Schleswig-Holstein, Deutschland

Rettungsaktion fĂŒr gestrandeten Buckelwal erneut abgebrochen

26.03.2026 - 21:06:44 | dpa.de

Fieberhaft kĂ€mpften Helfer vor Timmendorfer Strand um den festsitzenden Buckelwal – doch die Rettung musste erneut unterbrochen werden. Aber die EinsatzkrĂ€fte geben nicht auf.

  • Der Schwimmbagger arbeitet direkt um den gestrandeten Wal herum.  - Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
    Der Schwimmbagger arbeitet direkt um den gestrandeten Wal herum. - Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
  • Zwischenzeitlich wurde der Bagger von dem Biologen Robert Marc Lehmann angeleitet. - Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
    Zwischenzeitlich wurde der Bagger von dem Biologen Robert Marc Lehmann angeleitet. - Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
  • Der Bagger grĂ€bt eine Rinne fĂŒr den gestrandeten Wal. - Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
    Der Bagger grĂ€bt eine Rinne fĂŒr den gestrandeten Wal. - Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
  • Der gestrandete Buckelwal hat eine geschĂ€tzte LĂ€nge von 12 bis 15 Metern. - Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
    Der gestrandete Buckelwal hat eine geschÀtzte LÀnge von 12 bis 15 Metern. - Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
  • Ein Rettungsversuch mit einem Saugbagger war gescheitert. - Foto: Jens BĂŒttner/dpa
    Ein Rettungsversuch mit einem Saugbagger war gescheitert. - Foto: Jens BĂŒttner/dpa
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Noch bei Dunkelheit und im Scheinwerferlicht haben EinsatzkrĂ€fte an der Rettung des vor Timmendorfer Strand festsitzenden Buckelwals gearbeitet. Doch schließlich mussten sie auch am Donnerstagabend ihre BemĂŒhungen erfolglos einstellen. Am frĂŒhen Freitagmorgen solle es weitergehen, sagte der BĂŒrgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke.

Dabei hatte das Tier am Donnerstagabend immerhin ein StĂŒck seine Position verĂ€ndern, wie ein dpa-Reporter berichtete.

Stundenlang waren zuvor Bagger im Einsatz vom Wasser und von Land aus. Ein schwimmender Schaufelbagger hob eine Rinne aus. Ein weiterer Bagger schuf sich vom Strand aus einen Damm, um dichter an das Tier zu gelangen.

Stephanie Groß, Walexpertin des Instituts fĂŒr Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), sagte, der Wal sei motiviert.

FĂŒr den Baggerfahrer war es allerdings wegen des trĂŒben Wassers schwierig, die Rinne auszuheben. Deshalb kamen zur Markierung Bojen zum Einsatz.

Baggerfahrer Tim Löhndorf von der Firma Ökologischer GewĂ€sserdienst Wandhoff hatte der dpa am Mittwoch gesagt, dass mit mehreren Baggern eine 50 Meter lange, sechs Meter breite und 1,20 Meter tiefe Rinne vor dem Kopf des Wals gegraben werden soll. Besonders herausfordernd seien bei der Rettungsaktion Wind und Strömung. 

GrĂ¶ĂŸer als zunĂ€chst angenommen

Messungen haben ergeben, dass der vor dem Ortsteil Niendorf liegende Buckelwal grĂ¶ĂŸer ist als zunĂ€chst angenommen: Er sei wohl zwischen 12 und 15 Meter lang und wiege geschĂ€tzt rund 15 Tonnen, sagte ITAW-Experte Joseph Schnitzler. Bei einem so massiven Tier ist es umso schwieriger, es wieder in tieferes Wasser zu bringen. Anders als in der Nordsee gibt es in der Ostsee auch keine deutliche Tide, die den Wal wieder in tieferes Wasser spĂŒlen könnte.

Buckelwal reagierte auf AnnÀherung

Zwischenzeitlich stand der Biologe Robert Marc Lehmann wĂ€hrend der Rettungsaktion neben dem Wal im Wasser und leitete den Schwimmbagger an. Er begutachtete das Tier auch vor dem am frĂŒhen Morgen gestarteten Rettungsversuch. Der Wal reagierte auf die AnnĂ€herung mit lautem Schnauben und heftigen Bewegungen.

Die Begutachtung durch den Taucher habe ergeben, dass es um das Tier offenbar relativ gut stehe, sagte ITAW-Walexpertin Stephanie Groß.

Schaulustige stehen am Strand

Auch zahlreiche Schaulustige versuchen, in Timmendorfer Strand einen Blick auf den gestrandeten Wal zu erhaschen. Da der Bereich im Ortsteil Niendorf abgesperrt ist, sammeln sich die meisten am gegenĂŒberliegenden Strand, wie ein dpa-Reporter berichtete. Von dort aus sei jedoch außer dem Bagger kaum etwas zu erkennen. 

Der 15-jĂ€hrige Marc aus LĂŒbeck hat sich daher vorbereitet: Er kaufte sich am Vortag fĂŒr seine Spiegelreflexkamera ein starkes Teleobjektiv. Einen Wal sehe man nicht oft hier, sagte er. Eine Frau aus dem dreißig Minuten entfernten Neustadt in Holstein zeigte sich hingegen enttĂ€uscht, da sie nichts sehen könne.

Bei Befreiung Geleit in die Nordsee geplant

Schleswig-Holsteins MinisterprĂ€sident Daniel GĂŒnther machte sich in Timmendorfer Strand ein eigenes Bild vom Rettungsversuch. Der CDU-Politiker sagte die Hilfe des Landes zu. Sollte der MeeressĂ€uger frei kommen, wolle Kiel etwa zwei Boote zur VerfĂŒgung stellen, um das Tier durch die Ostsee zu geleiten, berichtete ein dpa-Reporter vor Ort. Damit soll verhindert werden, dass er wieder strandet.

Nicht der erste Rettungsversuch

Der Buckelwal war Montagmorgen auf einer Sandbank entdeckt worden. Am Dienstag war ein Rettungsversuch mit einem kleinen Saugbagger gescheitert. «Leider hat sich herausgestellt, dass der Sand zu fest ist», erklĂ€rte Groß. Zuvor waren bereits andere Versuche fehlgeschlagen. Zwar gelang es, den Wal in Richtung der tieferen Fahrrinne zu drehen, frei kam er aber nicht. 

Auch Versuche, mit Polizeibooten Wellen zu machen, damit sich der Wal freischwimmen kann, brachten nichts. Um den Wal nicht weiter zu stressen, waren die Versuche dann zunĂ€chst abgebrochen worden. Doch auch die Hoffnung, dass sich das Tier mit dem Hochwasser in der Nacht zu Dienstag freischwimmen kann, erfĂŒllte sich nicht.

Mehr Strandungen von Walen

Strandungen von Walen nehmen nach Ansicht von Experten zu. Auch weil die Jagd ausgesetzt wurde, wachse unter anderem die weltweite Buckelwal-Population stetig, hieß es im vergangenen Jahr seitens des ITAW in BĂŒsum.

Allein 2025 wurden mehrere Wal-Kadaver aus der Nordsee vor Sylt geborgen. Nach einem Pottwal im Februar und einem Zwergwal im Juni kam es im August zu einem tragischen Fall: Ein noch lebender rund 3,80 Meter langer Schnabelwal trieb im Watt vor Munkmarsch an. Nachdem Rettungsversuche wegen des schlechten Allgemeinzustandes nicht unternommen wurden, genehmigte die oberste Artenschutzbehörde den Abschuss. Untersuchungen ergaben, dass es sich um ein Neugeborenes handelte, das wohl noch auf seine Mutter angewiesen war.

Selten sind hingegen Massenstrandungen. Eine solche HĂ€ufung gab es etwa 2016 im flachen Wasser der NordseekĂŒste. Rund 30 Pottwale starben, davon 12 im deutschen Wattenmeer.

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