-evros.gr/AP/dpaEin verbranntes Auto und ausgebrannte LagerhĂ€user in Palagia. - Foto: Achilleas Chiras/AP/dpaEin verbrannter Wald in der NĂ€he der Stadt Alexandroupolis. - Foto: Achilleas Chiras/AP

Feuerwehrchef Giorgos Pournaras ist vor laufenden Kameras sichtlich fassungslos. «In 32 Jahren meiner beruflichen Karriere habe ich so etwas noch nie erlebt», sagte er am Mittwoch angesichts der zahlreichen großen Brandherde, die in vielen Regionen Griechenlands VerwĂŒstung anrichten und lĂ€ngst noch nicht unter Kontrolle sind. Auch BĂŒrgerschutzminister Vassilis Kikilias pflichtete auf einer Pressekonferenz bei: «Es ist der schlimmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen.»

Erneut sind am Mittwoch Millionen Griechen und Touristen in einer Art Vorhölle aufgewacht: Diesige, verqualmte Luft noch Hunderte Kilometer von den BrĂ€nden entfernt, ein von Rauchschwaden verdeckter Himmel und die Sonne lediglich als kleiner leuchtender Punkt am Horizont erwarteten sie. Den fĂŒnften Tag in Folge kĂ€mpft das Land gegen gewaltige VegetationsbrĂ€nde. Vor allem die Feuerfronten im Nordosten breiteten sich noch weiter aus, aber auch nahe Athen kĂ€mpften Feuerwehr und Freiwillige verzweifelt gegen die Flammen an.

Mehr als nur Rauchgeruch in den Kleidern

Wo Menschen Urlaub machen und die Sommerzeit genießen wollen, hat sich die LuftqualitĂ€t in den vergangenen Tagen massiv verschlechtert. Auf vielen Urlaubsinseln trotzten die Touristen dem Qualm, gingen an den Strand, in die Taverne oder mit einem Ausflugsboot auf Fahrt. Ein ungutes GefĂŒhl angesichts der diesigen AtmosphĂ€re und des Gestanks nach Rauch und Feuer jedoch blieb bei fast jedem haften - so wie der Rauchgeruch an den Kleidern.

Der Zeitung «Kathimerini» zufolge sollen zwischenzeitlich bis zu 80 Prozent der FlÀche Griechenlands von Rauchwolken bedeckt gewesen sein. Das Problem betreffe fast das ganze Land, sagte Nikos Michalopoulos vom Nationalen Observatorium Athen der Zeitung. Laut Wetterdienst zog der Rauch vom Nationalpark Dadia im Nordosten des Landes mehr als 950 Kilometer weit bis zum Ionischen Meer. Er bedeckte demnach eine FlÀche von rund 110 000 Quadratkilometern, was rund 80 Prozent des griechischen Territoriums entspricht.

«Es ist einer der beeindruckendsten Rauchtransporte, die wir in den letzten Jahren gesehen haben», sagte der Direktor des Nationalen Observatoriums von Athen, Kostas Lagouvardos. Der griechische Verband der Pneumologen empfahl den Menschen, sich so weit wie möglich in InnenrĂ€umen aufzuhalten und Fenster und TĂŒren geschlossen zu lassen.

Konkret wurden am Dienstag etwa in der von BrĂ€nden fast umzingelten Stadt Alexandroupolis zwischenzeitlich Werte von 106 Mikrogramm Feinstaub der GrĂ¶ĂŸenkategorie PM2.5 (Durchmesser kleiner als 2,5 Mikrometer) pro Kubikmeter Luft gemessen. Gerade solche kleinen Partikel gelten als schĂ€dlich und als Verursacher von SchlaganfĂ€llen, Krebs und Atemwegserkrankungen. Sie können teils bis in die LungenblĂ€schen und in die Blutbahn vordringen.

Die grĂŒne Lunge Athens ist betroffen

In der Hauptstadt Athen blieb die Lage angespannt; unter anderem brannte es nordwestlich am Gebirge Parnitha. Dort kĂ€mpfte die Feuerwehr die ganze Nacht, um das Übergreifen der Flammen auf die Berge zu verhindern. Parnitha gilt als grĂŒne Lunge Athens und ist außerdem Nationalparkgebiet. Es gab massive EinsĂ€tze aus der Luft: Sieben Löschflieger und acht Hubschrauber flogen am Mittwoch, darunter zwei deutschen Fliegern, die im Rahmen des Katastrophenschutz-Mechanismus der EU in Griechenland sind.

Insgesamt brannte es am Mittwoch an mindestens 15 großen oder grĂ¶ĂŸeren Fronten, wie Satellitenbilder zeigten. Zahllose Dörfer und Siedlungen, aber auch Altenheime, ein FlĂŒchtlingslager und ein Kinderheim wurden vorsorglich evakuiert.

In der Bevölkerung wird derweil die Diskussion ĂŒber Brandstifter immer lauter. Es könne nicht sein, dass ausgerechnet bei perfekten Bedingungen fĂŒr schlimme WaldbrĂ€nde so viele Feuer ausbrĂ€chen, ist die einhellige Meinung. Die Suche nach TĂ€tern jedoch gestaltet sich schwierig, zumal es zunĂ€chst meist in unwegsamem GelĂ€nde brennt, wo sich Brandstifter schnell unerkannt aus dem Staub machen können.

Immerhin: Erst Anfang August hatte BĂŒrgerschutzminister Kikilias angekĂŒndigt, die Strafen drastisch zu verschĂ€rfen. Sah das Gesetz bislang geringe Strafen von 300 bis maximal 5000 Euro vor, sollen nun in schweren FĂ€llen 30 000 Euro fĂ€llig werden, bei WiederholungstĂ€tern soll sich der Betrag verdoppeln. Außerdem könnten dem Betreffenden die Kosten fĂŒr den Feuerwehreinsatz in Rechnung gestellt werden.

Brandstiftung und FahrlÀssigkeit

Dass vielfach Brandstiftung im Spiel ist, steht fĂŒr Fachleute außer Frage - so wie in den WĂ€ldern von Dadia, wo am Montag binnen zwei Stunden zwölf BrĂ€nde ausbrachen. HĂ€ufig werden Feuer aber auch fahrlĂ€ssig verursacht, etwa wenn Menschen trotz starkem Wind und großer Trockenheit GartenabfĂ€lle verbrennen, grillen oder schweißen und schleifen, so dass Funken entstehen, die Feuer entfachen.

Vor solchen Aktionen warnt der Zivilschutz, der tĂ€glich die Prognose der Waldbrandgefahr veröffentlicht. FĂŒr Donnerstag sieht die Landkarte der Behörde weitaus besser aus als noch zu Wochenbeginn, weil der starke Sommerwind namens Meltemi leicht nachlassen soll. Er hatte die Flammen bislang vielerorts enorm angefacht. Nichtsdestotrotz bleibt die Gefahr örtlich weiterhin «hoch» bis «sehr hoch». Die Meteorologen sagen bis zum Ende der Woche immer noch Windgeschwindigkeiten um die 50 Kilometer pro Stunde voraus.

@ dpa.de