Flughafen München: Boeing von Vietnam Airlines hebt nach Bremsmanöver im letzten Moment ab
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 15:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBeim missglückten Start einer Boeing 787-9 von Vietnam Airlines am Münchner Flughafen sind nach einem Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) die Bremsen betätigt worden.
Ursache des Bremsvorgangs bleibt offen
Die Maschine war am 15. August mit fast 290 Menschen an Bord über die Startbahn hinausgeschossen und konnte gerade noch abheben. Verletzt wurde niemand. Ob ein Pilot die Bremspedale betätigte oder ein technischer Fehler vorlag, geht aus dem Zwischenbericht nicht hervor.
Nach Angaben des BFU-Sprechers handelt es sich bei dem Dokument um eine Sachverhaltsdarstellung, nicht um eine Bewertung der Unfallursache. Für die Untersuchung wurden unter anderem Teile der Bremssysteme gesichert. Ein Abschlussbericht wird voraussichtlich etwa ein Jahr nach dem Vorfall erwartet.
Flugzeug gerät ins Gras
Die Startfreigabe war dem Bericht zufolge am 15. August um 13.55 Uhr erteilt worden. Kurz nach Beginn des Startlaufs wurden die Bremspedale ausgelöst und dauerhaft gehalten. Kurz vor dem Abheben erhöhte der Copilot den Triebwerksschub manuell.
Das Flugzeug schoss über das Ende der Startbahn hinaus und geriet auf das Gras. Heck und Fahrwerk kollidierten mit 20 Leuchten der Startbahnbefeuerung, der Rumpf wurde beschädigt. Nach der Landung wurden Schäden an vier Reifen festgestellt.
Rückkehr nach München
Die Besatzung brach den Flug nach Vietnam ab. Weil die voll betankte Boeing zu schwer für eine Landung war, ließ die Crew in Abstimmung mit der Flugsicherung 62 Tonnen Kerosin ab. Anschließend flog die Maschine zweimal mit ausgefahrenem Hauptfahrwerk am Flughafen vorbei, damit das Bodenpersonal es kontrollieren konnte.
Nach etwa zwei Stunden landete das Flugzeug. Am Hauptfahrwerk entstand Rauch, ein Brand wurde jedoch nicht festgestellt. Im Cockpit saßen vier Piloten; in der Luft wechselte der für den Start verantwortliche 64 Jahre alte Kapitän den Platz mit einem Kollegen. Die Gründe dafür sind nicht bekannt.
Viele Fragen zur Cockpit-Situation
Während des Starts hielt das Flugzeug laut dem Bericht 18 Sekunden lang dieselbe Geschwindigkeit, statt zu beschleunigen. Unklar ist weiterhin, welche technischen Informationen der Besatzung vorlagen und wie sie die Situation wahrnahm.
Der Funkverkehr enthielt das Dringlichkeitssignal „pan pan“. Es weist auf eine dringende Lage hin, steht aber unterhalb des Notsignals „Mayday“. Die Fluggesellschaft Vietnam Airlines äußerte sich zunächst nicht zu dem Zwischenbericht.
Zwischenbericht grenzt die offenen Fragen ein
Der BFU-Zwischenbericht beschreibt den Ablauf des Vorfalls, bewertet aber noch nicht dessen Ursache. Für die weitere Untersuchung ist deshalb entscheidend, ob die registrierte Bremsbetätigung durch eine Eingabe im Cockpit, einen technischen Fehler oder das Zusammenwirken mehrerer Faktoren entstand.
Die 18 Sekunden mit gleichbleibender Geschwindigkeit erhöhen die Bedeutung der technischen und menschlichen Analyse. Bei einem Startlauf müssen Schubentwicklung, Geschwindigkeit, Anzeigen und Reaktionen der Besatzung zeitlich genau zusammengeführt werden. Dass Teile der Bremsanlage gesichert wurden, zeigt, dass die Untersuchung nicht auf die Cockpitbedienung beschränkt bleibt.
Warum der Vorfall über den Einzelfall hinausweist
Für die Sicherheit des Luftverkehrs ist nicht nur die Ursache dieses Ereignisses relevant, sondern auch die Frage, ob daraus Verbesserungen bei Warnsystemen, Verfahren oder der Auswertung von Flugdaten folgen. Der Vorgang zeigt zudem, wie schnell ein Problem beim Start in eine kritische Lage übergehen kann: Die Boeing beschädigte Beleuchtung, Heck und Fahrwerk, hob aber noch ab und konnte später sicher landen.
Die fehlenden Aussagen der Piloten im Zwischenbericht lassen zentrale Abläufe im Cockpit zunächst offen. Der Abschlussbericht soll die technische Rekonstruktion mit den Angaben der Besatzung und weiteren Untersuchungsergebnissen verbinden. Für Passagiere bedeutet das vorerst vor allem: Der konkrete Vorfall ist aufgearbeitet worden, eine abschließende Erklärung steht jedoch noch aus.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR24: „Untersuchung zu Dreamliner-Fehlstart: Bremsen bei Start betätigt“ (29.09.2026)
Der Bericht bestätige, dass die Bremsen während des Startlaufs betätigt worden seien, und hebe hervor, dass der Zwischenbericht die Ursache offenlasse. Anders als die dpa-Meldung betone BR24 zusätzlich, dass die Stimmaufzeichnungen zum Startlauf während des mehr als zweistündigen Flugs überschrieben worden seien; die laufende Untersuchung und das Fehlen eines endgültigen Ergebnisses stünden im Mittelpunkt.
