Deutschland, Nordrhein-Westfalen

Auftakt im Untreue-Prozess gegen Priester

12.07.2023 - 14:50:49

GeldwÀsche, Untreue, ein Priester auf der Anklagebank: Der Fall am Amtsgericht Mönchengladbach ist ungewöhnlich. Der Angeklagte wurde Anfang Februar aus Belgien an die deutsche Justiz ausgeliefert.

Der Angeklagte kam in dunkler Hose, hellem Kurzarmhemd und wirkte unaufgeregt: Vor dem Amtsgericht in Mönchengladbach muss sich seit Mittwoch ein katholischer Pfarrer wegen gewerbsmĂ€ĂŸiger Untreue verantworten. Dem ehemaligen MilitĂ€rseelsorger wird auch gewerbsmĂ€ĂŸige GeldwĂ€sche vorgeworfen. Er sitzt in Untersuchungshaft.

Laut Anklage soll der 59-JĂ€hrige in seiner Zeit als Pfarrer der katholischen Gemeinden HĂŒckelhoven mehr als 100.000 Euro von einem kirchlichen Spenden- und Kollektenkonto ins Ausland ĂŒberwiesen haben. Außerdem soll er als sogenannter Finanzagent zwischen 2017 und Anfang 2020 von ĂŒber 160 eigenen und fremden Konten Gelder aus Betrugsstraftaten in Höhe von insgesamt 10.000 Euro ins Ausland ĂŒberwiesen haben. Vielfach seien die BetrĂ€ge auf Konten in Afrika gegangen, so der Staatsanwalt.

Zum Auftakt bestĂ€tigte der Angeklagte dem Gericht nur sein Geburtsdatum, seinen Geburtsort Köln und seinen Familienstand als ledig. Zu den VorwĂŒrfen werde er zunĂ€chst keine Angaben machen, erklĂ€rten seine beiden Verteidiger. Ob sich das am zweiten Verhandlungstag Ă€ndert, ließen sie offen.

Mit drei Kilo Heroin erwischt

Der Geistliche war im Februar an die deutsche Justiz ausgeliefert worden. Der 59-JĂ€hrige war zuvor seit August 2020 in BrĂŒssel im GefĂ€ngnis, nachdem er an einem belgischen Flughafen mit knapp drei Kilo Heroin erwischt worden war. Im Dezember 2020 wurde er in Belgien wegen bandenmĂ€ĂŸigen Drogenhandels zu mehr als drei Jahren Haft verurteilt.

Nach der Anklageverlesung erklĂ€rte der Richter, im Vorfeld habe es auf Anregung der Verteidigung GesprĂ€che aller Verfahrensbeteiligten gegeben. Eine VerstĂ€ndigung sei nicht zustande gekommen. FĂŒr den Staatsanwalt wĂ€re «nur im Gegenzug fĂŒr ein umfassendes GestĂ€ndnis» eine Haftstrafe von unter zwei Jahren und sechs Monaten denkbar.

Nach Erkenntnissen ĂŒber finanzielle UnregelmĂ€ĂŸigkeiten hatte das Bistum Aachen im MĂ€rz 2018 Strafanzeige erstattet. Kurz zuvor hatte der Pfarrer «aus persönlichen GrĂŒnden» um Entpflichtung von seinen Ämtern gebeten. Das Bistum hat ihn freigestellt, er darf nicht priesterlich tĂ€tig sein.

FĂŒr den Prozess vor dem Amtsgericht sind bis Ende August vier weitere Termine geplant. 23 Zeugen sollen gehört werden. Der frĂŒhere Wirkungsort des Priesters, HĂŒckelhoven, ist gut 20 Kilometer entfernt.

@ dpa.de

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