Silvester, Schweiz

Crans-Montana: Ermittlungen wegen fahrlÀssiger Tötung

03.01.2026 - 17:14:48

Gab es zu wenig NotausgÀnge, war in der abgebrannten Bar nicht regelkonformes Material verbaut? Nach dem verheerenden Feuer in Crans-Montana stehen nun die Barbetreiber im Visier der Ermittler.

  • Ein Meer aus Kerzen, Blumen und Stofftieren erinnert an die Opfer. - Foto: Baz Ratner/AP/dpa

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  • Der Justizminister gedenkt der Opfer in Crans-Montana. - Foto: Baz Ratner/AP/dpa

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Ein Meer aus Kerzen, Blumen und Stofftieren erinnert an die Opfer. - Foto: Baz Ratner/AP/dpaDer Justizminister gedenkt der Opfer in Crans-Montana. - Foto: Baz Ratner/AP/dpa

Nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana mit 40 Toten bei einer Silvesterparty hat die Schweizer Polizei strafrechtliche Ermittlungen gegen die Barbetreiber aufgenommen. «Ihnen werden fahrlÀssige Tötung, fahrlÀssige Körperverletzung sowie fahrlÀssige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen», teilte die Kantonspolizei Wallis mit. 

Das französische Ehepaar wurde nicht festgenommen und unterliegt auch keinen ReisebeschrÀnkungen, wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage prÀzisierte. Es handele sich zunÀchst um eine Strafuntersuchung. Ob Anklage erhoben werde, entscheide die Staatsanwaltschaft zu einem spÀteren Zeitpunkt.

«Es wird daran erinnert, dass bis zu einer rechtskrÀftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt», teilte die Polizei mit. Die Betreiber hatten Medienvertretern gesagt, dass sie vollumfÀnglich mit den Ermittlern kooperieren.

Der dĂŒnne Faden, an dem das Leben hĂ€ngt

Bei dem Brand in der Silvesternacht war nach ersten Ermittlungen durch funkensprĂŒhende PartyfontĂ€nen Schaumstoff an der Decke der Bar in Brand geraten. Er hatte sich innerhalb kĂŒrzester Zeit ausgebreitet. Neben den Todesopfern wurden 119 Menschen grĂ¶ĂŸtenteils schwer verletzt. Am Samstag war Justizminister Beat Jans in Crans-Montana. Die Katastrophe mache alle betroffen, sagte er. «Es zeigt uns, wie dĂŒnn der Faden ist, an dem unser Leben und das Leben unserer Liebsten hĂ€ngt.»

Zweifel an Einhaltung von Brandschutzvorschriften

Brandschutzexperten haben infrage gestellt, ob die Bar genĂŒgend NotausgĂ€nge hatte und ob der Schaumstoff unter der Decke wahrscheinlich zur SchalldĂ€mpfung regelkonform war. Als die Barbesucher vor den Flammen flĂŒchteten, war es auf einer engen Treppe zu erheblichem GedrĂ€nge gekommen. Einige Überlebende konnten nur noch an den hochgestreckten HĂ€nden aus der Menge gezogen worden, wie Helfer berichteten. 

Fluchtwege und Pyrotechnik problematisch

«Die Fluchtwegsituation vom GebÀude war sicher nicht ideal, weil Leute von Untergeschoss - glaube ich - nur eine Ausgangsmöglichkeit hatten», sagt Dumeng Wehrli, PrÀsident der Interessengemeinschaft der Brandschutzingenieure Schweiz, dem Sender SRF. Allein anhand der Zahl der Opfer ist klar, dass sich in den RÀumen der Bar mehr als 150 Menschen aufgehalten haben.

Ein einziger Notausgang reiche nach den Vorschriften nur in einem Raum mit bis zu 50 Personen, sagt Wehrli. Bei mehr als 50 seien zwei NotausgĂ€nge vorgeschrieben. Ab 200 Personen mĂŒsse es mehrere und breitere Fluchtwege und AusgĂ€nge geben. 

Die funkensprĂŒhenden PartyfontĂ€nen, die auf Videos und Bildern zu sehen sind, hĂ€lt er auch fĂŒr problematisch. «Pyrotechnische GegenstĂ€nde haben aus meiner Sicht im Inneren von GebĂ€uden nichts zu suchen», sagt er. 

Deutschland hilft mit Aufnahme von Brandopfern

Nach der ersten Notversorgung zeigt sich, dass die Schweiz nicht die KapazitÀten hat, so viele Opfer mit so schweren Brandverletzungen langfristig zu betreuen. 50 der 119 Opfer sollen ins Ausland verlegt werden, wie die Behörden bekanntgaben. 

Eine Handvoll war bereits in Kliniken in Deutschland aufgenommen worden, unter anderem in TĂŒbingen, Stuttgart, Hannover, Köln-Merheim und Halle (Saale). «Wir gehen davon aus, dass noch weitere Patienten kommen werden», sagte die Sprecherin des Klinikums Bergmannstrost in Halle (Saale). Auch in Berlin, Leipzig und Bochum wurden Patienten erwartet. 

Die Bar war besonders beim jungen Publikum beliebt, entsprechend sind die meisten Schwerletzten Teenager oder junge Erwachsene. Bis Samstag wurden vier der 40 Todesopfer identifiziert. Es handelt sich um Schweizer zwischen 16 und 21 Jahren. 

Von den 119 Verletzten waren bis Freitag 113 identifiziert worden. Darunter waren 71 Schweizer sowie 14 Franzosen, elf Italiener, vier Serben sowie einzelne Personen aus anderen LĂ€ndern. Deutsche Opfer wurden bislang nicht gemeldet.

@ dpa.de