Frauen, MĂ€nner

Frauen arbeiten deutlich mehr unbezahlt als MĂ€nner

28.02.2024 - 16:05:35

Frauen stecken deutlich mehr Zeit in unbezahlte Arbeit. Ergebnissen einer Studie des Statistischen Bundesamts zufolge hat sich an den traditionellen Rollenverteilungen nur wenig geÀndert.

Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung, Einkauf und Haushalt: Frauen in Deutschland verbringen damit im Schnitt tÀglich viele Stunden - deutlich mehr als MÀnner, wie eine Studie zeigt. MÀnner leisten demnach nicht nur deutlich weniger unbezahlte Arbeit, sie arbeiten auch insgesamt etwas weniger. Die sogenannte «Gender-Care-Gap» liegt einer Studie des Statistischen Bundesamts zufolge bei rund 44 Prozent. Demnach verbringen Frauen deutlich mehr Zeit mit unbezahlter Arbeit als MÀnner.

Frauen arbeiten deutlich mehr unbezahlt als MĂ€nner

«Damit leisten Frauen am Tag durchschnittlich eine Stunde und siebzehn Minuten mehr unbezahlte Arbeit als MĂ€nner», sagte die PrĂ€sidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand, in Berlin. Unbezahlte Arbeit beziehe sich dabei etwa auf HaushaltsfĂŒhrung, Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und soziales Engagement sowie die UnterstĂŒtzung haushaltsfremder Personen. Basis ist eine Studie von 2022, die untersucht, wie Menschen ihre Zeit aufteilen. Zuletzt war die Studie im Jahr 2012/2013 durchgefĂŒhrt worden. Damals hatte die «Gender-Care-Gap» noch bei rund 52 Prozent gelegen.

Frauen verbringen der aktuellen Studie zufolge im Schnitt fast 45,5 Stunden pro Woche mit Arbeit, knapp 30 Stunden davon mit unbezahlter Arbeit. Bei MÀnnern sieht das anders aus: Sie verbringen mit knapp 21 Stunden weniger als die HÀlfte ihrer 44-Stunden-Woche mit unbezahlter Arbeit. Damit arbeiten sie insgesamt weniger als Frauen. «Im Jahr 2022 arbeiteten Frauen rund 1,5 Stunden mehr als MÀnner. 2012/2013 hatte der Unterschied nur etwa 1 Stunde betragen», erklÀrte Brand.

Fast die HÀlfte der unbezahlten TÀtigkeit setzt sich bei Frauen dabei aus klassischer Hausarbeit wie Kochen, Putzen und WÀsche waschen zusammen - in einer Woche verbringen Frauen damit mehr als 13 Stunden, MÀnner nur halb so viel. 

Frauen stecken doppelt so viel Zeit in Kinderbetreuung

Mit Haushaltsorganisation und EinkĂ€ufen verbringen Frauen den Angaben nach fast fĂŒnf Stunden pro Woche, MĂ€nner rund vier. FĂŒr andere unbezahlte TĂ€tigkeiten wie Gartenarbeit, handwerkliche TĂ€tigkeiten oder soziales Engagement wenden beide Geschlechter etwa gleich viel Zeit auf. Bei der Kinderbetreuung sieht das anders aus - hier investieren MĂŒtter den Ergebnissen zufolge im Schnitt fast doppelt so viel Zeit wie VĂ€ter. 

Dabei wĂŒrden sich MĂŒtter gern mehr mit bezahlter Arbeit beschĂ€ftigen: Jede vierte erwerbstĂ€tige Mutter gab an, dass sie gern mehr Zeit fĂŒr ihre ErwerbstĂ€tigkeit hĂ€tte. DemgegenĂŒber wĂŒrde jeder vierte Vater lieber weniger Zeit mit der ErwerbstĂ€tigkeit verbringen und sich stattdessen lieber anderen Dingen widmen.

Eltern leisten mehr Arbeit als Elternlose

Der Umfang der geleisteten Arbeit von Erwachsenen ist laut Studie abhĂ€ngig davon, ob sie in einem Haushalt mit oder ohne Kinder leben. Elternteile, sowohl Alleinerziehende als auch Paare mit Kindern, arbeiten im Schnitt 57 Stunden pro Woche. Damit leisten Eltern etwa 11 Stunden mehr Arbeit als kinderlose Erwachsene. Besonders groß ist hier der Unterschied bei den MĂ€nnern: VĂ€ter arbeiten im Schnitt 12 Stunden mehr pro Woche als MĂ€nner ohne Kinder. 

Insgesamt leisten MĂŒtter kleiner Kinder weniger Erwerbsarbeit als Frauen ohne Kinder im Haushalt. «Stattdessen werden Kinderbetreuung und HaushaltsfĂŒhrung vor allem in den ersten Lebensjahren der Kinder vorrangig von den MĂŒttern ĂŒbernommen, wĂ€hrend VĂ€ter tendenziell die traditionelle Rolle des Hauptverdieners einnehmen», hieß es vom Statistischen Bundesamt.

Familienministerin Paus kritisiert ungleiche Verteilung

Familienministerin Lisa Paus (GrĂŒne) kritisierte die ungleiche Verteilung der Sorgearbeit: «FĂŒr Frauen bedeutet das meist: ein geringeres Gehalt, weniger berufliche Chancen und eine prekĂ€re Alterssicherung.» Es sei wichtig, dass Frauen wirtschaftlich auf eigenen Beinen stĂŒnden. Das gelinge aber nur, wenn Frauen und MĂ€nner unbezahlte Sorgearbeit gemeinsam ĂŒbernĂ€hmen. «Daher investieren wir weiter in den Ausbau und die QualitĂ€t der Kindertagesbetreuung», sagte Paus.

Die Frauenrechtsorganisation der Vereinten Nationen forderte eine Aufwertung der Sorgearbeit. «Professionelle Sorgearbeit muss endlich finanziell aufgewertet werden und unbezahlte Sorgearbeit muss gesellschaftlich anerkannt und fair verteilt werden», sagte die Vorsitzende der UN Women Deutschland, Elke Ferner. Auch das Zukunftsforum Familie forderte von der Bundesregierung bessere Rahmenbedingungen, um Frauen und MĂ€nnern eine fairere Aufteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit zu erleichtern, und mehr UnterstĂŒtzung fĂŒr die Pflege.

Einsamkeit erstmals Thema in der Erhebung

Zum ersten Mal wurde in der Erhebung auch das Thema Einsamkeit adressiert. Laut Studie fĂŒhlt sich jede sechste Person in Deutschland einsam, demnach knapp 12 Millionen Menschen. Am stĂ€rksten betroffen sind junge Erwachsene von 18 bis 29 Jahren - hier fĂŒhlt sich jede vierte Person einsam. Außerdem fĂŒhlen sich Frauen tendenziell einsamer als MĂ€nner.

Das Statistische Bundesamt erfasst im zehnjÀhrigen Turnus, wie die Menschen in Deutschland ihre Zeit verbringen. Bei der Erhebung 2022 wurden rund 10.000 Haushalte mit 20.000 Menschen ab 10 Jahren auf freiwilliger Basis an drei vorgegebenen Tagen (davon zwei Wochentage und ein Tag am Wochenende) aufgefordert, ihre verbrachte Zeit in 10-Minuten-Schritten in einem Zeit-Tagebuch oder in einer App festzuhalten. 

@ dpa.de