Geflohener StraftÀter gefasst - Drei weitere auf der Flucht
23.08.2024 - 11:01:13Seine Flucht ist beendet: Ein in Niederbayern aus einer geschlossenen Einrichtung geflohener StraftĂ€ter ist von der Polizei in Ăsterreich gefasst worden. Ăsterreichische EinsatzkrĂ€fte hĂ€tten den Mann am Donnerstagabend bei einer Polizeikontrolle in der NĂ€he von Graz in der Steiermark festgenommen, teilte die Polizei mit.Â
Bei seiner Festnahme habe der Mann keinen Widerstand geleistet, er befinde sich in einer österreichischen Justizvollzugsanstalt. NĂ€here Angaben zu dem Einsatz machte der Polizeisprecher aus ermittlungstaktischen GrĂŒnden zunĂ€chst nicht. Die Staatsanwaltschaft Regensburg habe eine Ăberstellung des Beschuldigten nach Deutschland beantragt.Â
TĂ€glich neue Zeugenhinweise
Der 28-JĂ€hrige war zusammen mit drei weiteren Insassen am 17. August aus dem Bezirkskrankenhaus Straubing (BKH) entkommen. Nach den drei anderen MĂ€nnern wird weiter per europĂ€ischem Haftbefehl gefahndet. Es gingen tĂ€glich Hinweise aus der Bevölkerung ein, die geprĂŒft wĂŒrden, teilte die Polizei mit.
DarĂŒber hinaus wĂŒrden Vernehmungen durchgefĂŒhrt, Videomaterial ausgewertet und mögliche Kontakt- und Anlaufadressen der MĂ€nner - auch im familiĂ€ren Umfeld - abgearbeitet, erlĂ€uterte die Polizei.
Gewaltsame Flucht
Den Erkenntnissen nach ĂŒberwĂ€ltigten die vier MĂ€nner vergangenen Samstagabend einen Mitarbeiter der Klinik. Sie sollen den Mann festgehalten, geschlagen und mit dem Tode bedroht haben, um die Ăffnung der Pforte zu erzwingen.
Aufgrund der «akut lebensbedrohlichen Situation» habe ein Sicherheitsmitarbeiter die Schleuse geöffnet, teilte der Bezirk Niederbayern als TrĂ€ger der Einrichtung mit. Die vier Insassen hĂ€tten den Klinikmitarbeiter verletzt zurĂŒckgelassen und seien zu FuĂ geflĂŒchtet.
Vorwurf: Geiselnahme und gefÀhrliche Körperverletzung
Aufgrund des Vorgehens bei der Flucht und der Gruppendynamik stuften die Behörden die MĂ€nner als gefĂ€hrlich ein. Gegen sie wurde Haftbefehl erlassen. Staatsanwaltschaft und Kripo ermitteln wegen Verdachts auf Geiselnahme und gefĂ€hrliche Körperverletzung. Laut Polizei befanden sich die MĂ€nner aufgrund von Eigentums- und BetĂ€ubungsmitteldelikten im MaĂregelvollzug des BKH.
BĂŒrgerinnen und BĂŒrger sind aufgerufen, sich verdĂ€chtigen Personen nicht zu nĂ€hern. Stattdessen sollten sie den Polizeinotruf 110 wĂ€hlen.
Blick in die Statistik
Bayernweit sind seit 2016 39 Personen aus MaĂregelvollzugseinrichtungen entkommen, wie aus einer Statistik des Amtes fĂŒr MaĂregelvollzug hervorgeht. Dieses erfasse seit 2016 die sogenannten Entweichungen, teilte das Sozialministerium mit. Von den 39 entwichenen Personen seien 34 wieder aufgegriffen worden - inklusive dem nun in Ăsterreich festgenommenen Mann aus dem BKH Straubing. Den Angaben nach ist der Vorfall mit den vier MĂ€nnern vom vergangenen Wochenende die einzige Entweichung aus dem BKH Straubing seit Beginn der Statistik 2016.
Sozialministerin kĂŒndigt AufklĂ€rung an
Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) dankte nach der Festnahme des 28-JĂ€hrigen der Polizei, den Sicherheitsbehörden sowie den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern. Sicherheit und Schutz der Bevölkerung und der Mitarbeiter in den Einrichtungen hĂ€tten oberste PrioritĂ€t, betonte sie.
«Beide VorfĂ€lle in den bayerischen MaĂregelvollzugsanstalten werden konsequent aufgearbeitet. Die gesetzlichen Bestimmungen, Sicherheitsvorkehrungen und Schutzkonzepte werden bereits intensiv auf Verbesserungen geprĂŒft und VerschĂ€rfungen getroffen», sagte Scharf weiter.
Bereits am 8. August war ein Insasse des Bezirksklinikums in Deggendorf entkommen. Der wegen Totschlags verurteilte und wegen einer psychischen Erkrankung als schuldunfĂ€hig eingestufte Mann flĂŒchtete wĂ€hrend eines begleiteten Freiganges aus einem Kino in Plattling. Er wurde etwa acht Stunden spĂ€ter wieder gefasst.Â
Kritik von SPD und ĂDP
Die Flucht der MĂ€nner löste eine politische Debatte um den MaĂregelvollzug und die Sicherheit der Einrichtungen aus. Die SPD-Fraktion im Landtag verlangt von der Staatsregierung mit einem Fragenkatalog AufklĂ€rung. «Wir mĂŒssen den Menschen wieder ein GefĂŒhl von Sicherheit vermitteln», sagte Horst Arnold, Sprecher fĂŒr Verfassung, Recht und Parlamentsfragen. Die Staatsregierung mĂŒsse die UmstĂ€nde der Fluchten genau darlegen und wirksame MaĂnahmen erlassen.
ĂDP-Sprecher Urban Mangold forderte den niederbayerischen Bezirkstag auf, die Regularien in der forensischen Klinik in Deggendorf sowie die Sicherheitsvorkehrungen im BKH Straubing zu ĂŒberprĂŒfen. «Wir brauchen jetzt klare Regeln, die sicherstellen, dass sich so etwas nicht wiederholt.»





