Opferzahl, Flammeninferno

Opferzahl bei Flammeninferno im Raum Los Angeles steigt

10.01.2025 - 07:27:40

Experten vergleichen die Zerstörung durch die WaldbrÀnde in Los Angeles bereits mit einer Atombombe. Die Flammen sind weiter nicht unter Kontrolle - und die Zahl der Toten steigt.

  • Das Flammeninferno wĂŒtet weiter ungebremst - angetrieben von starken Winden. - Foto: Ethan Swope/AP/dpa

    Ethan Swope/AP/dpa

  • Etwa 10.000 HĂ€user sollen den Feuern schon zum Opfer gefallen sein. - Foto: Mark J. Terrill/AP/dpa

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  • Die ganze Skyline von Los Angeles war von Rauch umgeben. - Foto: Etienne Laurent/AP/dpa

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Das Flammeninferno wĂŒtet weiter ungebremst - angetrieben von starken Winden. - Foto: Ethan Swope/AP/dpaEtwa 10.000 HĂ€user sollen den Feuern schon zum Opfer gefallen sein. - Foto: Mark J. Terrill/AP/dpaDie ganze Skyline von Los Angeles war von Rauch umgeben. - Foto: Etienne Laurent/AP/dpa

Die Zahl der Todesopfer bei der gewaltigen Feuerkatastrophe im Großraum Los Angeles steigt: Mindestens zehn Menschen seien bisher im Zuge der WaldbrĂ€nde ums Leben gekommen, teilte die gerichtsmedizinische Behörde von Los Angeles County mit. Zuvor schwankten die Angaben der Opferzahlen noch zwischen fĂŒnf und sieben. Die Flammen haben eine Schneise der VerwĂŒstung und Verzweiflung hinterlassen - und wĂŒten weiter.

Etwa 10.000 GebÀude sind Medienberichten zufolge den verheerenden BrÀnden bereits zum Opfer gefallen. US-PrÀsident Joe Biden bezeichnete die Feuer als die schlimmsten in der Geschichte Kaliforniens. Es sehe aus, als ob «eine Atombombe in diesen Gebieten abgeworfen wurde», sagte der Sheriff des Bezirks Los Angeles, Robert Luna, zur Lage in den betroffenen Regionen. 

Die BrĂ€nde sind weiter außer Kontrolle. Nach Angaben von Feuerwehr-Chefin Kristin Crowley verbrannten allein im Viertel Pacific Palisades seit Dienstag mehr als 5.300 HĂ€user. Beim sogenannten Eaton Fire nahe Pasadena wurden hingegen bislang etwa 4.000 bis 5.000 GebĂ€ude zerstört oder beschĂ€digt, darunter Ein- und MehrfamilienhĂ€user und Gewerbeobjekte, wie Anthony Marrone, Feuerwehrchef von Los Angeles County, bestĂ€tigte.

WĂ€hrend zwei der großen Feuer am Donnerstag eingedĂ€mmt werden konnten, brach gleichzeitig ein neues aus, das sogenannte Kenneth Fire im Gebiet der West Hills und Hidden Hills zwischen Los Angeles und Ventura. 

Es bewegte sich zeitweise gefĂ€hrlich schnell auf WohnhĂ€user in der hĂŒgeligen Region zu, so die Feuerwehr. Auf Videos war eine heftige Rauchentwicklung zu sehen. 900 zusĂ€tzliche Feuerwehrleute sollten entsandt werden, berichteten US-Medien unter Berufung auf Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom. Nach mehreren Stunden konnte das Voranschreiten der Flammen Berichten zufolge aber eingedĂ€mmt werden.

Das grĂ¶ĂŸte der derzeit fĂŒnf wĂŒtenden Feuer im Großraum Los Angeles - «Palisades Fire» genannt - brenne aktuell auf einer FlĂ€che von rund 8.000 Hektar, teilte die Feuerwehr weiter mit. Das «Eaton Fire» wuchs derweil auf mehr als 5.500 Hektar an. «Das "Eaton-Fire" ist weiterhin zu null Prozent eingedĂ€mmt», betonte Feuerwehr-Chef Marrone. 

Szenen starker VerwĂŒstung - Zahl der Toten weiter unklar

Die Zahl der Toten könnte derweil weiter steigen. Sheriff Luna hatte zuvor gezögert, konkrete Angaben zu machen. Angesichts der VerwĂŒstung erwarte er keine guten Nachrichten bezĂŒglich der Opferzahlen. Auch die materiellen SchĂ€den sind enorm: Laut einer vorlĂ€ufigen SchĂ€tzung des privaten US-Wetterdienstes AccuWeather könnten der Gesamtschaden und die wirtschaftlichen Verluste bei 135 bis 150 Milliarden Dollar (131 bis 146 Milliarden Euro) liegen. Es handele sich um eine der kostspieligsten Waldbrandkatastrophen in der modernen Geschichte der USA, sagte Chefmeteorologe Jonathan Porter. Vieled HĂ€user im Wert von Millionen von Dollar seien zerstört worden. 

US-PrĂ€sident Joe Biden sagte, nachdem er am Donnerstagabend (Ortszeit) ĂŒber die Lage unterrichtet worden war, dass bislang bereits 360.000 Menschen aus den am stĂ€rksten betroffenen Gebieten in Sicherheit gebracht worden seien.

Festnahmen wegen PlĂŒnderungen

Doch nicht nur vor den Flammen mĂŒssen Menschen, die aus ihren HĂ€usern geflohen sind, Angst haben: Die Feuerkatastrophe rief den Behörden zufolge auch Kriminelle auf den Plan. Mindestens 20 VerdĂ€chtige seien bisher im Zusammenhang mit PlĂŒnderungen festgenommen worden, sagte Kathryn Barger vom Verwaltungsbezirk Los Angeles. Barger nannte die PlĂŒnderer «Opportunisten» und fĂŒgte vor Journalisten hinzu: «Ich werde nicht tatenlos zusehen und zulassen, dass eine bereits traumatische Erfahrung noch schlimmer wird.» Die Polizei erwĂ€gt Ausgangssperren.

Der Alltag in der Region steht weitgehend still. Schulen bleiben auch heute geschlossen, den Behörden zufolge vor allem wegen der schlechten LuftqualitĂ€t. Die Situation hat auch Auswirkungen auf die SpielplĂ€ne der Sportligen, wie die Football-Liga NFL: Das fĂŒr Montag geplante Playoff-Spiel der Los Angeles Rams gegen die Minnesota Vikings wurde nach Arizona verlegt, wie die NFL bekanntgab. Sie begrĂŒndete den Schritt mit der Sorge um die LuftqualitĂ€t in Los Angeles und der ohnehin schon großen Belastung fĂŒr Polizei und Feuerwehr. Dichter Rauch liegt ĂŒber der Stadt, viele Menschen tragen Masken, um sich vor den schĂ€dlichen Partikeln zu schĂŒtzen.

Auch die PlĂ€ne der US-VizeprĂ€sidentin Kamala Harris Ă€nderten sich: Sie sagte wegen der Feuerkatastrophe einen geplanten Besuch in Deutschland ab. UrsprĂŒnglich wollte Harris am 17. Januar die Air Base Spangdahlem in der Eifel besuchen und dort auch mit US-Soldaten sprechen. Die Reise sollte sie vor Deutschland auch auf US-MilitĂ€rstĂŒtzpunkte in Singapur und Bahrain fĂŒhren.

Viele Prominente betroffen

Auch viele Hollywood-Promis leiden unter den GroßbrĂ€nden. Tokio-Hotel-SĂ€nger Bill Kaulitz (35) zeigte in einer Instagram-Story, wie er wegen der BrĂ€nde sein Haus verlassen musste. In dem Post sind seine gepackten Luxuskoffer zu sehen, darunter ein Notfallset des Roten Kreuzes und zwei Walkie-Talkies.

Realitystar Paris Hilton musste eigenen Angaben zufolge im Fernsehen mit ansehen, wie ihr Haus den verheerenden GroßbrĂ€nden bei Los Angeles zum Opfer fiel. «Ich bin untröstlich, habe keine Worte», schreibt die 43-JĂ€hrige auf der Plattform X. «Ich sitze mit meiner Familie, schaue die Nachrichten und sehe, wie unser Haus in Malibu live im Fernsehen bis auf die Grundmauern abbrennt.» Dazu teilte sie ein per Hand aufgenommenes Video von einem Nachrichtenbeitrag, der eine niedergebrannte Gegend zeigt.

In den nĂ€chsten Tagen sollten derweil die mit Spannung erwarteten Oscar-Nominierungen verkĂŒndet werden. Sowohl dieser Termin als auch die Bekanntgabe der Nominierungen fĂŒr die Producers Guild of America Awards wurden aufgrund der andauernden Feuer jeweils um zwei Tage verschoben.

@ dpa.de