Polizeigewalt, Emmanuel Macron

Macron sieht bei Krawallen auch Eltern in Verantwortung

30.06.2023 - 15:25:06 | dpa.de

Frankreich wird von den heftigsten Unruhen seit Jahren erschĂŒttert. Einige hatten erwartet, dass Macron den Notstand ausrufen wird - doch er entschied sich nach einem Krisentreffen zunĂ€chst anders.

  • Autos brennen bei Ausschreitungen im Pariser Vorort Nanterre. - Foto: Aurelien Morissard/AP
  • EinsatzkrĂ€fte der Polizei patrouillieren im Zentrum von BrĂŒssel. - Foto: Sylvain Plazy/AP
  • Emmanuel Macron, PrĂ€sident von Frankreich, spricht nach einer Dringlichkeitssitzung der Regierung im Innenministerium. - Foto: Yves Herman/Pool Reuters/AP/dpa
Autos brennen bei Ausschreitungen im Pariser Vorort Nanterre. - Foto: Aurelien Morissard/AP EinsatzkrĂ€fte der Polizei patrouillieren im Zentrum von BrĂŒssel. - Foto: Sylvain Plazy/AP Emmanuel Macron, PrĂ€sident von Frankreich, spricht nach einer Dringlichkeitssitzung der Regierung im Innenministerium. - Foto: Yves Herman/Pool Reuters/AP/dpa

Nach der dritten Nacht mit Unruhen in ganz Frankreich hat PrĂ€sident Emmanuel Macron explizit die Eltern im Land angesprochen. Ein Drittel der in der vergangenen Nacht Festgenommenen seien sehr jung, sagte Macron am Freitag nach einem interministeriellen Krisentreffen in Paris. «Und ich appelliere an das Verantwortungsbewusstsein der MĂŒtter und VĂ€ter. Die Republik ist nicht dazu berufen, an ihre Stelle zu treten», so der PrĂ€sident.

Beobachter hatten vermutet, dass Macron nach dem Krisentreffen den nationalen Notstand verhĂ€ngen könnte. Premierministerin Élisabeth Borne hatte zuvor angekĂŒndigt, «alle Hypothesen» zu prĂŒfen, um schnell wieder zur «republikanischen Ordnung» zurĂŒckzukehren - auch die Ausrufung des landesweiten Notstands hatte sie nicht ausgeschlossen. Die französische Regierung entschied sich zunĂ€chst jedoch dafĂŒr, dass das Innenministerium «zusĂ€tzliche Mittel» einsetzen solle. Was das konkret bedeutet, blieb zunĂ€chst unklar.

Der StaatsprĂ€sident machte auch die sozialen Netzwerke fĂŒr die Gewalteskalation der vergangenen Tage verantwortlich. Dort seien gewalttĂ€tige Versammlungen organisiert worden. Außerdem habe er das GefĂŒhl, dass einige Jugendliche auf der Straße Videospiele nachahmten. Macron kĂŒndigte an, dass die Behörden gegen Menschen vorgehen werden, die ĂŒber die sozialen Netzwerke zu Krawallen aufrufen.

Tödlicher Schuss eines Polizisten war Auslöser

Auslöser der Unruhen war der Tod eines Jugendlichen. Eine Motorradstreife in Nanterre bei Paris hatte den 17-jÀhrigen Nahel am Dienstagmorgen am Steuer eines Autos gestoppt. Als der junge Mann plötzlich anfuhr, fiel ein tödlicher Schuss aus der Dienstwaffe des Polizisten. Gegen den Beamten wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags eingeleitet, er kam in Untersuchungshaft. Der Einsatz der Waffe bei der Kontrolle war nach EinschÀtzung der Staatsanwaltschaft nicht gerechtfertigt.

Seitdem wird Frankreich von heftigen Unruhen erschĂŒttert. Im Großraum Paris und in weiteren StĂ€dten gab es von Donnerstag auf Freitag in der dritten Nacht in Folge Ausschreitungen. Autos und MĂŒlltonnen wurden in Brand gesteckt und Polizisten mit Feuerwerkskörpern angegriffen. Mehrere Hundert Menschen wurden nach Angaben des Innenministeriums festgenommen und ĂŒber 200 Polizeibeamte verletzt.

Landesweit waren in der Nacht 40 000 Polizisten im Einsatz, um sich den Ausschreitungen entgegenzustellen, 5000 davon in Paris. Ein Teil des Nahverkehrs im Ballungsraum Paris wird nun abends bis auf Weiteres unterbrochen. Alle Straßenbahnen und Busse mĂŒssen in Absprache mit der Polizei spĂ€testens um 21.00 Uhr anhalten, teilte die zustĂ€ndige Behörde am Freitag per Twitter mit.

Ob Macron seinen fĂŒr kommende Woche geplanten Staatsbesuch in Deutschland absagen wird, ist offen. Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte, er habe dazu im Augenblick keine Informationen. Die Bundesregierung blicke mit einer «gewissen Sorge» auf die aktuellen Ereignisse in Frankreich.

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