Avignon: Schuldspruch fĂŒr Ex-Mann in Vergewaltigungsprozess
19.12.2024 - 10:05:57 | dpa.de
Der Hauptangeklagte im Missbrauchsprozess in Avignon ist wegen schwerer Vergewaltigung schuldig gesprochen worden. Das StrafmaĂ gegen den 72-JĂ€hrigen steht noch aus. Dominique Pelicot hatte seine damalige Frau GisĂšle fast zehn Jahre lang immer wieder mit Medikamenten betĂ€ubt, missbraucht und von Dutzenden Fremden vergewaltigen lassen. Die Taten hatte er vor Gericht gestanden. Der Vorsitzende Richter verkĂŒndete am Vormittag zunĂ€chst die SchuldsprĂŒche. Im Anschluss will sich das Gericht zu den StrafmaĂen Ă€uĂern.
Anklage hat teils lange Strafen fĂŒr Mitangeklagte gefordert
In dem Mammutverfahren in SĂŒdfrankreich stehen neben dem Hauptangeklagten 50 weitere MĂ€nner vor Gericht, die meisten wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung. Die UrteilsverkĂŒndung gegen sie dauerte an. Einem von ihnen legte die Staatsanwaltschaft lediglich sexuelle Gewalt zur Last und forderte vier Jahre Haft.
Gegen alle anderen verlangte sie wegen Vergewaltigung mindestens 10 und maximal 18 Jahre GefĂ€ngnis. Nebenklageanwalt Antoine Camus sagte: «Jeder hat in seinem MaĂ, auf seinem Niveau zu dieser MonstrositĂ€t, zu diesem Martyrium dieser Frau beigetragen.» Zum Tatzeitpunkt sollen die MĂ€nner zwischen 21 und 68 Jahren alt gewesen sein. Dominique Pelicot suchte den Kontakt zu ihnen auf einer Online-Plattform.
Möglicherweise 200 Mal vergewaltigt
Der jahrelange sexuelle Missbrauch von GisÚle Pelicot war vor vier Jahren eher zufÀllig aufgeflogen. Dominique Pelicot war im September 2020 festgenommen worden, nachdem er Frauen im Supermarkt unter den Rock gefilmt hatte. Polizisten untersuchten den Computer des Mannes. Dieser hatte den Missbrauch an seiner Frau in Hunderten Fotos und Videos dokumentiert.
GisĂšle selbst, hatte die Ăbergriffe wegen der starken Medikamente, die ihr damaliger Mann ihr heimlich verabreicht hatte, nicht mitbekommen. Sie geht davon aus, etwa 200 Vergewaltigungen erlitten zu haben. Die Ermittler vermuten auch ein Dutzend weitere TĂ€ter, die aber nicht identifiziert werden konnten.
GisĂšle Pelicot ist zum Vorbild geworden
Das seit September laufende Verfahren hat Frankreich aufgerĂŒttelt. In einem ungewöhnlichen Schritt entschied sich GisĂšle Pelicot dazu, den Prozess nicht hinter verschlossenen TĂŒren fĂŒhren zu lassen. Sie habe sich nichts vorzuwerfen, betonte die Anfang-SiebzigjĂ€hrige.Â
In nur wenigen Wochen wurde Pelicot zum Vorbild und zur feministischen Ikone. Sie wolle, dass andere missbrauchte Frauen durch sie Mut bekĂ€men, sagte sie vor Gericht. «Ich will, dass sie keine Schande mehr verspĂŒren. Nicht wir sollten uns schĂ€men, sondern sie.»
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